Scharfe Kritik an der öffentlich-rechtlichen Berichterstattung zur Revolution im Iran: Laut deutschen Politikern und Medienexperten hätten die Sender die blutigen Proteste im Iran lange falsch eingeschätzt und voreingenommene Interviewpartner eingeladen. Außerdem seien sie viel zu spät in die Berichterstattung eingestiegen.
Auslöser der Kritik ist ein Bericht der Jüdischen Allgemeinen, die hart mit ZDF und ARD ins Gericht geht. Unter dem Titel „Die Proteste im Iran und die blamable Berichterstattung von ARD und ZDF“ schreibt sie: „Die Mullahs sollen weg, der Schah soll kommen: Dafür hat die Linke gerade keine Erklärung parat – und mit ihr auch nicht die linksgeprägten Redaktionen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks.“ Und weiter: „Stell Dir vor, in Berlin fällt die Mauer, und kaum ein relevantes Medium der Welt berichtet darüber.“ In Deutschland wollten vor allem ARD und ZDF „nicht wirklich in die Berichterstattung einsteigen, in Großbritannien ziert sich die BBC. Und nicht weniger verwunderlich: Auch die Bundesregierung kommentiert nur dürr und spitz, was da gerade im Iran passiert“.
„Das ZDF reagiert nur halbherzig auf die Proteste im Iran“
Dieser Kritik schließt sich auch der Exil-Iraner und Bundestagsabgeordnete Reza Asghari (64, CDU) an, der 1987 nach Folter und Haft aus dem Iran flüchten musste. Gegenüber der Bild erklärt er die Gründe: „Der öffentlich-rechtliche Rundfunk und vor allem das ZDF reagieren seit Tagen nur halbherzig auf die Proteste im Iran. Im Gazakrieg gab es täglich Berichte über den angeblichen Genozid an den Palästinensern. Aber die Proteste in Teheran und Demonstrationen von Exil-Iranern weltweit werden überwiegend ignoriert. Das ZDF misst hier offensichtlich mit zweierlei Maß.“
Und auch Nordrhein-Westfalens Medienminister Nathanael Liminski (40, CDU) zeigt sich über die Berichterstattung der öffentlich-rechtlichen Sender verwundert: „Angesichts der Dimension der Proteste im Iran hat mich die anfänglich zurückhaltende bis gar nicht stattfindende Berichterstattung der ARD und des ZDF tatsächlich irritiert. Gut, weil längst überfällig, dass die Sendeanstalten in ihrer Berichterstattung den Massenprotesten nun die verdiente Aufmerksamkeit einräumen und auch online per Live-Ticker über die Geschehnisse im Iran berichten“, erklärt Liminski in der Bild.
ZDF weist alle Vorwürfe zurück
Massive Kritik gibt es auch an der Auswahl der Iran-Experten, die im ZDF zur aktuellen Lage interviewt wurden. Eine davon ist Azadeh Zamirirad. Sie gilt bei in Deutschland lebenden Exil-Iranern als äußerst umstritten. Im Jahr 2023 wurde ihr in einem offenen Brief aus der iranischen Community „zu große Nähe“ zum Mullah-Regime vorgeworfen. Zamirirad kenne den Iran nur aus Büchern und sei eine „Lieblingsfigur des iranischen Regimes“. Die Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP), für die Azadeh Zamirirad arbeitet, wies den Brief entschieden als „Diffamierung und Hetze“ zurück.
Auf Anfrage der Bild bestreitet auch das ZDF alle Vorwürfe. „Das ZDF ist bereits früh, am 31.12.25 und somit kurz nach Beginn der Proteste im Iran, in die Berichterstattung eingestiegen und informiert seither kontinuierlich über die Lage.“ Der öffentlich-rechtliche Sender dementiert zudem, im Vergleich zur Berichterstattung über Gaza unausgewogen berichtet zu haben. „Der Krieg in Gaza und die Proteste im Iran stehen in keinem inhaltlichen Zusammenhang. Die Berichterstattung zu beiden Themen erfolgt unabhängig voneinander und dem jeweiligen Nachrichtenwert angemessen.“ Die Auswahl der Gesprächspartner orientiere sich „an deren fachlicher Expertise und dient der journalistischen Einordnung der Ereignisse“.
Und wie berichtet der ORF?
Während in Deutschland öffentlich Kritik an der Berichterstattung der Sender geübt wird, findet sie in Österreich hinter vorgehaltener Hand statt. Einzig „Agenda Austria“-Chef Franz Schellhorn kommentiert auf der Plattform X mit wenigen Worten, was so viele in Wien lebende Exil-Iraner über die Berichterstattung im ORF denken. „Interessanter #Iran-take, @orf_at“ ist über seinem Posting zu lesen. Darunter findet sich ein Artikel von orf.at, in dem es heißt, die Lage im Iran sei „vollständig unter Kontrolle“.
Für viele Exil-Iraner ist das schwer nachvollziehbar. Sie wünschen sich vom Westen ein realistisches Bild der Lage im Iran.