Als habe die Verhaftung Maduros in einer Parallelwelt stattgefunden -Die Märkte bleiben ungerührt

Die Schnelligkeit des Eingreifens der amerikanischen Streitkräfte in Venezuela überraschte fast alle. Der Überraschungseffekt zeigt sich jedoch nicht nur auf dem Schlachtfeld, sondern auch auf den erstaunlich ruhigen Finanzmärkten.

Foto: Carlos Becerra/Getty Images

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Angesichts der Erklärung der Trump-Regierung, dass die Liste jener Länder, in denen die USA bei Bedarf intervenieren könnten, sehr lang sei, erhalten wir derzeit ein Bild von der Welt, das deutlich weniger stabil ist, als Investoren es noch vor kurzem zugegeben haben.

Die US-Intervention unterbricht zudem die Lieferungen von venezolanischem Öl nach China und Kuba. Im Falle Kubas handelt es sich praktisch um eine wirtschaftliche Katastrophe, die zur Destabilisierung des gesamten Regimes führen kann. Im Falle Chinas handelt es sich um einen spürbaren Ausfall eines strategischen Rohstoffs, über den das Land selbst nicht verfügt, und gleichzeitig um eine Gefährdung von mehr als 600 Projekten, in die es langfristig in dem südamerikanischen Land investiert hat.

Für Peking bedeutet dies, dass es etwa 4,5 Prozent der Öl-Lieferungen aus Venezuela ersetzen und gleichzeitig einen Verlust von rund 10 Milliarden Dollar abschreiben muss. Es handelt sich um einen Betrag, den China Venezuela geliehen hat und der mit Öl zurückgezahlt werden sollte. China hat also mehrere Gründe, warum es auf die US-Intervention in Venezuela reagieren sollte.

Ruhige Reaktion der Märkte

Fügt man dann noch die klare Forderung der USA an Grönland hinzu, die die Grundlagen der NATO erschüttern könnte, sollte man eigentlich eine Reaktion der Märkte erwarten, die einer Panik vor einem bevorstehenden Dritten Weltkrieg nahekommt. Aber die Märkte haben überhaupt nicht reagiert.

Es war, als würde Trumps Intervention in Venezuela in einer Parallelwelt stattfinden. Die US-Börse legte zu, die asiatischen Märkte erlebten sogar eine Euphorie und der Ölpreis stieg leicht an, was allen Prognosen widersprach, dass venezolanisches Öl den Markt überschwemmen und damit den Preis für das schwarze Gold senken würde. Warum ist das alles nicht geschehen?

Entwicklung des S&P 500 Index in den letzten fünf Tagen. Der amerikanische Markt wuchs ruhig; Quelle: Trading View

Die Antwort auf diese Frage gibt uns der Kurs und die Reaktion der Chevron-Aktien. Diese reagierten zunächst mit einem starken Anstieg von mehr als sechs Prozent. Die Zukunft schien rosig. Das amerikanische Unternehmen Chevron hat zudem immer noch einen Fuß in Venezuela. Das Unternehmen erhielt eine Ausnahmegenehmigung und blieb trotz der Verstaatlichung der Ölindustrie im Land.

Chevron fördert in Venezuela täglich etwa 150.000 bis 200.000 Barrel Öl, was etwa 10 bis 25 Prozent der Gesamtproduktion des Landes entspricht. Die Unternehmensleitung erklärte, es sei noch zu früh, um über Investitionen in die Wiederaufnahme der Förderung zu sprechen. Die Aktien des Unternehmens reagierten auf diese Information mit einem starken Kursrückgang und kehrten praktisch auf den Kurs vor der Entführung des venezolanischen Präsidenten in die USA zurück.

Entwicklung der Chevron-Aktie in den letzten fünf Tagen; Quelle: TradingView

Die Vertreter der Ölindustrie blieben daher nüchtern. Es ist bekannt, dass Venezuela schweres Öl mit hohem Schwefelgehalt fördert, für dessen Verarbeitung spezielle Raffinerien erforderlich sind. Darüber hinaus ist venezolanisches Öl schwer zu transportieren. Alles in allem ist die Wiederaufnahme der Produktion auf das Niveau vor der Verstaatlichung der Ölindustrie eine Frage von Investitionen in Höhe von mindestens mehreren zehn Milliarden Dollar.

Um diese Investitionen überhaupt tätigen zu können, muss die Stabilität des venezolanischen Regimes gewährleistet sein. Heute kann niemand abschätzen, wie sich die Lage in diesem Land entwickeln wird, geschweige denn wissen, wie die Lage in einem Jahr sein wird.

Wenn wir dazu noch berücksichtigen, dass der Ölpreis allein im Jahr 2025 um mehr als 18 Prozent gefallen ist und eine größere Menge venezolanischen Öls auf dem Markt zu einem weiteren Preisverfall beitragen würde, sind sich die Ölkonzerne bewusst, dass sich massive Investitionen in Venezuela bei einem Preis für das schwarze Gold zwischen 50 und 60 Dollar pro Barrel möglicherweise nicht auszahlen.

