Trumps Politik überlagert die Zahlen

Der US-Präsident dominiert mit politischen Vorstößen die Woche mit wichtigen Wirtschaftsdaten – von Öl über Waffen bis hin zu Kreditkarten.

Donald Trumps Politik beherrscht aktuell die Finanzmärkte. Foto: Tomáš Baršváry / Midjourney / KI

Donald Trumps Politik beherrscht aktuell die Finanzmärkte. Foto: Tomáš Baršváry / Midjourney / KI

Wer den Eindruck hat, dass derzeit alles von Donald Trump dominiert wird, findet dafür auch in den Finanzmärkten reichlich Belege. Seine jüngsten Schritte haben dort selbst Themen in den Hintergrund gedrängt, die normalerweise große Aufmerksamkeit bekommen – etwa die Technikmesse CES in Las Vegas oder die neuen Arbeitsmarktdaten aus den USA.

Dabei liefern gerade diese Zahlen wenig Anlass für Optimismus. Trotz der ständigen Beteuerungen des US-Präsidenten deutet bislang nichts auf einen kräftigen Boom am Arbeitsmarkt hin. Die Non-Farm-Payrolls für Dezember zeigen lediglich 50.000 neue Stellen außerhalb der Landwirtschaft. Erwartet worden waren mindestens 60.000. Auch mit Blick auf das US-Wirtschaftswachstum bleiben die Daten damit hinter den Hoffnungen zurück.

Entwicklung der Non Farm Payrolls im letzten Jahr; (Quelle: Tradingeconomics.com/ U.S. Bureau of Labour Statistics)

Auch die Außenhandelsbilanz der USA wurde veröffentlicht. Für die Trump-Regierung ist diese Statistik von besonderer Bedeutung. Die seit Jahren unausgeglichene Handelsbilanz gilt vielen als einer der Hauptgründe für die relative Verarmung der Vereinigten Staaten.

Der wirtschaftliche Inhalt des Slogans MAGA besteht im Wesentlichen darin, dass die USA mehr exportieren als importieren werden. Trump will dies mit zwei Hauptinstrumenten erreichen: hohen Handelszöllen und massiven Investitionen ausländischer Unternehmen direkt auf amerikanischem Boden.

Die Daten vom Oktober gaben Anlass zu großer Hoffnung. Das Handelsdefizit sank auf nur 29,4 Milliarden Dollar, den niedrigsten Stand seit 2009. Das Ergebnis übertraf deutlich die Erwartungen der Analysten, die mit einem Defizit von rund 58 Milliarden Dollar gerechnet hatten. Diese Zahlen deuten darauf hin, dass das US-BIP schneller wachsen dürfte, da in den USA tatsächlich mehr produziert wird. Trump bezeichnete dies sofort als klare Bestätigung für die Genialität seines Plans.

Es bleibt jedoch die Frage, ob dieses außergewöhnlich gute Ergebnis nicht nur ein einmaliger Effekt war – beispielsweise aufgrund außergewöhnlicher Exporte von Edelmetallen. Der Rückgang der Importe kann nämlich auch als Zeichen einer schwächeren Binnennachfrage interpretiert werden, was eher ein negatives Zeichen wäre. Diese makroökonomischen Überlegungen beschäftigen heute jedoch niemanden mehr, da Trump die gesamte Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat. In der vergangenen Woche hat er gleich drei große Kämpfe auf den Finanzmärkten ausgelöst.

Erster Kampf: venezolanisches Öl

Am Ende der Woche lud Trump alle Chefs der amerikanischen Ölindustrie zu sich ein. Er erklärte ihnen, dass sie mehr als 100 Milliarden Dollar in den Wiederaufbau der venezolanischen Förderinfrastruktur investieren müssten. Dieser Plan stößt jedoch nicht auf große Begeisterung.

Der Chef von ConocoPhillips wies darauf hin, dass Venezuela immer noch zwölf Milliarden Dollar für Schäden durch die Verstaatlichung schuldet. Der Chef von Exxon bezeichnete das Land unter den gegenwärtigen Sicherheitsbedingungen als nicht investitionsfähig.

