Donald Trump setzt seinen Siegeszug auch im Jahr 2026 fort. Mit dem bevorstehenden Jahrestag seines ersten Jahres im Weißen Haus hat er einige Änderungen angekündigt, die sich auf die amerikanischen Bürger auswirken sollen.
Die wohl größte Neuigkeit war die Bekanntgabe, die Zinsen für Kreditkarten auf zehn Prozent zu begrenzen. Die Erklärung löste bei den Anbietern der Dienstleistungen und den Kreditkartenunternehmen Panik aus. Am stärksten betroffen waren die Aktien der Unternehmen Capital One Financial, Synchrony Financial und American Express.

Doch bereits einen Tag nach der Veröffentlichung stellte sich heraus, dass der US-Präsident den Schritt nur mit Zustimmung des Kongresses umsetzen kann. Das wird bis zum 20. Januar mit ziemlicher Sicherheit nicht gelingen. Darüber hinaus ist die Bankenlobby extrem stark, sodass es schwierig sein wird, eine Mehrheit im Kongress zu erreichen.
Zumindest ist mit erheblichen Verzögerungen zu rechnen. Unklar erscheint auch, wie genau Trump die Angelegenheit durchsetzen will. Vielleicht findet er einen unkonventionellen Weg. Damit würde sich jedoch erneut bestätigen, dass der Chef des Weißen Hauses immer mehr Macht an sich reißt, was sowohl für die amerikanische Gesellschaft als auch für ihre Wirtschaft ein Risiko darstellt.
Druck auf Powell und die Unabhängigkeit der Fed
Das Risiko zeigte sich bereits Anfang der Woche deutlich. Das US-Justizministerium begann, sich für den Chef der Zentralbank, Jerome Powell, zu interessieren. Gegenstand des Interesses ist die überteuerte Renovierung des Fed-Hauptsitzes.
Die Behörden verdächtigen Powell, dass die Bauarbeiten um mehr als 700 Millionen Dollar überteuert waren. Die Angelegenheit ist nicht neu. Präsident Trump trug die Vorwürfe Powell bei seinem Besuch bei der Fed persönlich vor. Powell reagierte umgehend und widerlegte die Anschuldigungen relativ überzeugend. Offenbar reichte das den Behörden jedoch nicht aus.
Nach der Bekanntgabe, dass Powell im Visier des Justizministeriums steht, brach Panik an den Märkten aus. Die Reaktion zeigt, dass Trump Einfluss auf eine Institution nimmt, die unabhängig bleiben sollte. Donald Trump wirft Jerome Powell vor, die Zinssätze nicht schnell genug gesenkt zu haben.
Der Gouverneur der Zentralbank sollte die Zinsen jedoch nicht nach dem Willen des Präsidenten senken, sondern auf Grundlage makroökonomischer Daten wie Inflation und Arbeitslosenquote. Das Vertrauen in die Fed zu einem Zeitpunkt zu untergraben, an dem die Verschuldung der USA Rekordwerte erreicht hat, ist nicht unbedingt die beste Idee.
Powell, der ansonsten als äußerst emotionslos gilt, entschloss sich diesmal zu einer Reaktion. Er wies sämtliche Vorwürfe zurück und richtete erstmals offen den Finger gegen Präsident Trump, den er als Urheber des Drucks auf seine Person sieht. Die Situation beunruhigte nicht nur die Märkte, sondern auch einige republikanische Kongressabgeordnete. Das Vertrauen in die Fed zu untergraben, ist tatsächlich ein sehr riskantes Unterfangen. Selbst Finanzminister Scott Bessent ließ deutliche Unzufriedenheit über ein mögliches Gerichtsverfahren gegen Jerome Powell erkennen.
Außerdem ergibt die gesamte Anklage wenig Sinn. Powell scheidet im Mai 2026 aus seinem Amt aus. Bis ein Gerichtsverfahren begonnen und zu einem Ergebnis gekommen wäre, wäre Powell längst nicht mehr im Amt. Man kann dies also eher als Botschaft an den zukünftigen Fed-Gouverneur verstehen. Das gefährdet tatsächlich die Unabhängigkeit der Zentralbank. Trump hat, wie üblich, wenn die negativen Reaktionen zu stark werden, eine Kehrtwende vollzogen. Er bestritt, hinter der Initiative für eine Untersuchung durch die US-Justiz zu stehen.
Trumps Irrtum über die Allmacht Powells
Die Erklärung ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass Trump Powell seit langem schikaniert. Man denke nur an seine abfällige Bezeichnung „Mr. Too Late”. Mit dieser Haltung schadet Trump sich selbst, denn seine Kritik an der Fed in Bezug auf die Zinssätze offenbart nur seine Unkenntnis der Materie.
Die Behauptung, dass eine Senkung der Zinsen um einen Prozentpunkt durch Powell den USA täglich eine Milliarde Dollar an Schuldendienstkosten einsparen würde, ist übertrieben, wenn nicht sogar absurd. Der Anleihemarkt reagiert nämlich nicht nur auf Veränderungen der kurzfristigen Zinsen. Bei langfristigen Anleihen berücksichtigen Anleger auch Inflationserwartungen in der Rendite.

