Mattighofen. Der Neustart nach der Insolvenz verläuft für KTM nicht ohne Einschnitte. Der Motorradhersteller streicht hunderte Arbeitsplätze und treibt damit seinen Sparkurs unter den neuen Mehrheitseigentümern voran. Das Unternehmen teilte am Dienstagabend mit, die Maßnahmen würden im Zuge eines „Effizienzprogramms“ gesetzt, um nach der Insolvenz der KTM AG Ende 2024 „den erfolgreichen Neubeginn aus dem Vorjahr 2025 fortzusetzen“.
Der Personalabbau betrifft laut KTM vor allem Angestellte und das mittlere Management. Insgesamt sollen 500 der rund 3.800 Arbeitsplätze wegfallen. Vorstandschef Hubert Trunkenpolz sprach von einer „schwierigen, aber notwendigen Entscheidung“, Frühwarnmeldungen würden beim Arbeitsmarktservice (AMS) eingebracht. Ziel des Programms sei es, Fixkosten zu reduzieren, Strukturen zu straffen und das Produkt- sowie Projektportfolio zu fokussieren. Im Mittelpunkt stehe weiterhin das Kerngeschäft mit den drei Marken KTM, Gasgas und Husqvarna.
Hintergrund der Restrukturierung ist die Übernahme der KTM-Mutter durch den indischen Hersteller Bajaj. Das Unternehmen, das bereits seit 2007 Partner von KTM ist, hatte nach der Insolvenz mit einer Geldspritze den Fortbestand des Motorradbauers gesichert. Im Gegenzug übernahm Bajaj die Kontrolle über das bisherige Joint Venture Pierer Bajaj und wandelte die Pierer Mobility AG in die Bajaj Mobility AG um.
Nur 180 Kilometer östlich, in Wieselburg in Niederösterreich, sorgt eine weitere Kündigungswelle für Verzweiflung unter der Belegschaft. Wie leadersnet berichtet, baut auch der Autozulieferer ZKW Jobs ab – 600 Mitarbeiter müssen bis Ende 2027 gehen. Konzernweit sollen sogar 25 Prozent der Stellen wegfallen, was etwa 2.300 Jobs weltweit entspricht.
„Als verantwortungsvoller und einer der größten Arbeitgeber der Region war die Anpassung des Personals an die Marktsituation eine schwierige, aber notwendige Entscheidung, um den Fortbestand des Standorts zu sichern“, sagt Hermann Seitz, Standortleiter der ZKW Lichtsysteme GmbH in Wieselburg.
Für viele Österreicher ist die Pleite- und Kündigungswelle in Österreichs Unternehmen eine Bankrotterklärung für die Regierung. Das Online-Portal Fass ohne Boden bringt es auf den Punkt und schreibt unter dem Titel „Bonzen lachen, Hackler krachen“, was sich viele Menschen denken: „Während sich die Regierungskoalition im Nobelambiente des Schlosshotels Mauerbach den Kopf über theoretische Aufschwünge zerbricht, schafft die Realität Fakten. Über 1.000 Mitarbeiter bei ZKW und KTM verlieren ihren Job. Diese Gleichzeitigkeit von politischer Inszenierung und industriellem Kahlschlag ist kein Zufall. Sie ist der Beweis für den totalen Kontrollverlust der Bundesregierung.“