Der Fall der ukrainischen Klinik Feskov Human Reproduction Group, die mit Verbindungen zur Tschechischen Republik operierte, ist nicht nur ein Skandal, der die Polizei und die Gerichte beschäftigen sollte. Er ist ein erschreckendes Zeugnis dafür, wie weit eine Zivilisation, die Begriffe wie Würde, Mutterschaft und Verantwortung aufgibt, zu gehen bereit ist.
Ein Online-Katalog mit Spenderinnen und Spendern, die ihre Preise nach Hautfarbe staffeln, zusätzliche "Afro-Babys", Babys, die aus dem Ausland wie ein Paket in einem E-Shop bestellt werden könnne und Väter, die nicht wissen, wie sie nach der Geburt mit ihrem Neugeborenen umgehen sollen. All das ist beim Geschäft der Leihmutterschaft kein Versagen von Einzelpersonen - es hat System.
Die ukrainische Klinik Feskow nutzte Gesetzeslücken in zwei Ländern aus, in denen diese Art der Leihmutterschaft zwar offiziell nicht erlaubt, aber de facto geduldet ist. Das Ergebnis war ein jahrelanger internationaler Kinderhandel mit wohlhabenden Kunden aus China, den USA und Westeuropa, den die tschechischen Behörden einst mit der sogenannten "Ermittlungsgruppe Spanier" aufdeckten.
Als die Corona-Pandemie einst die Logistik für zahlreiche Güter zum Erliegen brachte, wussten einige der "Väter", die Kinder in der Ukraine bestellt hatten, nicht, wo ihr Kind war. Die Eltern-Kind-Beziehung reduzierte sich daraufhin auf einen Streit über die Kosten der Betreuung der Kinder, die wegen Reisebeschränkungen nicht abgeholt werden konnten. Genau so verhält sich ein Kunde, nicht ein Vater.
Das Kind als Auftrag
Als Kriminologen in Tschechien bei ihren Ermittlungen über den Fall eines Mannes stolperten, der die gesamte Geburt eines Kindes mit dem Wort "Geschäft" bezeichnete und dann ohne das Kind verschwand, fiel auch die letzte Illusion, dass die Motivation des Mannes der Wunsch nach einer Familie gewesen sein soll. Es war die Mentalität eines Käufers.
Der Anbieter Feskow verteidigte sich zwar mit DNA-Tests und juristischen Konstrukten, aber der Punkt bleibt derselbe: Das Kind wurde nicht geschaffen, weil es als Person gewollt war, sondern weil es als Produkt bestellt wurde. Die Einrichtung rühmt sich auf ihrer englischsprachigen Website mit Statistiken, die besagen, dass sie seit ihrer Gründung bis zu 18.000 Kinder auf diese Weise in 52 Länder verteilt hat. Die Kunden können sogar gegen eine zusätzliche Gebühr einen dunkleren oder helleren "Farbton" des Kindes wählen. Es geht nicht mehr um Medizin und auch nicht darum, unfruchtbaren Menschen zu einem Kind zu verhelfen. Es handelt sich um Eugenik in der Sprache von Dienstleistungen.
Eine Gesellschaft, die dies toleriert, kann nicht vorgeben, auf der Seite der Schwachen zu stehen.
Gebrochene Verantwortung und verlassene Kinder
Besonders erschreckend sind jene Fälle, in denen ein Kind von älteren, alleinstehenden Männern bestellt und "adoptiert" wurde, die dann im Ausland verschwinden und wo niemand nachvollziehen kann, was danach mit den Kindern geschieht. Die Klinik hat den Vertrag erfüllt, das Geld ist da, das Kind ist "übergeben". Niemand kümmert sich darum, wie es weitergeht.
Genau hier zeigt sich der Trugschluss der Behauptung, bei der Leihmutterschaft gehe es um Liebe. Liebe lässt sich nicht delegieren und nicht vertraglich erzwingen.
Die ukrainische Klinik versuchte, den Fall mit politischen Angriffen und der Behauptung von Verschwörungen zu relativieren, aber die Fakten sind klar: Es gab Untersuchungen in mehreren Ländern, Prozesse, wiederkehrende Verhaltensmuster. Wäre dies nur ein isoliertes Versagen eines einzelnen Anbieters, würde das System zum Stillstand kommen. Das hat es aber nicht. Das Geschäft geht weiter.
Statement hatte bereits über die persönlichen Erfahrungen von Olivia Maurel hingewiesen, die als Kind einer Leihmutter in den USA geboren wurde und ihr Leben lang unter den Folgen der Trennung von ihrer leiblichen Mutter zu leiden hatte. Ihr Beispiel zeigt, dass selbst in Fällen, in denen es im Leben dieser Kinder nicht an Geld oder Komfort mangelt, eine tiefe Wunde der Identität entsteht.
Die ukrainische Klinik und ihre Kunden sehen solche Folgen jedoch überhaupt nicht voraus. In ihrer Logik ist ein Kind ein "Fertigprodukt", kein Wesen mit einem Recht auf Herkunft, Wahrheit und Beziehung.
