Dieser Kriegsverbrecher unterrichtet als "Held" Schulkinder in St. Petersburg

Alexej Milchakowdurch Fotos bekannt, auf denen er einen frisch abgeschnittenen Welpenkopf verspeist. Er brüstet sich mit Kriegsverbrechen und ruft zur Massenvergewaltigung ukrainischer Gefangenen auf. Inzwischen unterrichtet er auch Kinder.

Alexej Milchakov. Foto: Russitsch/Telegram

Alexej Milchakov. Foto: Russitsch/Telegram

Mit Beginn des neuen Schuljahres am 5. September 2022 wurde in den Schulen Russland und im russisch besetzten Teil der Ukraine eine neue Unterrichtseinheit der "Gespräche über Wichtiges" eingeführt, um den Schulkindern die Ziele der russischen Invasion in der Ukraine zu erklären und sie auf den "Dienst am Vaterland" vorzubereiten.

Für das ordnungsgemäße Funktionieren des ideologischen Unterrichts wurde an jeder Schule ein Politkommissar eingesetzt, der offiziell als Berater des Schulleiters für die Bildungsarbeit fungieren soll. Neben dem regulären Unterricht halten diese Schulen auch so genannte Heldenstunden ab, zu denen Veteranen der verschiedenen Kriege eingeladen werden, an denen Russland teilgenommen hat.

Alexej Miľčakov v škole. Foto: Rusič/Telegram
Alexej Milchakow spricht vor Kindern in der Schule. Foto: Russitsch/Telegram

Staatsbürgerlich-patriotische Erziehung

Am 23. Dezember 2025 erschienen auf dem Telegramm-Kanal der der Söldnergruppe Ablenkungs-Guerilla-Aufklärungsgruppe „Russitsch“ drei Bilder mit dem kurzen Text "Unterricht mit Kindern". Die Schule dankte dort dem Gründer und Kommandeur der Russitsch-Einheit, dem 34-jährigen Bauunternehmer Alexej Milchakow, für seinen Beitrag im Bereich der "staatsbürgerlich-patriotischen Erziehung".

Die Russitsch-Einheit unter dem Kommando von Milchakov war bereits von 2014 bis 2015 am Krieg auf der Krim in der Ukraine beteiligt und ist auch seit der Invasion Russlands 2022 bis heute in diesem Krieg aktiv. Milchakow steht auf der ukrainischen Liste der meistgesuchten Kriegsverbrecher im Donbas. Während ihres Einsatzes dort tötete die Gruppe dutzende Freiwillige Helfer auf ukrainischer Seite und teilte die Bilder der verstümmelten udn verbrannten Leichen in sozialen Netzwerken. Die paramilitärische Einheit war auch in einer Reihe von kriegerischen Auseinandersetzungen in afrikanischen und asiatischen Ländern im Einsatz, wie etwa im syrischen Bürgerkrieg.

Jetzt steht Michalkov offensichtlich als Held vor russischen Schülern. Das Rechercheportal Astrapress und Radio Liberty konnten verifizieren, dass es sich bei der fraglichen Schule um die Nummer 538 in St. Petersburg handelt, und die Schule selbst den Besuch Milchakovs im Mai 2025 auf ihren Social Media Kanälen bestätigt.

Die slowakische Redaktion von Statement hatte im April 2025 mit einer Lehrerin gesprochen, die in Moskau Schüler im Alter von 11 bis 17 Jahren unterrichtet, und die Besuche sogenannter "Kriegshelden" in russischen Schulen bestätigte. Ihre Identität ist der Redaktion bekannt, zu ihrem Schutz muss sie anonym bleiben.

Sie berichtet, sie habe das das Glück, an einer Moskauer Schule zu unterrichten, an der das Programm der sogenannten "Gespräche über Wichtiges" nicht streng überwacht würde und an der keine Kriegsteilnehmer aus der Invasion in der Ukraine eingeladen würden. "Ich ermutige die Kinder, nicht stolz zu sein auf Betrunkene aus russischen Gefängnissen, die in einem fremden Land morden, und nicht über unsere russischen Schriftsteller, Wissenschaftler, Komponisten, Maler zu lügen (...) Gelegentlich lade ich einen Veteranen des Zweiten Weltkriegs in die Schule ein, damit die Schule nicht verraten wird und Ruhe hat vor Denunzianten", so die Lehrerin.

Unmittelbare Reaktion

"Mein alter Freund Alexej Jurjewitsch 'Serb' Milchakow, der Kommandeur der Russtisch ZUSF, hat den Kindern eine Lektion in Sachen Heldentum erteilt", schrieb ein russischer Armeeoffizier mit dem Kampfspitznamen Panda am 23. Dezember kurz vor Mitternacht auf seinem Telegram-Kanal, wofür ihm die Russtisch-Gruppe wiederum am nächsten Tag auf ihrem Kanal dankte.

In seinem Posting listete Panda alle vierzehn Kriegsauszeichnungen Milchakows auf: einige erhielt der russische Söldner persönlich in der Zentralafrikanischen Republik und in Libyen, einige von der privaten russischen Söldnergruppe Wagner für seinen Einsatz in Syrien und Afrika, einige von der selbsternannten Volksrepublik Luhansk und den Rest von staatlichen russischen Einrichtungen.

