Global Risks Report des WEF: 2026 eskaliert der geopolitische Wirtschaftskrieg

In einer Welt zunehmender Unsicherheit legt das Weltwirtschaftsforum seinen jährlichen Bericht vor. Am eindringlichsten warnt er vor geoökonomischen Konfrontationen, Fake News und wachsender Polarisierung.

Foto: Tomáš Baršváry / Midjourney / KI

Foto: Tomáš Baršváry / Midjourney / KI

Davos. Der aktuelle Global Risks Report, der auf der Global Risks Perception Survey (GRPS) 2025–2026 sowie der Executive Opinion Survey (EOS) basiert, stützt sich auf Einschätzungen von mehr als 1.300 Experten und 11.000 Führungskräften aus 116 Ländern. Er bewertet 33 globale Risiken nach ihrem Schweregrad auf einer Skala von 1 bis 7. Die Methodik umfasst Bewertungen für einen Zwei- und einen Zehnjahreshorizont, ergänzt durch Analysen der Wechselwirkungen zwischen den Risiken sowie Vorschläge für Governance-Maßnahmen.

Im Vergleich zu früheren Ausgaben verzeichnet der Bericht einen deutlichen Anstieg wirtschaftlicher Bedrohungen, während umweltbezogene Risiken kurzfristig an Priorität verlieren – eine Entwicklung, die Experten als besorgniserregend bewerten, da diese langfristig existenziell bleiben.

Die größten Bedrohungen in diesem Jahr

Kurzfristig, in den nächsten zwei Jahren, führt die geoökonomische Konfrontation die Liste an – ein Risiko, das um acht Plätze aufgestiegen ist. Dazu zählen Sanktionen, Zölle, Investitionskontrollen sowie die Weaponisierung von Lieferketten, also der gezielte Einsatz von Lieferketten als Druckmittel, bei dem nationale Interessen über globale Kooperation gestellt werden. Mit einer Schweregradbewertung von etwa 4,5 gilt sie als möglicher Auslöser für bewaffnete Konflikte, wirtschaftliche Abschwünge und gesellschaftliche Ungleichheit. 18 Prozent der Befragten halten sie für die wahrscheinlichste Krise im Jahr 2026 oder 2028.

Desinformation und KI auf den Plätzen 2 und 3

Es folgen Fehlinformationen und Desinformation auf Platz 2, die durch Künstliche Intelligenz verstärkt werden und das öffentliche Vertrauen untergraben, sowie gesellschaftliche Polarisierung auf Platz 3, die die soziale Stabilität bedroht.

Weitere Top-Risiken umfassen extreme Wetterereignisse auf Platz 4, ein Abstieg von Platz 2, staatliche bewaffnete Konflikte auf Platz 5, Cyber-Unsicherheit auf Platz 6, Ungleichheit auf Platz 7 als am stärksten vernetztes Risiko, die Erosion von Menschenrechten und bürgerlichen Freiheiten auf Platz 8, wirtschaftlichen Abschwung auf Platz 9 mit dem stärksten Anstieg um acht Plätze sowie Inflation auf Platz 10. Wirtschaftliche Risiken wie Schulden, mit einem globalen Schuldenstand von 251 Billionen US-Dollar beziehungsweise 235 Prozent des BIP, sowie das Platzen von Asset-Blasen haben deutlich zugenommen. Getrieben wird diese Entwicklung durch politische Unsicherheiten, Arbeitsmarkt-Schocks und KI-Investitionen, die für 2026 auf zwei Billionen US-Dollar geschätzt werden.

Langfristig, also über die nächsten zehn Jahre, dominieren umweltbezogene Risiken. Extreme Wetterereignisse führen die Liste an, gefolgt vom Verlust der Biodiversität und dem Kollaps von Ökosystemen auf Platz 2, kritischen Veränderungen der Erdsysteme auf Platz 3 sowie Fehlinformationen und Desinformation auf Platz 4. Besonders alarmierend ist der Sprung der negativen Auswirkungen von KI-Technologien auf Platz 5, nach Platz 30 im kurzfristigen Horizont, mit einer Schweregradbewertung von 5,28 – dem stärksten Wachstum aller Risiken. Dazu zählen Arbeitsplatzverluste von bis zu 50 Prozent bei Einstiegsjobs, ethische Dilemmata sowie militärische Eskalationen, etwa durch autonome Systeme in der Ukraine.

