Die Krypto-Revolution setzt auf Stabilität

Trump setzte auf Kryptowährungen, der Bitcoin hält seine Zyklen ein und die Gewinner des Jahres sind Stablecoins, die unauffällig den digitalen Dollar antreiben.

Das illustrative Foto wurde mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt. Foto: Statement/Midjourney

Das illustrative Foto wurde mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt. Foto: Statement/Midjourney

Der amerikanische Präsident Donald Trump erkannte in diesem Jahr, dass die Welt der Kryptowährungen nicht nur ein politisches Thema ist, das seine Gegner vernachlässigt hatten, sondern auch ein Geschäftsmodell und eine Möglichkeit, zur Lösung der amerikanischen Wirtschaftsprobleme beizutragen. Der Kurs von Bitcoin und anderen Kryptowährungen stieg mit seinem Einzug ins Weiße Haus auf ein Rekordniveau.

Trump hat viele seiner Versprechen in diesem Bereich erfüllt. Er hat alles getan, um Kryptowährungen zu fördern, angefangen beim traditionellen Bitcoin. Er unterzeichnete den GENIUS Act, ein Bundesgesetz, das einen klareren und umfassenderen Regulierungsrahmen für Stablecoins in den USA anstrebt. Er verbot zudem die Einführung einer staatlichen digitalen Zentralbankwährung (CBDC).

Viele waren zwar enttäuscht, dass er nicht mit dem Aufbau einer strategischen Bitcoin-Reserve begonnen hat. Genauer gesagt hat Trump aber nur die Option, diese Reserve durch einen aktiven Ansatz auf Bundesebene aufzubauen, in den Hintergrund gedrängt, im Gegenzug aber den einzelnen Bundesstaaten die Möglichkeit eröffnet, selbst zu entscheiden, ob sie mit dem Aufbau einer Reserve in Kryptowährungen beginnen wollen.

Er setzte sich zudem dafür ein, dass der amerikanische Staat die aus kriminellen Aktivitäten beschlagnahmten Kryptowährungen nicht verkauft, sondern behält. Es handelt sich dabei also auch um das Anlegen einer Reserve, aber keiner strategischen.

Die Zyklen haben sich bestätigt

Aber auch all diese Maßnahmen konnten nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Preis von Bitcoin und anderen Kryptowährungen von sogenannten Halving-Zyklen bestimmt wird. Es handelt sich dabei um einen programmierter Mechanismus in der Bitcoin-Blockchain, der alle 210.000 Blöcke - und damit ungefähr alle vier Jahre - die Mining-Belohnung halbiert.

Anfang Oktober stellte Bitcoin einen neuen Allzeit-Hoch-Rekord auf, aber dann ging es mit ihm „bergab“. Der Preis von Bitcoin und anderen Kryptowährungen trat in eine Baissephase ein. Die gute Nachricht ist, dass diese nun schon fast zwei Monate andauert. Eine Baissephase dauert maximal acht bis zehn Monate.

Die zweite gute Nachricht ist, dass wir uns bereits im vierten Halving-Zyklus befinden, sodass dessen Einfluss allmählich abnimmt. Das Angebot an Bitcoin, das beim Mining verfügbar ist, nimmt zwar weiter ab, aber der Markt ist heute viel tiefer, liquider und weniger abhängig von der Emission neuer Coins als in früheren Zyklen.

Da sich der Preis von Bitcoin wie erwartet entwickelt, kann man kaum von einer Niederlage sprechen, denn an der Börse ist derjenige der Verlierer, der die Erwartungen des Marktes nicht erfüllt. Angesichts der aktuellen Baissephase des Kryptowährungsmarktes ist es daher schwierig, ihn als Gewinner zu bezeichnen. Deshalb müssen wir uns andere Kandidaten ansehen.

Amerikanische Stablecoins: Gewinner dank Regulierung und Anpassung

Die Gewinner des Jahres 2025 sind somit die amerikanischen Stablecoins. Es geht nicht nur darum, dass sie endlich ihren gesetzlichen Rahmen bekommen haben, sondern auch um die fortschreitende Anpassung. Ein Stablecoin ist eine digitale Währung, die durch stabile Finanzanlagen gedeckt ist, was bedeutet, dass ihr Kurs oft an einen US-Dollar gebunden ist.

