1.400 Beschwerden über Gottesdienst mit „Schleim-Jesus“: Erste Reaktion der Diözese

Nach mehreren Wochen des Schweigens meldete sich nun die Diözese Rottenburg-Stuttgart zum Weihnachts-Skandal bei der ARD-Übertragung: Die Show sei zu bedauern, es wurden religiöse Gefühle verletzt.

Schleim-Jesus in Stuttgart Foto: Screenshot ARD

Schleim-Jesus in Stuttgart Foto: Screenshot ARD

Stuttgart. Ein in der ARD ausgestrahlter Weihnachtsgottesdienst provozierte in Deutschland eine Debatte über die Grenzen künstlerischer Freiheit im sakralen Raum: Die katholische Christmette aus Stuttgart, live übertragen von der ARD, sorgte für 1.400 Beschwerden beim Sender. Nun hat auch die Diözese Rottenburg-Stuttgart Stellung bezogen: Sie räumt ein, dass „religiöse Gefühle verletzt“ worden seien.

Im Mittelpunkt der Kritik stand eine ungewöhnliche Krippendarstellung, die während des Gottesdienstes an Heiligabend gezeigt wurde. Vor laufenden Kameras war eine künstlerische Installation zu sehen, bei der ein in nasses Reispapier gehüllter Mensch auf Stroh lag und sich langsam bewegte. Die Darstellung sollte das neugeborene Jesuskind symbolisieren, wurde von vielen Zuschauern jedoch als befremdlich, irritierend oder respektlos empfunden.

In sozialen Netzwerken und in den Medien kursierte rasch der zugespitzte Begriff „Schleim-Jesus“, der die öffentliche Wahrnehmung der Inszenierung maßgeblich prägte.

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Gestaltet wurde der Gottesdienst von der katholischen Rundfunkarbeit beim Südwestrundfunk. Zelebriert wurde die Christmette in der Kirche Sankt Maria unter der Leitung von Rundfunkpfarrer Thomas Steiger und Pastoralreferentin Katharina Leser. Die Installation selbst stammte von der Künstlerin Milena Lorek, die das Werk eigens für den Weihnachtsgottesdienst entworfen hatte.

Während der Liturgie versuchte Steiger, die Darstellung theologisch einzuordnen. Die Krippe zeige einen „echten Menschen“, nackt, verletzlich und schutzlos. Genau darin liege die Radikalität der Weihnachtsbotschaft: Gott werde Mensch – ohne Distanz, ohne Verklärung. Diese Deutung überzeugte jedoch viele Zuschauer nicht. Besonders an einem Hochfest wie Weihnachten erwarteten zahlreiche Gläubige eine traditionellere, vertraute Form der Darstellung.

Die Diözese Rottenburg-Stuttgart erklärte nun, man bedauere die entstandene Irritation ausdrücklich: „Die Reaktionen auf die Übertragung haben gezeigt, dass religiöse Gefühle verletzt wurden. Dies bedauern die Verantwortlichen für die Konzeption und Übertragung der Christmette sehr und betonen, dass zu keinem Zeitpunkt eine Provokation oder eine Herabwürdigung zentraler Glaubensinhalte beabsichtigt war. Gleichwohl ist deutlich geworden, dass die gewählte Form der Darstellung bei vielen Menschen Irritation, Unverständnis und Ärger ausgelöst hat – insbesondere an einem Hochfest wie Weihnachten."

Unzulässige Abweichungen von der Liturgie

Außerdem, so schreibt aktuell die Diözese, sei es in dem Gottesdienst auch zu Abweichungen von der geltenden liturgischen Ordnung gekommen: „Die Liturgie wurde – mit Blick auf das Fernsehformat – freier gestaltet, als dies zulässig ist. Dies betrifft insbesondere die Ausgestaltung einzelner liturgischer Rollen sowie die konkrete sprachliche und performative Gestaltung. Diese Abweichungen waren so nicht korrekt und werden aufgearbeitet."

Als Konsequenz kündigte die Diözese an, die internen Abstimmungs- und Entscheidungsprozesse für künftige Gottesdienstübertragungen zu verschärfen. Ziel sei es, der besonderen Sensibilität öffentlich übertragener liturgischer Feiern besser gerecht zu werden und sowohl kirchliche Verantwortung als auch die Erwartungen der Gläubigen stärker zu berücksichtigen.

Die ARD reagierte ebenfalls auf die Kritik. Eine Sprecherin des SWR betonte, man bedaure es sehr, dass sich Menschen durch die Christmette in ihrem Glauben verletzt gefühlt hätten. Alle eingegangenen Zuschriften hätten sich kritisch mit dem Thema auseinandergesetzt.