Wien. Neues Umfrage-Tief für die Koaltion von Christian Stocker (ÖVP), Andreas Babler (SPÖ) und Beate Meinl-Reisinger (Neos): Nur 316 Tage nach ihrem Start ist die Dreierkoalition unbeliebter denn je. Wie eine aktuelle Umfrage von "Unique Research" für Heute.at zeigt, wollen viele Österreicher das „Trio Infernale“ nicht mehr bis 2029 im Amt sehen. Die Zustimmung zu einer vorzeitigen Nationalratswahl ist so hoch wie lange nicht mehr – 43 Prozent wollen sogar noch in diesem Jahr Neuwahlen.
92 Prozent der FPÖ-Anhänger ganz klar für Neuwahlen
Und so sehen die Ergebnisse im Detail aus: Laut der Online-Erhebung, für die zwischen dem 5. und 8. Januar 500 Personen ab 16 Jahren befragt wurden, sprechen sich 28 Prozent der Befragten "sehr" für eine vorgezogene Wahl aus, weitere 15 Prozent sind "eher" dafür. Mit 43 Prozent ergibt sich damit eine Pattstellung zu den Gegnern von Neuwahlen: Denn auch sie kommen auf 43 Prozent – so sind 23 Prozent "sehr" dagegen und 20 Prozent "eher" dagegen.
Besonders hoch ist die Unzufriedenheit mit der Regierung unter den FPÖ-Wählern: Hier sprachen sich laut „Unique Research“ 92 Prozent für einen früheren Wahlgang aus. Nur fünf Prozent wollen, dass Christian Stocker, Andreas Babler und Beate Meinl-Reisinger ihre Dreier-Koalition bis zum regulären Ende der Legislaturperiode im Jahr 2029 fortführen. Ein derart klares Votum findet sich bei keiner anderen Partei.
Jeder vierte SPÖ-Wähler will eine Vorverlegung der Wahl
Doch auch innerhalb der Regierungsparteien zeigt sich große Unzufriedenheit. Vor allem unter SPÖ-Wählern ist die Skepsis gegenüber der aktuellen Performance der Regierung groß. Jeder vierte SPÖ-Anhänger plädiert für eine Vorverlegung der Wahl. Zum Vergleich: Bei ÖVP- und Grünen-Wählern liegt dieser Anteil jeweils bei 19 Prozent, bei den Neos sogar nur bei 14 Prozent. Diese Zahlen deuten darauf hin, dass die Regierung nicht nur von der Opposition, sondern auch aus den eigenen Reihen kritisch betrachtet wird.
Ein differenziertes Bild ergibt sich bei der Betrachtung der Altersgruppen. Während 41 Prozent der 16- bis 29-Jährigen für Neuwahlen im Jahr 2026 eintreten, ist die Zustimmung bei den 30- bis 59-Jährigen mit 50 Prozent noch höher. Gleichzeitig sprechen sich in dieser Altersgruppe 38 Prozent gegen einen früheren Wahltermin aus. Deutlich zurückhaltender zeigen sich hingegen die über 60-Jährigen: Nur 34 Prozent von ihnen befürworten Neuwahlen, während eine klare Mehrheit von 58 Prozent einen vorzeitigen Urnengang ablehnt.
Zwischen Männern und Frauen zeigen sich kaum Unterschiede. Sowohl bei den männlichen als auch bei den weiblichen Befragten liegt die Zustimmung zu Neuwahlen bei jeweils 43 Prozent. Männer lehnen einen solchen Schritt allerdings etwas häufiger ab (46 Prozent) als Frauen (40 Prozent).
Ein markanter Unterschied zeigt sich hingegen beim Bildungsniveau. Personen mit Matura sind zu 58 Prozent gegen vorgezogene Neuwahlen. Bei Befragten ohne Matura liegt dieser Wert lediglich bei 37 Prozent, während hier sogar eine Mehrheit von 50 Prozent einen früheren Wahltermin unterstützt.
"Man muss inhaltlich liefern“
Der „Unique Research“-Meinungsforscher und Politik-Experte Peter Hajek ordnet die Ergebnisse als eine Stimmung ein, die derzeit sehr beweglich sei, sie "kann sowohl in die eine als auch andere Richtung kippen“, so Hajek gegenüber Heute.at. Entscheidend sei nun das Handeln der Bundesregierung. Personelle Rochaden an den Parteispitzen würden kaum Wirkung zeigen: "Man muss inhaltlich liefern.“