Wie man von Trumps Interesse an Grönland profitieren kann

Die aktuellen Entwicklungen rücken europäische Waffenhersteller und Anbieter Seltener Erden in den Fokus von Investoren.

Grönland - Insel unterschiedlicher Interessen. Foto: Tomáš Baršváry / Midjourney / erstellt mit KI

Grönland - Insel unterschiedlicher Interessen. Foto: Tomáš Baršváry / Midjourney / erstellt mit KI

Die grönländische Außenministerin Vivian Motzfeldt würde gerne separat mit den Amerikanern verhandeln, ohne dass ihr dänischer Amtskollege dabei ist. Donald Trump gelingt es damit, einen Keil zwischen Grönland und Dänemark zu treiben, berichtete die Financial Times am Wochenende.

Die Wahrscheinlichkeit, dass die Regierung von US-Präsident Donald Trump Grönland erhält, scheint weiter zu steigen, was sich diese Woche wahrscheinlich auch an den Börsen niederschlagen wird. Diese haben jedoch die Ereignisse um Grönland bereits in den vergangenen Tagen in die Aktienkurse einfließen lassen, insbesondere nach dem Eingreifen der USA in Venezuela.

Wichtiges Vorkommen Seltener Erden

Von den immer deutlicher werdenden Ansprüchen der Trump-Regierung auf Grönland profitieren beispielsweise die Aktionäre des amerikanischen Seltenerdmetall-Bergbauunternehmens Critical Metals, das die Tanbreez-Lagerstätten im Süden Grönlands besitzt. Die Aktien des Unternehmens haben seit Monatsbeginn bereits um 116 Prozent an Wert gewonnen. Tanbreez verfügt über eines der bedeutendsten Vorkommen von Seltenerdmetallen weltweit.

Der deutliche Anstieg der Aktienkurse von Critical Metals in diesem Jahr hängt gerade mit dem immer offensichtlicher werdenden Plan der Trump-Regierung zusammen, Grönland zu erwerben. Hinzu kommt Chinas Einschränkung der Exporte von Seltenerdmetallen nach Japan, nachdem Tokio eine militärische Intervention zur Verteidigung Taiwans nicht mehr ausdrücklich ausgeschlossen hat.

Peking macht auch deutlich, dass es mit dem Eingreifen der Vereinigten Staaten in Venezuela nicht einverstanden ist. Für Investoren ist das ein weiterer Hinweis darauf, dass China ganz nach Belieben seine eigenen Exporte von Seltenerdmetallen, bei deren Produktion es weltweit führend ist, drosseln kann, um seine Unzufriedenheit mit der Situation zum Ausdruck zu bringen.

Mit jeder chinesischen „Besorgnis” oder jedem „Schock” über die aktuellen Entwicklungen steigen die Preise für Vorkommen außerhalb Chinas, wie beispielsweise Tanbreez in Grönland. Auch die Motivation der Trump-Regierung, die Insel zu erwerben und auszubeuten, nimmt zu.

Vorteil für skandinavische Rüstungsunternehmen

Von den Entwicklungen rund um Grönland könnten vor allem skandinavische Rüstungsunternehmen wie das norwegische Kongsberg (Kursplus von 15 Prozent im vergangenen Jahr) oder das schwedische Saab (plus 27 Prozent im selben Zeitraum) profitieren. Ihre geografische Nähe zu Grönland verschafft ihnen einen zusätzlichen Vorteil gegenüber anderen europäischen Rüstungsunternehmen, deren Aktien ebenfalls Aufwärtspotenzial haben – vor allem vor dem Hintergrund der verschärften Rhetorik, möglicherweise bald auch konkreter Maßnahmen, Trumps gegenüber Europa.

Das amerikanische Finanzunternehmen Morningstar prognostiziert, dass die Aktien der europäischen Rüstungsunternehmen, die es analytisch abdeckt, in diesem Jahr trotz des deutlichen Wachstums in den vergangenen Jahren um durchschnittlich ein Fünftel steigen werden.

