Wien/Berlin. Einbrechende Exporte, explodierende Preise, hohe Inflation, kaum bezahlbare Kreditzinsen, steigende Arbeitslosigkeit, sinkendes Konsumverhalten: Schlagworte, die den Zustand der Volkswirtschaften in Österreich und Deutschland beschreiben, die sich seit drei Jahren zwischen Rezession und Stagnation bewegen. Ein weiterer Indikator, der die Misere an den einst blühenden Wirtschaftsstandorten beschreibt, sind die Unternehmensinsolvenzen.
Mit dem Niedergang der Wirtschaft erreichte die Zahl der Firmenpleiten im vergangenen Jahr historische Höchststände - Tendenz anhaltend bis weiter steigend. Nie zuvor mussten mehr Gewerbetreibende den bitteren Gang zum Konkursrichter antreten als in den zurückliegenden zwölf Monaten. Eine Grafik des Statistischen Bundesamts in Wiesbaden verdeutlicht die Entwicklung. Während die Wirtschaft schrumpfte, stieg die Zahl der Insolvenzen weiter an:

Für das letzte Quartal 2025 existieren bislang nur vorläufige Zahlen der zuständigen Gerichte, die zuverlässigen und vergleichbaren Daten stammen von Ende Oktober mit Abschluss des dritten Quartals. Demnach meldeten die Gerichte in Deutschland für den Oktober 2025 nach endgültigen Ergebnissen insgesamt 2.108 beantragte Unternehmensinsolvenzen. Das waren 4,8 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Die Forderungen der Gläubiger aus den vom Oktober 2025 gemeldeten Firmenpleiten betrugen rund 2,6 Milliarden Euro, wie das Statistisches Bundesamt vermeldete.
Bezogen auf 10.000 Unternehmen gab es im Oktober 2025 in Deutschland insgesamt 6,1 Unternehmensinsolvenzen. Die meisten Insolvenzen je 10.000 Unternehmen entfielen mit 12,3 Fällen auf die Wirtschaftsbereiche Verkehr und Lagerlogistik. Danach folgte das Gastgewerbe mit 10,5 Fällen sowie das Baugewerbe mit 8,5 Insolvenzen je 10.000 Unternehmen.
Im gesamten Jahr 2025 lag die Zahl der Insolvenzen in Deutschland bei 17.604. Laut Wirtschaftswoche lag sie damit sogar um fünf Prozent höher als im Zuge der Finanzkrise 2009.
Im vergangenen Dezember erreichte die Zahl der Insolvenzen dann einen Höchststand und damit den schlimmsten Wert seit 20 Jahren. Mit 1.519 Firmenpleiten lag sie 75 Prozent über dem Wert eines durchschnittlichen Dezembers der Jahre 2016 bis 2019, also vor der Corona-Pandemie. Laut Statistischem Bundesamt war sie um 12,5 Prozent höher als noch im Vergleichsmonat Dezember 2024.
In Österreich legten die Insolvenzen um 3,4 Prozent zu
Ebenso düster sah es für viele Unternehmer in Österreich aus. „Die Zahl der Insolvenzen bleibt hoch, auch wenn sich die Dynamik abschwächt. Zwischen Juli und September 2025 gab es in Österreich 1.626 Firmenpleiten. Das sind 6,5 Prozent mehr als im dritten Quartal des Vorjahres. Seit Jahresbeginn summieren sich die Unternehmensinsolvenzen damit auf insgesamt 5.145. Das sind rund sieben Prozent mehr als in den ersten drei Quartalen 2024. Hauptbetroffen war der Dienstleistungsbereich, gefolgt vom Handel und der Baubranche“, sagte Generaldirektorin Manuela Lenk von der Statistik Austria im Herbst.
Laut einer Analyse des Kreditschutzverbands KSV 1870 belief sich die Zahl der Insolvenzen in Österreich bis einschließlich Dezember 2025 auf 6.810. Das entspricht einem Anstieg von 3,4 Prozent gegenüber dem bereits hohen Niveau des Jahres 2024. Für Schlagzeilen sorgten dabei die Pleiten großer Unternehmen, die laut Industriemagazin mit Passiva von mehr als 100 Millionen Euro in die Insolvenz gehen mussten:

Experten erwarten für das laufende Jahr keine Trendwende und rechnen allenfalls mit einem gedämpften weiteren Anstieg der Firmenpleiten. Ob dies der Grund für eine Entscheidung des Statistischen Bundesamts in Deutschland ist, ab sofort auf die Veröffentlichung vorläufiger Insolvenzzahlen zu verzichten, bleibt offen. Für Verwunderung hat die Bekanntgabe dennoch gesorgt, wie Medien berichten.
Die Begründung des Bundesamts: „Mit dem Berichtsmonat Dezember 2025 stellt das Statistische Bundesamt die Veröffentlichung vorläufiger Angaben zu den Regelinsolvenzen auf Basis der Insolvenzbekanntmachungen der Amtsgerichte ein. Die vorläufigen monatlichen Angaben zu Regelinsolvenzverfahren, hier für Dezember 2025, basieren auf aktuellen Insolvenzbekanntmachungen aller Amtsgerichte in Deutschland. Sie weisen noch nicht die methodische Reife und Belastbarkeit amtlicher Statistiken auf und zählen daher zu den experimentellen Daten."