Wenn sich das Jahr dem Ende zuneigt, ist es die klassische Zeit, wenn Menschen gute Vorsätze formulieren, was im kommenden Jahr besser getan werden muss - nicht nur für die Familien und Gemeinschaften, sondern für die ganze Welt. Die Feiertage sind nicht nur eine Zeit für persönliche Vorsätze, sondern auch für Fragen, die über das alltägliche Leben hinausgehen: Wie können wir den Armen dieser Welt am wirksamsten helfen?
Die Antwort der UN auf diese Frage war in diesem Jahr schwer zu finden. Vor einem Jahrzehnt verpflichteten sich die Vereinten Nationen in ihren Nachhaltigen Entwicklungszielen (SDGs), gleich mal alles für alle zu tun - sie wollten Armut, Hunger, Krankheit, Arbeitslosigkeit, Klimawandel und Krieg bis 2030 ausrotten. Doch der diesjährige Fortschrittsbericht offenbart eine harte Realität: Nur 18 Prozent der 169 formulierten UN-Ziele sind auf dem richtigen Weg, während ein Drittel stagniert oder sich sogar in die falsche Richtung bewegt.
Obwohl der weltweite Hunger leicht zurückgegangen ist, hat beispielsweise die Unterernährung von Kindern in Afrika zugenommen.
Die Bildungskrise - mehr als die Hälfte der 10-Jährigen in einkommensschwachen Ländern kann immer noch keinen einfachen Satz lesen - hat sich kaum verbessert.
Im Jahr 2025 hörte man nicht viel von diesen Entwicklungsproblemen, weil die Welt von dringenden geopolitischen und wirtschaftlichen Ereignissen überrollt wurde. Der Krieg Russlands gegen die Ukraine trieb die Preise für Lebensmittel und Düngemittel weiter in die Höhe. Konflikte im Nahen Osten und im Sudan vertrieben Millionen von Menschen aus ihrer Heimat. Die steigenden Schuldenkosten in den Entwicklungsländern haben Investitionen in Gesundheit und Bildung noch schwieriger gemacht.
Reiche Länder, die selbst mit ihren eigenen geopolitischen Bedrohungen, Inflation und Haushaltsdefiziten zu kämpfen haben, kürzten die Budgets für ausländische Hilfe. Nach einem Rückgang um neun Prozent im Jahr 2024 wird für das Jahr 2025 ein weiterer Rückgang zwischen neun und 17 Prozent bei humanitären Geldern erwartet. Die Hilfsleistungen für die ärmsten Länder der Welt könnten somit um bis zu ein Viertel zurückgehen. Gleichzeitig leiten große Entwicklungsorganisationen mehr als 85 Milliarden Dollar in Klimaprojekte um, die oft eher dazu dienen, gute Absichten zu demonstrieren, als grundlegende Entwicklungsbedürfnisse zu befriedigen, wodurch die Mittel für die grundlegende Entwicklung weiter eingeschränkt werden.
Wir können nicht alles auf einmal tun
Die harte Realität ist, dass im Jahr 2026 noch weniger Mittel zur Verfügung stehen werden, um Gutes zu tun. Wir müssen aufhören, so zu tun, als ob wir es uns leisten könnten, alles auf einmal zu erledigen, wie es die SDGs immer noch fordern. Wenn jeder Dollar kostbar ist, bedeutet die Aufteilung von 100 Cent auf 169 Zusagen nur minimale Fortschritte.
Dennoch gibt es hoffnungsvolle Lösungen. Die Denkfabrik Copenhagen Consensus arbeitet seit Jahren mit mehr als 100 führenden Wirtschaftswissenschaftlern und mehreren Nobelpreisträgern zusammen, um eine Antwort auf eine einfache Frage zu finden: Wenn das Geld knapp ist, wo kann jeder einzelne Dollar den größten Unterschied machen?
Unsere von Fachleuten geprüften Forschungsergebnisse, die in einer Reihe von Studien, die in Zusammenarbeit mit der Cambridge University Press veröffentlicht wurden, frei zugänglich sind, zeigen ein Dutzend hochwirksamer Maßnahmen auf, die selbst im heutigen schwierigen finanziellen Klima erstaunliche Ergebnisse erzielen.