Es handelt sich also nicht um ein volatiles Aktivum. Bei den beiden am weitesten verbreiteten Stablecoins handelt es sich um eine Absicherung durch US-Staatsanleihen. USDT hat derzeit Anleihen im Wert von mehr als 112 Milliarden Dollar in seinem Portfolio. USDC besitzt Anleihen im Wert von mehr als 26 Milliarden Dollar.

Zusammen genommen besitzen diese beiden Stablecoins derzeit ein Anleihevolumen, das mit dem Volumen mittlerer Volkswirtschaften vergleichbar ist. Stablecoins sind heute nicht die Hauptquelle der Nachfrage nach US-Staatsanleihen, aber sie gehören zu den am schnellsten wachsenden marginalen Käufen, insbesondere bei kurzfristigen Staatsanleihen.

Mittelfristig kann sich diese Rolle jedoch erheblich ändern. Wenn die weltweite Nachfrage nach dem digitalen Dollar weiter steigt und Stablecoins das Vertrauen der Regulierungsbehörden und Nutzer behalten, können sie sich nach und nach zu strukturell bedeutenden Käufern von US-Anleihen entwickeln. Es wird daher von entscheidender Bedeutung sein, dass Stablecoins auch in den kommenden Jahren erfolgreich bleiben.

Wenn dies der Fall ist, wird nachvollziehbar, warum die Europäische Zentralbank Stablecoins fürchtet. Auch Europa droht die Verbreitung digitaler Währungen, die sich der Kontrolle der Zentralbank entziehen. Das bedeutet jedoch nicht, dass Stablecoins keine Risiken bergen.

Es existiert tatsächlich ein großes Risiko. Wenn das Interesse an Stablecoins nachlässt und die Menschen ihr Geld in etwas anderes umwandeln, müssen jene Unternehmen, die Stablecoins betreiben, anfangen, US-Anleihen zu verkaufen. Und das gefällt keiner US-Regierung. So können Retter praktisch über Nacht zu Staatsfeinden werden.

$TRUMP-Coin: Niederlage durch schnell schwindendes Interesse

Der größte Verlierer des Jahres ist die Währung $TRUMP. Donald Trump hat gezeigt, dass er ein wirklich guter Geschäftsmann ist, der es versteht, eine praktisch wertlose Sache für sehr gutes Geld zu verkaufen. In den Vorbereitungen für die Amtseinführung fand er in letzter Minute Zeit, seinen eigenen Memecoin zu lancieren. Damit die First Lady nicht zu kurz kommt, lancierte er dazu auch $MELANIA.

Der Milliardär nutzte die Begeisterung, aber auch Spekulationen, um den Preis auf ein Maximum hochzu treiben. Nach dem anfänglichen Boom fiel $TRUMP von einem Wert von mehreren zehn Milliarden Dollar auf etwa 1,1 Milliarden Dollar, was einem Verlust von etwa 88 Prozent seines Marktwertes entspricht. Sein Preis wird kaum noch einmal seinen Höchststand erreichen.

$TRUMP erinnert uns jedoch daran, dass es nie einfach ist, reich zu werden. Das gilt auch für Kryptowährungen. Mehr Geld in Memecoins zu investieren, als man bereit ist, für ein Lotterielos zu bezahlen, ist ein Zeichen von finanzieller Unwissenheit - das gilt auch dann, wenn diese Lotterie den Namen eines der mächtigsten Männer der Welt trägt.

Bitcoin durchläuft weiterhin seine Zyklen, $TRUMP hat gezeigt, dass der Hype nur von kurzer Dauer ist, und am meisten verdient haben in diesem Jahr Unternehmen, die Stablecoins betreiben und von der steigenden Nachfrage nach dem digitalen Dollar ohne Preisschwankungen profitiert haben. Im Jahr 2025 hat die Kryptowelt also an die alte Regel der Märkte erinnert: Die größte Revolution wird oft durch die langweiligste, also die stabilste Lösung ausgelöst, und genau das sind Stablecoins.