Frauen als Verbrauchsgüter
Auch die Menschenwürde der beschäftigten Leihmütter wird mit Füßen getreten. Verträge mit Abtreibungsklauseln, Druck durch Anwälte, Verlust der elterlichen Rechte schon vor der Empfängnis. Im ukrainischen Kontext, der von Armut und Krieg geprägt ist, zeugt es von Zynismus, von freier Entscheidung der Frauen zu sprechen. Es geht darum, die Verzweiflung von Frauen auszunutzen, die billig auf dem globalen Markt zu haben sind.
Die Klinik trägt keine weitere Verantwortung für die psychischen oder physischen Folgen, wenn der Vertrag beendet ist, sprich, wenn das Kind geboren und übergben wurde. Die Frau hat die Dienstleistung erbracht, die vereinbarte Summe kassiert und das System geht weiter. So funktioniert Industrie, nicht die Fürsorge.
Der Fall der ukrainischen Klinik zeigt exemplarisch, warum Leihmutterschaft nicht "einfach geregelt" werden kann. Sie bricht die natürliche Ordnung der Familie auf, macht die Mutterschaft zu einer Dienstleistung und das Kind zu einem Vertragsgegenstand. Es gibt kein Recht auf ein Kind. Es gibt nur das Recht des Kindes, nicht gekauft, hergestellt und als Paket ausgehändigt zu werden.
Geld und nochmals Geld
Der Umsatz dieses "Marktes" kann in den nächsten Jahren in astronomische Höhen wachsen. Wo Milliarden sind, kommen aggressives Marketing, Druck auf die Politik und die Relativierung der Moral hinzu.
Die Kliniken wehren sich gegen Angriffe von Kritikern, aber es ist klar, dass es sich um ein organisiertes Geschäft handelt, das aus der Armut der Frauen und den Wünschen der Reichen Kapital schlägt.
Auch Papst Franziskus hatte sich einst klar gegen die Leihmutterschaft als eine Form der Ausbeutung ausgesprochen. Nicht, weil die Kirche den Schmerz unfruchtbarer Paare nicht verstehen würde, sondern weil sie sich weigert, einen Schmerz zu heilen, indem sie einen anderen schafft.
Auch die Slowakei wurde ins Visier genommen
Was sich bis vor kurzem in der Grauzone ausländischer Websites und juristischer Auseinandersetzungen zwischen der Ukraine und anderen Ländern abspielte, erreichte zunehmend sehr konkret die öffentlichen Debatten zahlreicher europäischer Länder, weil aktiv auf Social Media Plattformen in mehreren Sprachen für die Dienstleistung der Leihmutterschaft geworben wird - auch in Ländern, in denen Leihmutterschaft verboten ist. Im Sommer erschien etwa auf dem slowakischen Facebook eine Werbekampagne, in der offen die Möglichkeit angeboten wurde, ein Kind durch Leihmutterschaft zu "besorgen".
Die ukrainische Klinik bereitete dazu in der Slowakei eine Internetseite in schlecht übersetzter slowakischer Sprache vor. Das Kind wurde dort als eine Dienstleistung angeboten. Als ein Produkt, das man einfach bestellen muss.
Verbot als einzige moralische Antwort
Das Argument, dass ein Verbot einen Schwarzmarkt schaffen würde, ist dasselbe, das einst bei der Sklaverei verwendet wurde. Niemand, der bei Verstand ist, würde heute noch argumentieren, dass wir die Sklaverei in den Industrieländern "besser regulieren" sollten. Wenn etwas im Kern unethisch ist, kann es in einer regulierten Form nicht ethischer werden.
Mit der jüngsten Verfassungsänderung, die Leihmutterschaft explizit verbietet, hat die Slowakei die Chance ergriffen, sich auf die Seite einer Zivilisation zu stellen, die die Schwachen schützt. Nicht Kinder für Erwachsene, sondern Erwachsene für Kinder. Nicht das Recht auf ein Kinde, sondern das Recht des Kindes.
Leihmutterschaft ist kein Fortschritt. Sie ist eine Rückkehr zu einer Mentalität, in der der Stärkere den Schwächeren kauft. Und das ist genau so eine Welt, vor der das Christentum seit zwei Jahrtausenden warnt.
Wenn die Gesellschaft heute Kliniken toleriert, die wie internationale Babyfabriken arbeiten, wird sie morgen nicht die moralische Kraft haben, sich gegen noch schlimmere Formen der Ausbeutung des Menschen zu wehren.
Der Fall der Fesko Human Reproduction Group ist keine Warnung für die Zukunft. Er ist der Beweis dafür, dass eine Grenze bereits überschritten wurde. Wenn wir sie jetzt nicht für inakzeptabel erklären, werden es die Schwächsten sein, die den Preis dafür zahlen. Die Kinder, die niemand als Personen betrachtet, sondern als Ware verlangt hat.