Für die europäischen Rüstungsunternehmen könnte auch Trumps Beschränkung der Rückkäufe eigener Aktien und der Dividendenausschüttungen amerikanischer Rüstungsunternehmen aus der vergangenen Woche Wasser auf ihre Mühlen sein. Der amerikanische Präsident ist der Meinung, dass viele amerikanische Rüstungsunternehmen zu langsam produzieren, weil sie zu wenig investieren. Seiner Meinung nach geben sie zu viel ihres freien Kapitals in Form von Dividenden an Investoren weiter oder treiben damit die Preise ihrer Aktien in die Höhe.

Wenn sie so „träge” wären, wäre es schwierig, Trumps Plan zur Schaffung einer „Traumarmee” umzusetzen und die amerikanischen öffentlichen Ausgaben für Rüstung bis 2027 um mehr als die Hälfte zu erhöhen, was zum Vergleich etwa dem 15-fachen des Staatshaushalts der Tschechischen Republik entspricht. Natürlich kann ein solcher Plan nur durch die Unterstützung von Aktien vor allem amerikanischer Rüstungsunternehmen, aber indirekt auch europäischer Unternehmen umgesetzt werden.

Trumps Beschränkung von Rückkäufen und Dividenden könnte jedoch in den Augen internationaler Investoren dazu führen, dass US-Rüstungsaktien im Vergleich zu Aktien europäischer, aber auch asiatischer Rüstungsunternehmen weniger begehrt sind.

Wenn die tschechische Holding Czechoslovak Group [mit deutlicher slowakischer Prägung, Anm. d. Red.] in der kommenden Woche tatsächlich an die Amsterdamer Börse geht, könnte sie sich kaum einen günstigeren Zeitpunkt für einen so grundlegenden Schritt wünschen.

Mit der Erstemission der Aktien könnte der tschechische Rüstungskonzern bereits in dieser Woche beginnen, berichtete die Agentur Bloomberg. Die Zeichnung der Aktien an der Amsterdamer Börse könnte zur Gründung des größten börsennotierten Unternehmens Tschechiens führen, auch wenn es derzeit so aussieht, als würde die Marktbewertung des Rüstungskonzerns nicht an die bisherige Nummer eins ČEZ heranreichen. Dieser hat derzeit einen Marktwert von mehr als 30 Milliarden Euro. Laut Bloomberg schätzen Investoren die Bewertung der Czechoslovak Group nach dem Börsengang auf etwa 26,5 Milliarden Euro.

Geopolitische Spannungen und Gold

Im Übrigen befürchten auch die Kanadier zunehmend, dass Trump sie an die USA anschließen könnte, beispielsweise auch mit militärischen Mitteln.

Für Investoren ergibt sich daraus eine weitergehende Konsequenz. Die klassische Aufteilung eines Anlageportfolios in Aktien und Anleihen im Verhältnis von 60 zu 40 gilt laut Morgan Stanley inzwischen als überholt. Die US-Bank rechnet mit einer weiteren spürbaren Entwertung der Kaufkraft von Papiergeld und empfiehlt daher eine neue Grundstruktur: 60 Prozent Aktien, 20 Prozent Anleihen und 20 Prozent reale Vermögenswerte wie Gold.

So dürften beispielsweise gerade Gold und ähnliche Vermögenswerte in der kommenden Zeit von den geopolitischen Spannungen, der steigenden Staatsverschuldung – nicht nur für Rüstungszwecke – und der Beeinträchtigung der Unabhängigkeit der Zentralbanken, allen voran der US-Notenbank, profitieren.

Im Falle von Gold kommt noch der Faktor der anhaltenden umfangreichen Käufe durch Zentralbanken wie die chinesische hinzu, die angesichts der eskalierenden geopolitischen Spannungen versuchen, ihre Dollarbestände zu reduzieren und sie beispielsweise durch Gold zu ersetzen.

Die Entwertung der Kaufkraft des Papiergeldes wird sich in den kommenden Jahren in beschleunigtem Tempo fortsetzen, weshalb – und aufgrund der geopolitischen Spannungen – der Preis für Gold und andere Edelmetalle weiter steigen wird. Dies geht aus einer Erklärung der weltweit größten Investmentgesellschaft BlackRock von letzter Woche hervor.

Noch deutlicher als die Edelmetalle selbst dürften die Aktien ihrer Förderer steigen, die laut BlackRock derzeit aufgrund ihrer Rentabilität so günstig sind wie seit langem nicht mehr.

Der Text wurde ursprünglich auf der Website lukaskovanda.cz veröffentlicht.