Die Ernährung ist ein gutes Beispiel. Mehr als acht Prozent der Weltbevölkerung sind unterernährt, aber wir wissen, dass die Unterstützung von Kindern in den ersten tausend Lebenstagen - von der Zeit im Mutterleib bis zu den ersten Lebensjahren - mit relativ geringem Kostenaufwand enorme Ergebnisse erzielen kann. Für nur etwa 2,50 US-Dollar können wir Müttern während der Schwangerschaft Nahrungsergänzungsmittel mit mehreren Mikronährstoffen zur Verfügung stellen. Dadurch werden Wachstumsverzögerungen und dauerhafte Schäden an den kognitiven Fähigkeiten des Babys verhindert. Das Kind wird also mit größerer Wahrscheinlichkeit stärker und intelligenter aufwachsen, so dass es als Erwachsener produktiver sein kann.
Die Forschung zeigt, dass hier jeder investierte Dollar einen wirtschaftlichen Nutzen von bis zu 40 Dollar im Laufe des Lebens bringt. Dies übertrifft die Wirksamkeit der meisten heutigen Entwicklungsmaßnahmen.
Nehmen wir die Bildungskrise, für die die Forschung bereits einfache und bewährte Lösungen aufgezeigt hat. Wenn Kinder jeden Tag eine Stunde auf billigen Tablets mit Lernsoftware verbringen, können sie in ihrem eigenen Tempo und auf ihrem eigenen Niveau lernen. Gleichzeitig helfen strukturierte Pläne für jedes Klassenzimmer den Lehrern, effektiver zu unterrichten. Diese Maßnahmen kosten nur 10 bis 30 Dollar pro Kind und Jahr, können aber die Gesamteffektivität einer Schule verdoppeln oder sogar verdreifachen.
In einer Zeit, in der die Bildungsbudgets schrumpfen, bringen diese Maßnahmen eine Rendite von 65 bis 80 Dollar für jeden investierten Dollar. Anstatt die nächste Generation zu Analphabetismus und geringer Produktivität zu verdammen, bieten diese Lösungen echte Hoffnung.
Der Kampf gegen Tuberkulose (TB) und Malaria verliert an Schwung. Doch gerade die Intensivierung der Tuberkulose-Diagnose, die sechsmonatige Tuberkulose-Behandlung und die Verteilung von mit Insektiziden behandelten Moskitonetzen gehören zu den absolut besten Investitionen in die globale Gesundheit. Jeder in diese Maßnahmen investierte Dollar bringt zwischen 46 und 48 Dollar an sozialem Nutzen.
Wo Sie Ihr Geld effektiv einsetzen und wen Sie unterstützen sollten
Zwölf solcher Maßnahmen würden zusammen etwa 35 Milliarden Dollar pro Jahr kosten, ein vernachlässigbarer Betrag im Vergleich zu den mehr als 10 Billionen Dollar, die zur Erreichung der UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung erforderlich wären.
Mit einer Investition von 35 Milliarden US-Dollar könnten jedoch jedes Jahr mehr als vier Millionen Menschenleben gerettet und das Jahreseinkommen der armen Hälfte des Planeten um eine Billion Dollar erhöht werden, was zu Stabilität, neuen Arbeitsplätzen und mehr Sicherheit in der Welt führen würde. Das bedeutet eine durchschnittliche Rendite von mehr als 50 Dollar für jeden investierten Dollar.
Die Regierungen sollten diese zwölf bewährten Maßnahmen unverzüglich umsetzen. Philanthropen und auch wir anderen können unsere Spenden zum Jahresende an Wohltätigkeitsorganisationen richten, die tatsächlich Malaria-Netze, Vitamine, Tuberkulose-Behandlung und wirksame Bildungsprogramme bereitstellen.
Diese Organisationen erzielen einen hundertmal größeren Nutzen als Marketingkampagnen mit vager Reichweite.
Die Lektion für 2026 ist klar, aber wichtig: Wenn die Ressourcen begrenzt sind, müssen wir aufhören, alles auf einmal zu versprechen, und stattdessen klug und gezielt investieren - dort, wo jeder Dollar den größten Nutzen bringt.