Kurz vor Weihnachten zeichnet die aktuelle Umfrage des Meinungsforschungsinstituts INSA ein politisches Stimmungsbild mit erstaunlich wenig Bewegung – und umso klareren Warnsignalen für die Bundesregierung. In der jüngsten Erhebung bleiben die Mehrheitsverhältnisse weitgehend stabil, zugleich wächst die Unzufriedenheit mit der amtierenden schwarz-roten Regierung aus CDU und SPD. Neben der klassischen Sonntagsfrage, was die Bürger wählen würden, wenn am kommenden Sonntag Wahlen wären, analysiert INSA auch mögliche und noch nicht aktivierte Wählerpotenziale, Abwanderungen enttäuschter Stammwähler sowie die Kompetenzerwartungen der Bürger in zentralen Politikfeldern.
Stabile Umfragewerte, wachsende Unzufriedenheit
In der Sonntagsfrage liegt weiterhin die AfD mit 26 Prozent an erster Stelle. Dahinter folgen Union und SPD mit 24 beziehungsweise 14 Prozent. Einzige Partei mit einem Zugewinn sind aktuell die Grünen, die um einen Punkt auf zwölf Prozent steigen. Die Linke kommt erneut auf elf Prozent. BSW und FDP verharren mit jeweils vier Prozent unter der Fünfprozenthürde.
Über die aktuelle Wahlabsicht hinaus wirft INSA einen Blick auf das maximal erreichbare Wählerpotenzial der Parteien. Dabei zeigt sich, dass die AfD theoretisch gut jeden dritten Wähler ansprechen könnte. Ein Stimmenanteil nahe 30 Prozent gilt damit als realistisch. Auch die Union aus CDU/CSU verfügt mit einem Potenzial von über 40 Prozent über deutlichen Spielraum nach oben, den sie im Moment offenbar nicht abrufen kann. Die SPD weist zwar rechnerisch das größte zusätzliche Potenzial auf, doch angesichts der aktuellen Stimmung erscheint ein Überschreiten der 20-Prozent-Marke bei den Sozialdemokraten in nächster Zeit wenig wahrscheinlich.
Enttäuschte Wähler und Kompetenzfragen
Besonders aufschlussreich ist der Blick auf die enttäuschten Wähler. Jeder fünfte Befragte hat früher die CDU/CSU-Union oder SPD gewählt, schließt eine erneute Stimmabgabe für diese Parteien jedoch aus. Diese Gruppe wandert überdurchschnittlich häufig zur AfD ab. Umgekehrt gelingt es der Union eher, frühere SPD-Wähler für sich zu gewinnen, als es die SPD schafft, enttäuschte Unionswähler zurückzuholen.
In der Kompetenzanalyse zeigt sich ein stark differenziertes Bild. Bei Migration und Kriminalität genießt die AfD das größte Vertrauen der Bürger. Wirtschaftliche Impulse trauen die Befragten vor allem der Union zu, beim Umweltschutz liegen die Grünen vorne. In sozialen Fragen gibt es keinen klaren Favoriten, hier liefern sich Union und AfD einen engen Wettbewerb unter Beteiligung der SPD.
Kanzler Merz hat ein Image-Problem
Deutlich fällt auch das Urteil über das Personal der Bundesregierung aus. Nur 22 Prozent der Befragten zeigen sich mit der Arbeit des Bundeskanzlers Friedrich Merz zufrieden, 66 Prozent äußern Unzufriedenheit. Bei einer hypothetischen Kanzlerdirektwahl würden sich 26 Prozent für Alice Weidel entscheiden, 20 Prozent für Friedrich Merz (CDU). Auffällig ist der hohe Anteil jener, die keinen der genannten Kandidaten wählen würden.
Der INSA-Meinungstrend macht damit deutlich: Die politischen Kräfteverhältnisse sind stabil, aber brüchig. Welche Partei künftig profitiert, hängt weniger von langfristigen Programmen ab als davon, welche Themen den Menschen aktuell am stärksten unter den Nägeln brennen. Für das Jahr 2026 sehen viele Befragte besonderen Handlungsbedarf bei Renten, Wohnraum, Wirtschaft, Migration und Pflege.