Weitere Risiken sind Rohstoffknappheit auf Platz 6, Ungleichheit auf Platz 7, Cyber-Unsicherheit auf Platz 8, gesellschaftliche Polarisierung auf Platz 9 sowie Verschmutzung auf Platz 10.

50 Prozent der Befragten erwarten ein turbulentes Kurzfrist-Szenario, ein Anstieg um 14 Punkte, 57 Prozent rechnen langfristig mit einer solchen Entwicklung. Unabhängig davon erwarten 68 Prozent eine multipolare Welt, in der Regeln erodieren und multilaterale Institutionen an Einfluss verlieren.

Der Vergleich zum Global Risks Report 2025

Im Vergleich zum Global Risks Report 2025, der eine fragmentierte Welt mit geringem Optimismus beschrieb, hat sich der Fokus deutlich verschoben. Kurzfristig führten 2025 Fehlinformationen und Desinformation auf Platz 1, gefolgt von extremen Wetterereignissen auf Platz 2 und gesellschaftlicher Polarisierung auf Platz 3. Geopolitische Risiken wie Cyber-Spionage und Cyber-Krieg auf Platz 4 sowie staatliche bewaffnete Konflikte auf Platz 5 waren ebenfalls prominent vertreten, während wirtschaftliche Bedrohungen wie Inflation auf Platz 7 und wirtschaftlicher Abschwung auf Platz 9 niedriger rangierten. Umwelt- und gesellschaftliche Risiken wie unfreiwillige Migration auf Platz 8 und Verschmutzung auf Platz 10 rundeten die Liste ab.

Der Report 2025 warnte vor einer „Ära des Konflikts“ mit einer kurzfristigen Instabilitätserwartung von 52 Prozent und einer langfristigen von 62 Prozent, betonte jedoch stärker geopolitische Spannungen sowie technologische Volatilität durch Künstliche Intelligenz und Biotechnologie.

Der Ausblick in den Reports verschlechtert sich

Zum Report 2024 dominierten kurzfristig Fehlinformationen und extreme Wetterereignisse, mit geringerer Betonung geoökonomischer Konfrontationen. Der Übergang von 2024 zu 2025 zeigte einen deutlichen Anstieg geopolitischer Risiken, etwa staatliche bewaffnete Konflikte, die im aktuellen Kontext von Platz 8 auf Platz 1 rückten. Von 2025 zu 2026 verschieben sich die Schwerpunkte erneut, hin zu wirtschaftlichen und technologischen Risiken, insbesondere durch den Sprung der KI-Risiken. Insgesamt verschlechtert sich der Ausblick: von der Polycrisis 2024 über Fragmentierung 2025 bis hin zu einer Konkurrenzära 2026.

Dringende Maßnahmen gefordert

Der WEF-Report fordert dringende Maßnahmen. Für geoökonomische Risiken schlägt er finanzielle Instrumente zur Eindämmung von Schulden vor, für gesellschaftliche Polarisierung öffentliche Aufklärung und Bildung, die 29 Prozent der Befragten priorisieren. KI-Risiken erfordern demnach Regulierungen, um Arbeitsplatzverluste abzumildern – netto 78 Millionen Jobs bis 2030, bei gleichzeitigem Verlust von bis zu 50 Prozent der Einstiegsjobs.

Umweltbedrohungen verlangen globale Kooperation, die in einer multipolaren Welt schwierig ist – nur sechs Prozent erwarten eine regelbasierte Ordnung.

Saadia Zahidi, Managing Director des WEF, betont: „Die Risiken sind vernetzt; Ignoranz gegenüber kurzfristigen wirtschaftlichen Druckfaktoren könnte langfristige Umweltkatastrophen beschleunigen.“ Der Bericht unterstreicht zudem, dass 75 Prozent der Befragten umweltbezogene Kategorien als turbulent einschätzen, und warnt vor einem möglichen „Punkt ohne Umkehr“ bis 2036.

WEF Global Risks Report 2026, Screenshot Report
Aus dem Global Risks Report 2026; (Quelle: WEF)