2025 endet die Ära des Freihandels. Ja wirklich?

In diesem Jahr hat Donald Trump dem freien Handel durch Zollpolitik entschlossen einen Riegel vorgeschoben. Der freie Markt hat jedoch nur auf den ersten Blick eine Niederlage erlitten.

Donald Trump. Foto: Andrew Harnik/Getty Images

Donald Trump. Foto: Andrew Harnik/Getty Images

Seit Donald Trump im April die ersten Zölle eingeführte, hat sich viel verändert. Die Handelszahlen sind heute ganz anders, die Märkte haben eine wilde Cowboy-Phase durchlaufen. Schon damals war jedoch klar, dass die bisherige Ära des freien Handels und des Abbaus von Barrieren zu Ende geht.

Abgesehen davon, dass der amerikanische Präsident Zölle als eine Art politisches Druckmittel betrachtet, das er in Verhandlungen einsetzen kann, ist sein Hauptargument der Schutz der heimischen Industrie. Er behauptet, der Freihandel habe sie aus Amerika vertrieben, was die Arbeitslosigkeit erhöhe (vor allem unter den Arbeitern, von denen viele ihn gewählt haben).

Trump wwill deshalb die Importe aus dem Ausland so stark verteuern, dass es sich für große Unternehmen eher lohnt, direkt auf amerikanischem Boden zu produzieren und dort Menschen zu beschäftigen. Da die Einnahmen aus den Zöllen für die amerikanische Staatskasse so hoch sind, will er gleichzeitig damit die Steuern für amerikanische Bürger und Unternehmen senken.

Trumps Weltbetrachtung hat jedoch weitreichende Folgen. Und zwar nicht nur für die Feinde, Konkurrenten, Handelspartner und Verbündeten der USA, sondern auch für die Vereinigten Staaten selbst.

Obwohl die neue Zollpolitik der Amerikaner tatsächlich Geld in die Staatskasse spült - im Haushaltsjahr 2025 nahm die US-Regierung 195 Milliarden Dollar ein, also 250 Prozent mehr als im Vorjahr - hat sie viele unerwünschte Nebeneffekte, die auf den ersten Blick nicht gleich sichtbar sind.

Die Zölle bewirken einen direkten Anstieg des dortigen Preisniveaus, was bereits seit April zu beobachten ist. Analysten gehen davon aus, dass sich dieser Trend in den nächsten Jahren fortsetzen wird, da die vollständigen Auswirkungen noch nicht eingetreten sind.

Obwohl die Kosten für Zölle in der Regel zunächst von ausländischen Unternehmen getragen werden (was oft der Grund für Gegenzölle des Auslands ist), werden sie mit der Zeit auf die Endpreise umgelegt, das bedeutet für die Amerikaner eine geringere Kaufkraft.

Die Verteuerung der Importe dämpft gleichzeitig den Wettbewerb. Amerikanische Unternehmen sind weniger gezwungen, innovativ und effizient zu sein und können es sich auch leisten, höhere Preise zu verlangen. Für die Verbraucher bedeutet dies jedoch, dass sie weniger kaufen werden. Die Unternehmen wiederum werden in Folge weniger produzieren, weniger Mitarbeiter beschäftigen, geringere Umsätze erzielen, weniger Steuern zahlen usw. - und diese Folgen tragen nicht nur amerikanische, sondern auch ausländische Unternehmen, für die die USA derzeit ein lukrativer Absatzmarkt sind.

Doch trotz dieser Theorie einer Abwärtspirale durch Abschottungszölle ist nach mehr als einem halben Jahr nicht zu erkennen, dass die Wirtschaft der Vereinigten Staaten deutlich ins Stocken geraten wäre. Im Gegenteil, im zweiten Quartal setzte sie ihr Wachstum um 3,8 Prozent fort, und Schätzungen zufolge sollte sie im dritten Quartal nur geringfügig weniger erfolgreich sein. Und obwohl das Preisniveau bereits gestiegen ist, kann man derzeit keienswegs von einer galoppierenden Inflation sprechen.

Auch wenn die Realität weniger dramatisch ist, als ursprünglich angenommen, muss berücksichtigt werden, dass die endgültig ausgehandelten Zölle dann doch niedriger ausfielen, als ursprünglich von Trump angekündigt. Der Rest der Welt hat sich zurückgehalten und ist nicht in einen Handelskrieg mit ihm eingetreten.

Die Auswirkungen der Zölle fallen nicht so deutlich aus, es handelt sich eher um ein zwangloses Phänomen. Ähnlich wie damals, als Europa beschloss, Kohlenstoffzölle, Emissionszertifikate oder ein Embargo für russisches Gas und Öl einzuführen, um den Wettbewerb um die besten Preise für Rohstoffe zu vermeiden.

Zölle bleiben langfristig eine überflüssige Belastung, die die Hersteller des jeweiligen Landes aufgrund einer politischen Entscheidung zu tragen haben, aber sind kein externer kurzfristiger Schock. Gleichzeitig sind sie auch für neue Regierungsapparate schwer abzuschaffen, da sie Einnahmen für die Staatskasse bringen.

Trotz der negativen Auswirkungen von Trumps Maßnahmen geht der freie Handel in diesem Jahr nicht als Verlierer aus dem Rennen. Viele Länder diversifizieren einfach ihre Exporte. Auch wenn China weniger in die USA exportiert, ist dies insgesamt in der chinesischen Handelsbilanz nicht spürbar. In den ersten elf Monaten des Jahres verzeichnete das Land sogar einen um 5,7 Prozent höheren Export als im Vorjahr, aber vor allem nach Europa, Südostasien und Afrika.

Trumps Zölle entfernen die Welt einfach von den Vereinigten Staaten und bringen im Gegenzug Drittländer einander näher. Der Protektionismus wird Amerika also nicht mehr Wohlstand bringen als ein freier Handel. Sicherlich kann er in strategischen Branchen seine Berechtigung haben, aber eine zu geschlossene Haltung macht das Land langfristig nur unnötig ärmer.