Das zu Amazon gehörende Unternehmen AWS hat am Donnerstag einen neuen Cloud-Dienst gestartet, dessen Infrastruktur ausschließlich in Europa angesiedelt ist. Damit reagiert AWS auf die wachsenden Bedenken europäischer Nutzer hinsichtlich der Datensicherheit bei überwiegend in den USA ansässigen Anbietern und bietet auf dem alten Kontinent eine unabhängige Alternative an.
Die Rechenzentren der AWS European Sovereign Cloud sind physisch und rechtlich von den übrigen Servern des US-Unternehmens getrennt, teilte der weltweit größte Anbieter von Cloud-Diensten mit.
Dadurch kann die Cloud auch dann funktionieren, wenn die Europäische Union vom Internet getrennt würde oder die Vereinigten Staaten den Export von Software verbieten würden, so Michael Hanisch, Chief Technology Officer von AWS Germany gegenüber Reuters.
Alternativen im Fokus
Die Europäer suchen zunehmend nach Alternativen zu den vorwiegend von den Vereinigten Staaten dominierten Technologien, da sie sich Sorgen um den legalen Zugriff der amerikanischen Behörden auf Daten machen.
Das Gesetz über Cloud-Dienste verlangt nämlich, dass Anbieter mit Sitz in den USA den Behörden Zugang zu Daten gewähren, auch wenn diese im Ausland gespeichert sind.
Um Kunden mit erhöhten Anforderungen an die Datensicherheit konkurrieren auch zwei weitere große US-amerikanische Cloud-Dienstleister: Microsoft und Google von Alphabet.
Microsoft speichert die Daten europäischer Kunden auf Anfrage ausschließlich in Rechenzentren auf dem alten Kontinent, während Google im vergangenen Jahr Investitionen in Höhe von 5,5 Milliarden Euro in deutsche Rechenzentren angekündigt hat.
Milliardeninvestition
Nach Angaben von Hanisch wird das erste Rechenzentrum von AWS Europe im deutschen Bundesland Brandenburg entstehen.
Weitere Investitionen von mehr als 7,8 Milliarden Euro plant Amazon in Deutschland und anderen europäischen Ländern.
Die Cloud-Speicher sollen Kontrollmechanismen sowie Souveränitäts- und rechtliche Garantien bieten, die den Anforderungen europäischer Regierungen und Organisationen an die Verarbeitung sensibler Daten entsprechen, so AWS.
Die europäische AWS-Cloud wird von einem deutschen Unternehmen betrieben und überwacht, in dessen Organen EU-Bürger vertreten sind und dessen Mitarbeiter letztlich alle die EU-Staatsbürgerschaft besitzen müssen, fügte Hanisch hinzu.
(reuters, im)