Unicef schlägt Alarm: Noch nie lebten so viele Kinder in Kriegs- und Krisengebieten

Traurige Bilanz zum Abschluss des Jahres: Laut Kinderhilfswerk Unicef ist fast jedes fünfte Kind von Krieg, Hunger oder Armut betroffen – fast doppelt so viele wie noch Mitte der Neunzigerjahre.

Allein im Sudan sind Millionen Kinder betroffen. Foto: Amr Abdallah Dalsh / Reuters

Allein im Sudan sind Millionen Kinder betroffen. Foto: Amr Abdallah Dalsh / Reuters

Krieg, Hunger, Gewalt: Das Kinderhilfswerk Unicef präsentierte am Dienstag in Köln seine traurige Bilanz für dieses Jahr. Demnach litten auch im Jahr 2025 Millionen Mädchen und Jungen weltweit unter Hunger, Gewalt, Kriegen, Krankheiten und einer zusammengebrochenen Grundversorgung. „Nie zuvor wuchsen so viele Kinder in Krisen- und Konfliktgebieten auf wie heute – fast jedes fünfte Kind und damit fast doppelt so viele wie Mitte der Neunzigerjahre“, erklärte ein Sprecher der Uno-Hilfsorganisation. 

Besonders betroffen seien aktuell Krisengebiete wie der Gazastreifen, die Ukraine und der Sudan, wo laut Unicef Millionen Kinder sich in täglicher Lebensgefahr befinden, verursacht durch explosive Waffen, Hunger und fehlende Grundversorgung sind. Die globale Unterfinanzierung humanitärer Hilfe habe die Situation verschärft, und eine Besserung zeichne sich nicht ab.

Keine Bildung, kein Schutz vor sexueller Gewalt, keine Medizin

Alarmierend ist laut Unicef auch der Höchststand an schweren Kinderrechtsverletzungen und Angriffen auf humanitäre Helfer. So seien 41.370 schwere Kinderrechtsverletzungen in nur einem Jahr verifiziert – das ist ein Anstieg von 25 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Dahinter stünden zehntausende Kinder, die getötet, verstümmelt, von bewaffneten Gruppen rekrutiert, entführt oder Opfer sexualisierter Gewalt wurden. Ihnen fehlten Bildung, Schutz, medizinische Versorgung oder humanitäre Hilfe.

Bereits Ende 2024 hatte das UN-Kinderhilfswerk Bilanz zu einem katastrophalen Jahr für Kinder weltweit gezogen – damals ein neuer Höchststand: 473 Millionen Kinder lebten demnach 2024 in Konfliktgebieten, also mehr als jedes sechste Kind weltweit.

„Weit entfernt von einer Kindheit, die diesen Namen verdient.“ 

Zur diesjährigen Bilanz berichtete der Geschäftsführer von Unicef Deutschland, Christian Schneider: „Die Kinder in den Kriegsgebieten sind weit entfernt von einer Kindheit, die diesen Namen verdient.“ Davon hatte sich Schneider dieses Jahr selbst ein Bild gemacht. Er reiste in die Ukraine und besuchte dort betroffene Kinder und ihre Familien: „Tag und Nacht sind von Angst geprägt. Viele haben Depressionen, Schlafstörungen und Entwicklungsverzögerungen. In der Ukraine werden Schulen und Spielplätze bombardiert, in Gaza leiden Kinder weiter unter Hunger, im Sudan werden sie Opfer sexualisierter Gewalt. Kinder zahlen den höchsten Preis für Konflikte, die sie nicht verursacht haben.“

Mit einem dringenden Appell hofft Unicef-Geschäftsführer Schneider auf ein besseres neues Jahr. 2026 werde ein Jahr mit enormen Herausforderungen für Kinder. Unicef rufe nationale Regierungen, öffentliche Geldgeber und Partner aus der Privatwirtschaft dringend zu mehr, statt weniger Unterstützung auf.