Online-Dating-Sites haben die Art und Weise verändert, wie junge Menschen Kontakte knüpfen. Sie haben unterschiedliche Verhaltensmuster entwickelt, für die sie englische Begriffe verwenden. Hunderttausende von Beispielen sind in sozialen Netzwerken unter Hashtags mit individuellen Namen zu finden.
Bare Minimum (das absolute Minimum) ist zum Beispiel eine Art Überlebensstrategie für eine Beziehung im Sparmodus. Ein-Wort-Antworten anstelle von Gesprächen, Verabredungen nur dann, wenn es gerade passt, vergessene Verabredungen und das Herunterspielen von Gefühlen mit Sätzen wie "du übertreibst". Man tut gerade genug in einer Beziehung, um den anderen davon abzuhalten, sie zu verlassen, aber nie genug, damit die Beziehung wirklich wachsen und eine Zukunft haben kann.
Das Gegenteil ist das Princess Treatment (Prinzessinnenbehandlung). Dabei geht es nicht so sehr um teure Geschenke und Urlaube, sondern eher um Respekt, Kommunikation und das Gefühl der Sicherheit. Der Partner tut Dinge, die den anderen spüren lassen: Das ist Liebe in der Praxis. Zum Beispiel passt er seinen Zeitplan an, um beim Tragen der Einkäufe zu helfen, macht Frühstück im Bett oder heizt im Winter das Auto vor.
Meine Liga, deine Liga
Aber bevor Sie in den Genuss solcher Vorteile kommen, müssen Sie den ersten Schritt tun. Schreiben Sie eine Nachricht, laden Sie jemanden, der Ihnen gefällt, zu einem Date ein, auch wenn Sie das Gefühl haben, dass er "nicht in Ihrer Liga spielt". Oder Sie bevorzugen Shrekking (nach der Figur im Märchen Shrek) und wählen einen Partner "eine Stufe tiefer", damit Sie die Oberhand und mehr Macht in der Beziehung haben.
Wenn das klappt, folgt die legendäre Talking Stage, also die Gesprächsphase, der Beziehungsprobelauf. Viele Nachrichten, Sprachnachrichten, Memes, Verabredungen und Fragen wie "Wo soll das eigentlich hinführen?" Es ist eine Phase, in der die Chemie stimmt, aber auch die Unsicherheit da ist. Man sollte nichts überstürzen, um nicht in die falsche Verbindung zu geraten, aber man sollte es auch nicht länger als ein Vierteljahr hinauszögern.
Andernfalls verstößt man gegen die 3-Monats-Regel, nach der sich die Beziehung entweder in Richtung Bindung bewegen oder enden sollte. Und wenn sich das nicht ändert, landet man vielleicht in der ewigen Friendship Zone, der Freundschaftszone - einem Raum voller Missverständnisse, in dem der eine auf Liebe hofft und der andere nur einen Freund sieht.
Wenn der andere wie ein Geist verschwindet
Oder es herrscht gleich ganz Schweigen. Ghosting. Eine plötzliche Unterbrechung der Kommunikation ohne weitere Erklärung. Nach ein paar Nachrichten wird das noch als sozialverträgliches "Nachlassen des Interesses" angesehen. Aber wenn man sich nach Wochen oder Monaten des Kennenlernens einfach wortlos aus dem Staub macht, hinterlässt das beim anderen Gefühle der Ablehnung, Scham und ein geringes Selbstwertgefühl.
Die Forschung zeigt sogar, dass soziale Ablehnung dieselben Gehirnregionen aktiviert wie körperlicher Schmerz. Die Technik macht es einem dabei leicht - in der Online-Welt kann man jemanden einfach für immer ignorieren. Im wirklichen Leben ist das schwieriger, weil man die Bindung nicht mit einem Klick löschen kann. Die Gründe für das Praktizieren des Ghosting sind laut Psychologen die Angst vor Konflikten, emotionale Unreife oder die Unfähigkeit, jemandem eine unangenehme Wahrheit ins Gesicht zu sagen. Und: heutzutage gibt es Ghosting nicht mehr nur in Liebesbeziehungen - auch in Freundschaften, bei der Arbeit oder bei Familienfeiern verschwinden Menschen auf diese Weise.
In diesem Chaos kann man leicht zu einem dummen Simp werden - einem Menschen, der mangelnden Respekt in einer Beziehung hinnimmt, seine Aufmerksamkeit ohne Gegenleistung schenkt und manchmal ein Auge zudrückt, wenn der andere fremdgeht. Er tut dies mit einer rosaroten Brille auf der Nase, ein wenig verblendet, das heißt, in der Hoffnung, dass, wenn er noch mehr gibt, sie endlich zurückkommen wird.
Manche entscheiden sich also lieber für einen One-Night-Stand - ohne Verpflichtung, ohne Erwartungen. Andere wagen sich an den Rand des Micro-Cheating d. h. der emotionalen, nicht der körperlichen Untreue. Sie schreiben heimliche Nachrichten an den Ex oder eine Person, die sie attraktiv finden, oder melden sich plötzlich auf einer Dating-Website an, obwohl ssie in Beziehungen sind.
Rote Flagge für Problembeziehungen
Hüten Sie sich vor Low-Key Beziehungen, in denen der Partner vor dem Rest der Welt verheimlicht wird. Es ist in Ordnung, nicht alles in den sozialen Medien preiszugeben. Wenn Ihr Partner sich jedoch nicht vor vor Freunden und Familie zu Ihnen bekennt, ist das ein Red Flag, ein Alarmsignal. Ebenso, wenn er nie die Rechnung bezahlt, ein schlechtes Verhältnis zu seiner Familie hat oder Unannehmlichkeiten aus dem Weg geht.
Das Internet zeigt aber auch das gegenteilige Extrem: Die Jugend von heute schreibt einen potenziellen Partner nach der ersten Red Flag ab, ohne ihn überhaupt kennenzulernen. Das liegt daran, dass die Generation Z ungeduldiger und weniger tolerant gegenüber persönlichen Schwächen ist. Es ist damit etwas unwahrscheinlicher, dass sie die Green Flags - positive Eigenschaften einer Person - wahrnehmen.
Nicht weniger gefährlich ist das Love Bombing. Psychologen warnen davor, dass übermäßige Aufmerksamkeit, schnelle Liebeserklärungen und Versprechungen für die Zukunft ein Mittel der Kontrolle und nicht der Romantik sein können. Wenn ein Manipulator eine emotionale Abhängigkeit von Ihnen aufbaut, wird Begeisterung oft sehr schnell durch Kritik oder Kälte ersetzt.
Dies kann bis hin zum Gaslighting gehen, einem Zustand, in dem der Partner die Wahrnehmung der Realität des anderen wiederholt in Frage stellt, indem er Fakten, Situationen oder Gefühle leugnet. Das Opfer beginnt so, an seinem eigenen Urteilsvermögen zu zweifeln, verliert an Selbstvertrauen und wird immer abhängiger von dem manipulativen Partner.
Beim Kennenlernen muss man langsamer werden, auf Taten statt auf Worte achten und die eigenen Boundaries, also Grenzen schützen. Möge dieses Liebeshandbuch der Neuzeit Ihnen dabei helfen.