Prognose: Es wird sich lohnen

Und als letztes Argument, das die sehr zurückhaltende Reaktion der Finanzmärkte erklärt, dienen die historischen Erfahrungen mit der amerikanischen Regierung, die zeigen, dass Interventionen in anderen Ländern sich wirtschaftlich auszahlen.

Beispiel: Nach dem Krieg im Kosovo präsentierte sich das Land als zukünftiges Bergbau-Eldorado des Balkans. Als Hauptargument diente der Komplex Trepča, wo sich Vorkommen von Blei, Zink, Silber und anderen Metallen befanden. Man sprach von Bodenschätzen im Wert von Dutzenden Milliarden Euro.

Im Jahr 2022 beliefen sich die Einnahmen aus den Trepča-Minen auf 12,7 Millionen Euro. Im Jahr 2024 waren es nur noch 8,7 Millionen Euro. Es ist sehr wahrscheinlich, dass sich eine ähnliche Geschichte auch in Venezuela abspielen könnte. Die einzige Änderung in dieser Geschichte wäre ein deutlicher Anstieg des Ölpreises. Diese Wahrscheinlichkeit ist jedoch sehr gering, da Trumps Plan zur Bekämpfung der Inflation gerade auf niedrigen Ölpreisen für die amerikanischen Verbraucher basierte.

Der US-Präsident versuchte zwar, die ungewisse Zukunft des wirtschaftlichen Erfolgs der Intervention in Venezuela mit der Ankündigung von 50 Millionen Barrel Öl, die dieses Land an die USA liefern wird, zu verschleiern. Anschließend wird Trump jedoch für eine gerechte Aufteilung der Gewinne zwischen den USA und Venezuela sorgen. Schätzungen zufolge könnte es sich um einen Betrag von rund drei Milliarden Dollar handeln. Aber selbst wenn der gesamte Betrag für die Erneuerung der Förderanlagen in Venezuela verwendet würde, würde dies das Problem nicht lösen.

Fortschritte von Nvidia ziehen Aufmerksamkeit auf sich

Andere Ereignisse haben offensichtlich weit höheren Einfluss auf die Entwicklung der Märkte, als das Öl Venezuelas. So stelle diese Woche Jensen Huang auf der CES in Las Vegas die neue Generation der AI-Serversysteme Vera Rubin vor. Diesmal ging es nicht nur um die Vorstellung eines leistungsstärkeren Chipmodells, das Informationen schneller als die Vorgängerversion verarbeitet. Nvidia setzt darauf, dass die Zukunft der künstlichen Intelligenz nicht mehr nur im Lernen aus Daten liegt, sondern in realistischen Interaktionen mit der Welt.

Der Vera Rubin-Chip ist so konzipiert, dass riesige Modelle schneller und viel kostengünstiger als bisher trainiert werden können. Laut Nvidia kann die neue Generation von Halbleitern Modelle mit bis zu 10 Billionen Parametern innerhalb eines Monats trainieren, und das mit nur einem Viertel der Chips, die bei der Vorgängergeneration Blackwell erforderlich gewesen wären.

Um besser lernen zu können, werden diese neuen Prozessoren eine neue Schicht von Speichertechnologien enthalten. Dadurch verzeichneten die Hersteller dieser Technologien, wie SanDisk oder Western Digital, ein starkes Wachstum.

Entwicklung der SanDisk-Aktie in den letzten sechs Monaten.

Laut Jens Huang eröffnen diese neuen Chips die Möglichkeit für „physische KI”, also die Ausweitung der künstlichen Intelligenz auf die Alltagswelt. Der erste Schritt wird die schnellere Einführung selbstfahrender Autos sein. Nvidia will sich dieses Potenzial nicht entgehen lassen und entwickelt daher gemeinsam mit Mercedes ein autonomes Fahrzeug.

Es soll das sicherste Auto der Welt werden. Das erste Modell soll in Kürze auf amerikanischen Straßen zu sehen sein. Die Tesla-Aktien reagierten auf diese Nachricht mit einem Kursrückgang. Die nächste Phase wird der Einzug der Roboter sein. Auch hier will Nvidia an der Roboterrevolution teilhaben, die das Leben jedes Menschen verändern soll.

Das Unternehmen setzt damit seine Transformation von einem Lieferanten von Chips für künstliche Intelligenz zu einem Konglomerat von Dienstleistungen und Produkten fort, die immer näher an den Endkunden heranrücken.

Die Marktentwicklung in dieser Woche hat uns ein klares Signal gesendet. Die Finanzmärkte interessieren sich viel mehr für eine Zukunft, die von technologischen Fortschritten geprägt ist, als für die geopolitischen Spiele von Donald Trump.