Vorwurf des Hochverrats: Die Kaiser-Schlacht der FPÖ gegen das Haus Habsburg

Die Freiheitlichen stehen im Feld gegen Habsburg-Lothringen: FPÖ-Promis wie Harald Vilimsky, Ursula Stenzel und Norbert Hofer lassen sich die Attacke des Kaiser-Enkels nicht gefallen und treten aus dem von Habsburg geleiteten St. Georgs-Orden aus.

Karl Habsburg-Lothringen. Foto: APA-Images / KURIER / Juerg Christandl

Karl Habsburg-Lothringen. Foto: APA-Images / KURIER / Juerg Christandl

Wien. In einer emotionalen Rede zu seinem 65. Geburtstag kritisierte Karl Habsburg-Lothringen, Enkel des letzten österreichischen Kaisers, am v erganenen Samstag die FPÖ und die EU-Fraktion "Patrioten für Europa" im Europäischen Parlament: Der Europa-Politiker bezeichnete sie als "falsche Patrioten" und sogar als "Hochverräter". Die FPÖ ist seither in Rage - es hagelt Kritik, und die Freiheitlichen treten nun zu Hauf und mit Ansage aus dem von Karl Habsburg-Lothringen geführten St. Georgs-Orden aus.

Karl Habsburg, Ehrenpräsident der Paneuropa-Bewegung Österreich, nutzte seinen Geburtstag, um eine Warnung auszusprechen: Er sehe eine "Achse des Bösen", die Europa nun zu einer einheitlichen Außen- und Sicherheitspolitik zwingen müsse.

Besonders der Krieg Russlands gegen die Ukraine und die provokativen Drohungen des US-Präsidenten Donald Trump gegenüber Dänemark würden ihm schlaflose Nächte bereiten. "Europa steht vor existenziellen Herausforderungen", betonte Habsburg-Lothringen in seiner Ansprache. Doch die Gefahr lauere nicht nur von außen – sie "schleiche sich auch von innen ein".

Mit scharfen Worten griff von Habsburg dann die EU-Fraktion "Patrioten für Europa" an, der auch die österreichische FPÖ angehört. "Diese Bezeichnung enthält zwei Lügen", erklärte er. "Es handelt sich um falsche Patrioten - und vielmehr um teils brutale Nationalisten, die gegen Europa arbeiten."

"Doppelter Hochverrat"

Habsburg ging noch weiter: Viele in dieser Gruppe stünden in enger Verbindung zum Kreml-Chef Wladimir Putin. "Sie begehen doppelten Hochverrat – an ihrem eigenen Land und an Europa", so der 65-jährige Habsburger.

Putin, so Habsburg, strebe die Beherrschung Europas an. Er beschrieb Russland als ein "Moskauer Kolonialreich", das durch Eroberung entstanden sei und durch Terror zusammengehalten werde. "Dieses Reich kennt nur zwei Zustände: Krieg oder Vorbereitung auf den nächsten Krieg", warnte er. Die Expansion sei systematisch: "Sobald ein Volk erobert und unterjocht wurde, wird es eingesetzt, um im nächsten Expansionskrieg verheizt zu werden."

Was Habsburg in seiner Rede nicht erwähnt hat: 1994 zogen sich bekanntlich russische Truppen aus Ostdeutschland, aus Tschechien, aus der Slowakei, aus Ungarn und Rumänien zurück und ermöglichten damit auch die deutsche Wiedervereinigung - und eine umfassende NATO-Erweiterung.

Blauer Gegenangriff mit Inzucht-Beleidigung

Die FPÖ reagierte prompt auf die Attacke des Adeligen, dessen Großvater noch im I. Weltkrieg Serben und Russen angreifen ließ: Der Wiener FPÖ-Politiker Leo Lugner konterte dazu in den sozialen Medien und sparte nicht an deftigen Beleidigungen mit der Frage, ob die "jahrhundertelange Inzucht" dieses "autokratischen Erbzirkels" der Grund für diese wirren Beleidigungen der stärksten demokratischen Kraft im Land sei. In den sozialen Netzwerken setzte es für Karl von Habsburg zahlreiche Kritik.

Die weitreichende Empörung in der FPÖ führt nun auch zu einer Austrittswelle der Freiheitlichen aus dem in Österreich bekannten St. Georgs-Orden, der von Karl Habsburg-Lothringen geleitet wird. Der frühere FPÖ-Chef Norbert Hofer teilte seinen Abschied vom St.-Georgs-Orden auf X mit: "Mit heutigem Tag habe ich meine Ehrenritterschaft im St.-Georgs-Orden zurückgelegt. Öffentliche Äußerungen, die dem Geist gegenseitiger Achtung widersprechen, lassen mir diesen Schritt als geboten erscheinen. Ich bedauere diese Entwicklung."

Ebenso traten der EU-Abgeordnete Harald Vilimsky, die bekannte Wiener Stadtpolitikerin Ursula Stenzel sowie der Abgeordnete Markus Tschank aus dem Orden aus. Innerhalb des Ordens brodelt es massiv, es ist von Chatgruppen die Rede mit Debatten, ob man gleich ganz "in Gruppen" austreten solle.

Das Haus Habsburg

Die Habsburger-Dynastie, die über Jahrhunderte Europa prägte, steht symbolisch für eine - mit Gewalt und Heiratspolitik - vereinte Kontinentalgeschichte. Der Sieg Rudolfs von Habsburg über den böhmischen König Ottokar II. in der Schlacht auf dem Marchfeld 1278 markierte den Beginn von 640 Jahren Herrschaft über Österreich. Nach der Gründung der Republik 1918 verlor das Haus alle Vorrechte und wurde enteignet.

Karl Habsburg, der aktuelle Vertreter der Familie Habsburg, wurde am 11. Jänner 1961 in Starnberg, Oberbayern, geboren. Als Enkel des letzten österreichischen Kaisers Karl I. war er lange politisch aktiv: 1996 wurde er für die ÖVP ins EU-Parlament gewählt, wo er drei Jahre tätig war. Er übernahm von seinem Vater Otto den Vorsitz der Paneuropa-Bewegung, der ältesten europäischen Einigungsbewegung, gegründet 1922 in Wien, und ist seit 2024 ihr Ehrenpräsident. Zudem ist er als Medienunternehmer in den Niederlanden, der Ukraine, Bulgarien und Österreich tätig.