Und sollte die Fed ihre Geldpolitik drastisch lockern, dürfte die Inflation in den kommenden Jahren steigen, was zu höheren Zinsen in der Zukunft führen würde. Rechnet man dazu noch die Unlösbarkeit der amerikanischen Schuldenproblematik hinzu, ist es logisch, dass die Gläubiger von den USA höhere Renditen verlangen werden.
Dieses Phänomen ist bereits heute zu beobachten. Die Renditen amerikanischer Anleihen liegen in etwa auf dem gleichen Niveau wie im Oktober 2024, obwohl die Fed die Zinsen um etwa 1,25 Prozentpunkte gesenkt hat. Die drastische Zinssenkung, die der Präsident fordert, könnte also genau das Gegenteil bewirken.
Die Märkte haben jedoch erneut ihre bewährte Strategie „Buy the Dip” unter Beweis gestellt. Der Rückgang ist für viele eine Gelegenheit zum Nachkauf. Bislang hat sich diese Strategie immer ausgezahlt. Und im Fall des Konflikts zwischen Trump und Powell war es nicht anders.
Die Märkte werden gegenüber den Äußerungen des Präsidenten zunehmend immun. Es zeigt sich, dass viele davon keine reale Grundlage haben. Die Frage, ob dahinter eine durchdachte Strategie steckt, wird immer dringlicher. Bislang sieht es so aus, als schaffe Trump künstliches Chaos. Als dessen Urheber findet er sich darin besser zurecht als andere und zieht daraus Vorteile. Dieser Regierungsstil ist jedoch auf Dauer nicht aufrechtzuerhalten.
Gold, Silber und Marktreaktionen
Von der Verwirrung um Powell, der geopolitischen Unsicherheit hinsichtlich eines möglichen Angriffs auf den Iran und dem Fehlen einer konkreten Lösung in Venezuela profitierten die Preise für Gold und Silber. Sie schossen sogar auf über 93 Dollar pro Unze. Die Überhitzung des Silbermarktes ist also in vollem Gange.
Seit Anfang dieses Jahres hat Silber um unglaubliche 30 Prozent zugelegt. Das ist bemerkenswert viel. Die Besitzer des Metalls sind begeistert, aber ein so schneller Anstieg deutet entweder auf die Entstehung einer weiteren Spekulationsblase oder auf ein erhebliches Ungleichgewicht auf dem Markt für die Ware hin. Keine der beiden Varianten ist gesund.

Alphabet hat die Vier-Billionen-Dollar-Marke überschritten
Glücklicherweise bieten die Finanzmärkte auch andere Nachrichten als nur die Ereignisse rund um Präsident Trump. Alphabet (Facebook) hat die psychologische Grenze von vier Billionen Dollar Marktkapitalisierung überschritten.
Der Technologiegigant liegt damit auf Platz zwei direkt hinter Nvidia. Paradoxerweise hat er Apple überholt. Der Impuls für den Anstieg der Alphabet-Aktie kam nach der Ankündigung, dass Apple für die neue Generation seines KI-Agenten Siri ein auf Gemini basierendes Modell mit entsprechender Infrastruktur nutzen wird.
Es könnte sich um eine klassische Win-win-Situation handeln. Apple versucht, Investoren davon zu überzeugen, dass sein Rückstand im Bereich der Künstlichen Intelligenz der Vergangenheit angehört. Für Google ist die Entwicklung ebenfalls positiv, da sie die technische Ausgereiftheit des Gemini-Modells bestätigt.
Die Unterschiede zwischen ChatGPT und Gemini sind heute minimal. Google hat eine reale Chance, OpenAI vom Thron zu stoßen. Die Entwicklungen im Bereich der Künstlichen Intelligenz zeigen, dass es derzeit extrem schwierig ist, einen deutlichen technologischen Vorsprung zu halten.

Die Ereignisse haben weltweit und auch an der Börse sehr schnell an Fahrt gewonnen. Wir befinden uns erst in der Mitte des ersten Monats des neuen Jahres, dennoch hat sich bereits vieles ereignet. Umso wichtiger scheint es, sich daran zu erinnern, dass an der Börse langfristig diejenigen gewinnen, die einen kühlen Kopf bewahren und sich an ihren Plan halten.