Entwicklung des amerikanischen Leichtöls im letzten Monat. Die geopolitischen Spannungen haben praktisch keinen Einfluss auf den Ölpreis. (Quelle: TradingView)

Trump hat alle Einwände vom Tisch gewischt. Das Weiße Haus werde selbst für die Sicherheit garantieren, da diese durch die US-Armee gewährleistet werde. Diese Erklärung könnte weitreichende Folgen haben, da sie darauf hindeutet, dass der Chef des Weißen Hauses mit einer direkten militärischen Präsenz im Land rechnet. Wie genau die USA Venezuela aus der Ferne regieren und gleichzeitig die Sicherheit der amerikanischen Ingenieure gewährleisten wollen, bleibt vorerst ein Geheimnis. Auf jeden Fall werden vor allem Energieversorgungsunternehmen wie Schlumberger oder Halliburton am meisten vom gesamten Geschäft in Venezuela profitieren, da sie kein eigenes Kapital investieren müssen, sondern Technologien, Maschinen und Dienstleistungen liefern.

Zweiter Kampf: die Rüstungsindustrie

Anfang vergangener Woche kritisierte Trump amerikanische Rüstungsunternehmen scharf. Anstatt in neue Produktionskapazitäten in den USA zu investieren, zahlen sie seiner Meinung nach hohe Dividenden aus, führen massive Aktienrückkäufe durch und zahlen ihren Führungskräften unverschämte Vergütungen. Sollte sich die Situation nicht verbessern, drohte Trump mit strengen Vorschriften. Diese Worte lösten Panik unter den Aktionären aus, und die Aktien der wichtigsten Akteure brachen deutlich ein.

Entwicklung des Aktienkurses des amerikanischen Rüstungskonzerns Lockheed Martin. Die Volatilität der Aktien war dank des amerikanischen Präsidenten enorm. (Quelle: TradingView)

Am nächsten Tag kam es jedoch zu einer Wende. Trump forderte den Kongress auf, das Verteidigungsbudget für 2027 auf 1,5 Billionen Dollar zu erhöhen – das sind etwa 50 Prozent mehr als die diesjährigen Rekordausgaben von 901 Milliarden Dollar. Damit sichert sich Amerika angeblich die absolute militärische Vorherrschaft, zumindest was die Höhe der Militärausgaben angeht. Die Aktien der Rüstungsunternehmen stiegen natürlich sofort an.

Niemand stört sich sonderlich daran, dass unklar ist, woher die USA das Geld für einen solchen Anstieg nehmen sollen. Die Ausgaben für den Schuldendienst konkurrieren bereits jetzt fast mit den Verteidigungsausgaben, und eine weitere massive Erhöhung des Pentagon-Budgets wird diesen Trend nur noch verstärken.

Dritter Kampf: Lebensstandard der normalen Amerikaner

Die Folgen von Trumps Außen- und Wirtschaftspolitik werden die Phase der Instabilität verlängern, was für die normale Bevölkerung nie gut ist. Wie in der gesamten westlichen Welt bleibt auch in den USA der Anstieg der Lebenshaltungskosten ein großes Problem. Trump hat beschlossen, auch hier einzugreifen.

Zunächst wies er staatliche Behörden an, Hypothekenschulden in Höhe von mehr als 200 Milliarden Dollar aufzukaufen, um die Hypothekenzinsen zu senken, die derzeit bei etwa sechs Prozent liegen. Kritiker stellten diesen Schritt in Frage, da die Kosten hoch und die Wirkung begrenzt seien – die Zinsen würden nur um einen Viertelprozentpunkt sinken.

Der US-Präsident beließ es jedoch nicht bei den Hypotheken. Ein großes Problem des amerikanischen Lebensstils sind Kreditkarten mit Zinsen von 20 bis 30 Prozent. Für viele Amerikaner ist es normal, mehrere Karten zu besitzen und Schulden mit neuen Schulden zu tilgen.

Trump kam auf die Idee, die Zinsen für Kreditkarten auf zehn Prozent zu begrenzen. Das würde zwar vielen Menschen erheblich helfen, andererseits würde es das Leben der weniger solventen Kunden sehr erschweren. Bei einem Zinssatz von zehn Prozent müssten die Banken die Bonität viel strenger prüfen, sodass viele normale Amerikaner überhaupt keinen Kredit mehr bekommen würden.

Trumps Vorstoß ist überraschend, da er der traditionellen republikanischen Sichtweise des freien Marktes deutlich widerspricht und die Marktfreiheit einschränkt. Es scheint sich daher eher um einen populistischen Schachzug vor den bevorstehenden Wahlen zu handeln.

Auf jeden Fall beginnt in den USA in dieser Woche die Berichtssaison für das vierte Quartal 2025. Wie üblich wird sie vom Finanzsektor eröffnet, allen voran von Giganten wie JPMorgan, Goldman Sachs oder BlackRock. Bleibt zu hoffen, dass die Zahlen und Pressekonferenzen zumindest für eine Weile genug Stoff liefern, um sich einmal mit etwas anderem als den ständigen Ideen des amerikanischen Präsidenten zu beschäftigen.