Mit der Zahl der Orden und Ehrenzeichen begründete Panda, warum die Schule Milchakov ausgewählt hatte, um einen Vortrag über Heldentum zu halten. "Alexej hat unter anderem im Donbass, in Syrien, Libyen und bei militärischen Sondereinsätzen gedient sowie Arbeitsaufenthalte im Sudan und in der Zentralafrikanischen Republik absolviert", schrieb Panda.

Neben Radio Svoboda, dem investigativen Kanal Astra und kremlfreundlichen Telegram-Kanälen wurde der Beitrag über den Schulbesuch von Milchakov auf dem Kanal der Russtisch-Einheit auch von ausländischen russischen Medien wie Novaya Gazeta, Vazhneye Istoriji und Meduza aufgegriffen, die das Vorgehen der Schule direkt oder indirekt verurteilten.

"Die B*tsche sind wütend, also machen wir alles richtig", kommentierte Russtisch das Medienecho und fügte hinzu, dass die Einheit beabsichtigt, in Zukunft ähnliche Unterrichtsstunden in Schulen zu organisieren und "Kinderlager für die Kampfausbildung von Kindern und Jugendlichen zu eröffnen".

Miľčakov so spolubojovníkmi v Stredoafrickej republike. Foto: Rusič/Telegram
Milchakov bei einem Einsatz mit afrikanischen Soldaten; Foto: Russtisch/Telegram

Ein unzusammenhängender Nazi?

Milchakov wurde in Russland bereits 2011 bekannt, als er als 20-Jähriger im sozialen Netzwerk VKontakte Fotos von der Hinrichtung eines Welpen postete, dem er den Kopf abgetrennt und den er roh gegessen hatte.

Milchakov veröffentlicht viele Details der Kriegsverbrechen auf einem geschlossenen privaten Telegrammkanal, der für 600 Rubel (ca. 6,5 Euro) im Monat abonniert werden kann, aber auch auf dem freien Kanal der Russtisch-Einheit gibt es reichlich Beweise.

Der Tod des russischen Nationalisten Denis Nikitin, Kommandeur des auf ukrainischer Seite kämpfenden Russischen Freiwilligenkorps RDK, wurde von Milchakovs Einheit oder von ihm selbst als "einfach gute Nachricht für den Morgen" bezeichnet. Einen Monat zuvor hatte die Russtisch-Einheit russische Soldaten dazu aufgefordert, gefangene ukrainische Soldatinnen zu vergewaltigen, bevor man sie dem Kommando übergab.

Es sind gelöschte, aber immer noch vorhandene Beiträge auf Social Media bekannt, in denen ukrainische Soldaten an Ort und Stelle hingerichtet wurden, anstatt sie gefangen zu nehmen. Milchakovs Einheit veröffentlichte sogar Videos von russischen Soldaten, die gefoltert wurden, als sie versuchten, zur Kiewer Seite überzulaufen.

Milchakov hatte dieser Zeitung Anfang 2025 ein Interview gegeben, in dem die Redaktion ihn unter anderem nach seiner Ideologie und ihren Widersprüchen befragte. So wird er etwa in den internationalen Medien als Nazi bezeichnet, obwohl er gleichzeitig die Niederlage Deutschlands am 8. Mai 1945 feierte.

Miľčakov krátko predtým, ako odreže a zje hlavu šteniatka. Foto: Smotrim
Milchakov posiert mit dem Welpen, den er später köpfte und roh aufgegessen hat; Foto: Smotrim

Einheiten wie die Russtisch oder die 88. Aufklärungs- und Infiltrationsbrigade Española (...) verwenden regelmäßig eine Symbolik, die mit dem Russischen Reich, der Orthodoxie und dem germanischen Heidentum in Verbindung gebracht wird. Viele in Russland und darüber hinaus betrachten diese und andere militärische Söldner-Einheiten als "Neonazis", Alexej Milchakow hat sich selbst zudem offen als "Nazi" bezeichnet.

Diese russichen Einheiten kämpfen jedoch in einer Armee, in der ethnische Russen und ethnische Nicht-Russen (Tschetschenen, Jakuten, Afro-Russen. etc.) aus Russland sowie Araber, Schwarzafrikaner oder Koreaner Seite an Seite kämpfen, und eines ihrer proklamierten Ziele ist die "Entnazifizierung der Ukraine". Die fraglichen Truppen handeln also im Widerspruch zur Ideologie des nationalen Sozialismus.

Auf die Frage unserer Zeitung, was denn seine Position dazu sei, antwortete Milchakov damals: "Wir nehmen eine ruhige Haltung gegenüber jedem ein, der für die Interessen Russlands kämpft" und fügte hinzu, dass jeder, der für Russland kämpfe, das Recht habe, die russische Staatsbürgerschaft zu erhalten.

Milchakov ist berühmt für sein Zitat "Ich habe keine moralischen Skrupel - lass dir auch keine einreden." Die Einheit verkauft dieses Zitat in Form von Aufklebern und großformatigen Postern. Eines davon hängt sogar im Büro des russischen Föderalen Sicherheitsdienstes (FSB) in Krasnodar.