Das Jahr 2026 bietet nur wenige wirklich attraktive Fenstertage. Genau deshalb konzentrieren sich im kommenden Jahr Urlaubsanträge in Österreich und Deutschland auf einige klar erkennbare Zeiträume. Für Unternehmen bedeutet das organisatorischen Druck. Für Angestellte eröffnet sich umgekehrt die Möglichkeit, mit vergleichsweise wenigen Urlaubstagen ungewöhnlich lange Erholungsphasen zu erzielen, sofern sie früh planen und ihre freien Tage schnell beantragen und genehmigen lassen. 2026 ist damit kein großzügiges Urlaubsjahr, sondern eines für planende Köpfe.
Januar: Wer früh beantragt, gewinnt
Der Jahresbeginn ist der stärkste Hebel des gesamten Kalenderjahres. Neujahr fällt auf einen Donnerstag, in Österreich liegt zusätzlich der 6. Januar auf einem Dienstag. Zwischen diesen beiden Feiertagen lassen sich mit wenigen Urlaubstagen lange Freizeitblöcke schaffen. Angestellte, die ihren Urlaub rasch fixieren, können hier deutlich mehr freie Tage herausholen als zu jedem anderen Zeitpunkt des Jahres. Gleichzeitig steigt der Konkurrenzdruck innerhalb der Betriebe erheblich. Wer zögert, geht leer aus oder muss sich mit Teilzeiträumen begnügen. Für Unternehmen ist dieser Zeitraum kein ruhiger Auftakt ins neue Jahr sondern eine strukturelle Schwachstelle, in der Schlüsselpersonal plötzlich fehlt.

Ostern: Der verlässliche Kompromiss
Die Osterfeiertage im April sind für viele Arbeitnehmer attraktiv, weil sie planbar und kalkulierbar sind. Karfreitag und Ostermontag ermöglichen längere Abwesenheiten, ohne dass dafür ein großer Teil des Urlaubskontos eingesetzt werden muss. Für Angestellte ist Ostern der klassische Mittelweg: nicht maximal, aber verlässlich. Für Unternehmen liegt genau darin das Problem, weil nahezu alle Mitarbeiter dieselbe Rechnung anstellen und die Abwesenheiten sich stark überlagern.

Mai bis Anfang Juni: Das strategische Fenster
Der Zeitraum zwischen Anfang Mai und Anfang Juni bildet die zweite große Urlaubswelle des Jahres. Der 1. Mai fällt auf einen Freitag, Christi Himmelfahrt auf einen Donnerstag, Pfingsten folgt kurze Zeit später. In Österreich kommt Fronleichnam Anfang Juni hinzu. Für Angestellte ist dies eines der wenigen echten strategischen Fenster, in dem sich mit überschaubarem Einsatz sehr lange Freizeitphasen erzielen lassen. Entsprechend hoch ist der Wettbewerb um diese Tage. In vielen Betrieben entscheidet weniger der Wunsch als die Geschwindigkeit des Antrags. Für Arbeitgeber ist diese Phase organisatorisch anspruchsvoller als der Sommer, weil sie mitten in laufende Projekte und operative Hochphasen fällt.
Sommer: Weniger Hebel, mehr Ruhe
Der Sommer 2026 wirkt aus betrieblicher Sicht überraschend stabil. Mariä Himmelfahrt fällt auf einen Samstag, zusätzliche bundesweite Feiertage fehlen. Urlaube werden genommen, verteilen sich aber gleichmäßiger über mehrere Wochen. Für Angestellte bedeutet das weniger Fenstertags-Magie, dafür geringeren Konkurrenzdruck beim Kampf um genehmigten Urlaub. Wer flexibel ist, findet hier oft leichter zusammenhängende Zeiträume als im Frühjahr. Für Unternehmen ist der Sommer vielfach die planbarste Phase des Jahres, sofern der Urlaub intern koordiniert ist.
Herbst und Dezember: Wunsch und Wirklichkeit
Der Herbst bietet kaum attraktive Konstellationen. Auch der Dezember ist kalendarisch ungünstig, obwohl der Wunsch nach Auszeiten zum Jahresende deutlich steigt. Große Brücken lassen sich 2026 nicht mehr bauen, wohl aber kleinere Erholungsinseln. Für Angestellte heisst das, realistisch zu planen und Resturlaub rechtzeitig zu sichern. Für Unternehmen bedeutet es erhöhten Abstimmungsbedarf, obwohl der objektive Spielraum begrenzt ist.
Zwei Perspektiven, ein Kalender
2026 zeigt besonders deutlich, wie unterschiedlich derselbe Kalender gelesen wird. Für Unternehmen sind es Engpasszeiten, für Angestellte Chancenfenster. Entscheidend ist, wer schneller plant, klarer kommuniziert und früher entscheidet. Wer wartet, verliert – auf beiden Seiten.