Kiew: Jugendlicher greift Mitschüler und Lehrerin an – Kreml-Verbindungen vermutet

Ukrainische Ermittler leiten Verfahren wegen versuchten Mordes ein.

Angreifer Mykyta Solovjov. Foto: Nationale Polizei der Ukraine/Telegram

Angreifer Mykyta Solovjov. Foto: Nationale Polizei der Ukraine/Telegram

Nach Angaben der ukrainischen Nationalpolizei setzte ein minderjähriger Schüler am Morgen des 12. Januar in den Toiletten einer Grundschule in Kiew Maske und Helm auf, stürmte in ein Klassenzimmer und griff eine 39-jährige Klassenlehrerin sowie einen 14-jährigen Mitschüler mit einem Messer an.

Einige Stunden nach dem Angriff berichteten ukrainische Medien unter Berufung auf Quellen aus Ermittlerkreisen, dass es sich bei dem Angreifer um Mykyta Solovjov handelte, geboren 2011, Sohn eines ehemaligen Mitarbeiters der ukrainischen Nationalpolizei. Er stach der Lehrerin in die Hände und den Bauchbereich und fügte seinem Mitschüler Schnittwunden an Rücken und Unterarm zu.

Festnahme des Angreifers. Video: Polizei Kiew/Facebook

Selbstverletzung

Nach dem Angriff schloss sich Solovjov in eine der Kabinen der Schultoiletten ein und stach sich in Hand und Bauch. Eines der Opfer wurde von Sanitätern auf einer Trage aus der Schule gebracht. Die Lehrerin befand sich in kritischem Zustand. Der Angreifer und seine Opfer stehen derzeit im Krankenhaus unter ärztlicher Aufsicht.

Zeugen meldeten den Angriff um 8:45 Uhr Ortszeit über den Notruf. Die herbeigerufene Polizei nahm den verletzten Angreifer sofort fest. Nach seiner Entlassung aus dem Krankenhaus soll er in Untersuchungshaft kommen und dort auf seinen Prozess warten.

Mykyta Solovjov stammt aus Nikopol in der Region Dnepropetrowsk. Sein Vater war bis Mai 2025 Chefoperationsbeamter in der Abteilung für strategische Ermittlungen der Nationalpolizei der Ukraine.

Obwohl das Motiv für die Tat noch untersucht wird, hat die Staatsanwaltschaft des Kiewer Stadtteils Obolon, in dem sich der Angriff ereignete, ein Strafverfahren gegen Solowjow wegen versuchten Mordes an zwei oder mehr Personen eingeleitet, wofür ihm eine Freiheitsstrafe von zehn bis 15 Jahren droht.

Selfies des Angreifers Mykyta Solovjov vor der Tat. Foto: Konsul/Telegram

Die Hand Moskaus?

„Während der Ermittlungen entdeckten die Polizisten auf dem Telefon des Verdächtigen Kommunikation mit vermutlich feindlichen Geheimdiensten. Derzeit laufen weitere Ermittlungen“, fügte die ukrainische Polizei hinzu.

Die Staatsanwaltschaft der Stadt Kiew erklärte, dass der Minderjährige laut den Chat-Nachrichten auf dem Handy „seine Pläne zur Begehung einer Straftat“ mit unbekannten Personen besprochen habe, die die Staatsanwaltschaft als „mutmaßliche Vertreter russischer Geheimdienste“ bezeichnet.

Kurz nach dem Angriff wurden mehrere Fotos aus Solovjovs Handy veröffentlicht. Darauf trägt er ein schwarzes T-Shirt mit der Aufschrift „Hitler Kaput“. Der Slogan stammt aus der antifaschistischen Szene und geht auf den Ausspruch „Hitler ist kaputt“ zurück, den Soldaten der Roten Armee am Ende des Zweiten Weltkriegs in der verkürzten Form „Hitler kaput“ verwendeten.

„Entnazifizierung für den Export. Die am stärksten gefährdeten Bevölkerungsgruppen – Kinder und ältere Menschen – sind davon betroffen“, schrieb der ukrainische Offizier Olexij Rejns vom 3. Armeekorps in einem sozialen Netzwerk.

Wie ukrainische Medien berichten, steht die mögliche Verbindung des jungen Täters zu Moskau im Zusammenhang mit der Propaganda des Kremls über angeblichen Faschismus und Nationalsozialismus in der Ukraine.