Das Regime in Venezuela verliert an Boden

Der große Showdown wird sich wohl erst im kommenden Jahr abspielen, aber schon jetzt ist klar, dass es sich um einen asymmetrischen Kampf der Großmächte in ihrem „Hinterhof” handeln wird.

Illustrationsfoto. Foto: Jesus Vargas/Getty Images

Illustrationsfoto. Foto: Jesus Vargas/Getty Images

Die USA versuchen, ihre Vorherrschaft über ihre südlichen Nachbarn im Sinne der sogenannten Monroe-Doktrin wiederherzustellen, benannt nach einem Pplan des fünften US-Präsidenten, James Monroe. In einer Erklärung vor dem Kongress im Jahr 1823 warnte er einst die europäischen Großmächte davor, ihre Kolonialherrschaft an der Westküste des Atlantiks wieder anzustreben.

Die Doktrin wurde später vom 26. US- Präsident Theodore Roosevelt erneuert, der den Vereinigten Staaten das Recht zusprach, in lateinamerikanischen Ländern wenn nötig zu intervenieren, was später von seinem Amtsnachfolger und entfernten Verwandten Franklin D. Roosevelt als 32. US-Präsident wieder revidiert wurde. Derzeit erlebt die Monroe-Doktrin jedoch unter Donald Trump eine Renaissance.

Dieser beschränkt sich nicht darauf, Staaten südlich der USA nur wegen politischer Meinungsverschiedenheiten zu „bestrafen”, sondern auch wenn sie sich weigern, sich den wirtschaftlichen Interessen der USA unterzuordnen.

Kleine Venedig und große Träume

Auf der anderen Seite des eskalierenden Konflikts in der Region steht Venezuela. Das Land, dessen Name als „Kleines Venedig“ übersetzt werden kann, ist das historische Ergebnis des antikolonialistischen Freiheitskampfes, den General Simón Bolívar in mehreren südamerikanischen Staaten einst führte.

Im 19. Jahrhundert herrschte Venezuela über einen großen Teil des benachbarten Staates Guyana – diese an Bodenschätzen reiche Provinz Essequibo wurde 1899 durch ein Schiedsverfahren an die ehemalige britische Kolonie Guyana übertragen. Der amtierende venezolanische Staatschef Nicolás Maduro stellte jedoch bereits 2023 dieses Schiedsurteil in Frage und erklärte, dass die Provinz, die zwei Drittel der Fläche Guyanas einnimmt, in seinen Augen zu Caracas gehöre.

Für diese Art von imperialistischen Taschenspielertricks bleibt Maduro jedoch möglicherweise nicht mehr viel Zeit. Seit Ende August nähert sich seinem Land einer kriegerischen Auseinandersetzung mit den USA.

Geopolitischer Weltkrieg

Bereits seit Ende August kreuzen im südlichen Karibischen Meer amphibischen Angriffsschiffe der
Iwo-Jima-Klasse der US-Marine mit 4.500 Marineinfanteristen an Bord, die am 1. September 2025 die Operation Southern Spear starteten und bis Dezember mindestens 21 Schiffe angegriffen haben.

Die Bilanz dieser „tödlichen kinetischen Schläge” zählt bislang mindestens 82 Tote, eines der Schiffe war ein Torpedoboot von Schmugglerbanden. Die Besatzung der Iwo Jima Flotte wurde im November durch den größten Flugzeugträger der USA, die USS Gerald R. Ford verstärkt.

Da Trump bereits im Januar dieses Jahres die lateinamerikanischen Drogenkartelle als „Drogenterroristen“ bezeichnet hatte, fürchtet Maduro entsprechend um seinen Platz unter der Sonne. Die Maßnahmen, die die US Navy in der Karibik durchgeführt hat, wirken nämlich wie eine Vorbereitung auf einen Krieg.

Ebenso beunruhigend für das Regime in Venezuela ist sicher auch die Tatsache, dass Trump das Drogenkartell „Cartel de los Soles“ als ausländische Terrororganisation eingestuft hat und Maduro als dessen Anführer aufgeführt ist. Der Kartellname und seine Symbolik verweisen auf die Insignien der Bolívar-Armee, und laut Aussage des ehemaligen Chefs des Militärgeheimdienstes arbeitete Maduro mit der Regierung beim Export von Drogen und beim Versand von Drogen- und Ölgeldern an amerikanische und europäische Verbündete zusammen.

Ende November verkündete Trump zudem die Schließung des venezolanischen Luftraums, und am 10. Dezember beschlagnahmte die Küstenwache einen Öltanker des Landes unter dem Verdacht des Drogenschmuggels. Maduro bezeichnete dies als Akt der Piraterie, worauf der US-Präsident mit der Anordnung einer Seeblockade reagierte.

In einem Beitrag vom 16. Dezember auf Truth Social fügte Trump hinzu, die Einschüchterung durch die „größte Armada“ [Anspielung auf die umfangreiche spanische Kolonialmarine, Anm. d. Red.] werde so lange fortgesetzt, bis Caracas „den Vereinigten Staaten das gesamte Öl, Land und andere Vermögenswerte zurückgibt, die sie uns zuvor gestohlen haben“.

Trump erinnerte damit an die venezolanische Verstaatlichung der amerikanischen Förderkapazitäten Anfang der 1970er Jahre. Es sei jedoch daran erinnert, dass dies Unternehmen wie Chevron oder Conoco nicht daran hinderte, bis heute venezolanisches Öl zu kaufen.

Seit Beginn der Operation Southern Spear kritisieren Vertreter der oppositionellen Demokratischen Partei Trump dafür, dass er bei diesen Entscheidungen den US-Kongress umgehe, der eigentlich - ähnlich wie bei den US-Zöllen - auch in Fragen der Entsendung von Truppen die oberste Entscheidungsgewalt hat. Wie jedoch drei Senatoren in einem Interview mit der Tageszeitung New York Times eingestanden, spielt die Legislative den "toten Mann" und unterwirft sich in allem dem Weißen Haus.

Die einzelnen Schritte und Äußerungen von Trump und seiner Regierung basieren auf zwei Grundsätzen – „Rückkehr zur Größe“ und „Frieden durch Stärke“. Die Wiederbelebung der Monroe-Doktrin als Teil von Trumps Thronbesteigung hat somit ihr erstes Opfer gefunden: Venezuela.