Weihnachten zu Hause: 130 entführte Kinder einer katholischen Schule in Nigeria wieder frei 

Es gleicht einem Weihnachtswunder: Vier Wochen nach der Entführung von mehr als 300 Schülern aus einem katholischen Internat in Nigeria sind auch die noch verbliebenen Kinder wieder frei.

Die entführten Schulkinder von der St. Mary’s School sind wieder frei; Foto: Marvellous Durowaiye/Reuters

Die entführten Schulkinder von der St. Mary’s School sind wieder frei; Foto: Marvellous Durowaiye/Reuters

Wie der nigerianische Präsidentensprecher Sunday Dare in der Nacht auf Dienstag auf der Plattform X bekannt gab, seien weitere 130 entführte Schüler aus dem Bundesstaat Niger freigelassen worden, damit sei keines der Kinder mehr in Gefangenschaft.

Die 300 Mädchen und Jugen zwischen 8 und 18 Jahren waren im November von unbekannten bewaffneten Rebellen aus dem St. Mary's-Internat in Papiri im Zentrum des Landes verschleppt worden. Rund 50 war bereits kurz nach der Entführung die Flucht gelungen. Anfang Dezember kamen 100 weitere Kinder frei. Es ist nach wie vor unklar, wer genau hinter der Entführung steckt und ob die nigerianische Regierung Lösegeld bezahlt hat.

Die jetzt freigekommenen Kinder würden zunächst von staatlichen Stellen in Obhut genommen, medizinisch untersucht und betreut, erklärte Bischof Bulus Yohanna Dauwa in einem Telefonat mit dem katholischen Hilfswerk Missio Aachen. "Ich bin sehr glücklich und sehr erleichtert. Es ist wie ein kleines Wunder kurz vor Weihnachten." Es handele sich sehr wahrscheinlich um die letzte Gruppe der rund 320 Kinder und Lehrkräfte, die nach dem Angriff auf die Schule noch festgehalten worden waren.

Immer wieder Entführungen, Dutzende Mädchen noch immer verschollen

Seit Jahren greifen schwer bewaffnete kriminelle Banden immer wieder in ländlichen Gebieten im Nordwesten und im Zentrum Nigerias an, um Menschen zu entführen und Lösegeld zu erpressen. Tausende Menschen wurden getötet. Die Gangs haben ihre Lager und Verstecke in einem riesigen Waldgebiet, das sich über mehrere Bundesstaaten erstreckt.

Im April 2014 hatte die Verschleppung von 276 Mädchen aus einem Internat im nigerianischen Chibok international für Aufsehen gesorgt – von einigen der damals verschleppten Mädchen fehlt bis heute jede Spur.

Christen in Nigeria "existenzieller Bedrohung" ausgesetzt – Trump drohte bereits mit „Einmarsch“

Nach der Entführung der 300 Kinder aus dem St. Mary's-Internat in Papiri hatte US-Präsident Donald Trump Nigeria vor allem wegen der immer wieder gezielten Tötung von Christen im Land mit einem Militäreinsatz gedroht. Laut Trump seien Christen in Nigeria einer "existenziellen Bedrohung" ausgesetzt. Die nigerianischen Behörden wiesen die Vorwürfe immer zurück. 

Mit mehr als 230 Millionen Einwohnern ist Nigeria das bevölkerungsreichste Land Afrikas, es ist in einen mehrheitlich muslimischen Norden und einen weitgehend christlichen Süden geteilt. Fakt bleibt, dass mit der Terrorgruppe Boko Haram eine radikale islamistische Terrormiliz im Land ihr Unwesen treibt, immer wieder kommt es zu Entführungen vor allem von christlichen Frauen und Mädchen, auch die im Jahr 2014 entführten 276 Schülerinnen aus dem Internat in Chibok gehen auf das Konto von Boko Haram. Weder die nigerianische Regierung noch das MIlitär sind offensichtlich in der Lage oder auch nur Willens, die Täter zu fassen oder die Gewalt zu unterbinden. Sicherheitsexperten weisen seit Jahren darauf hin, dass die Entführungen durch die Zahlungen von Lösegeld zu einem lukrativen Geschäft geworden sind.