Das WEF in Davos erwartet Risiken und Trump

Die Rede des amerikanischen Präsidenten am zweiten Tag des diesjährigen Weltwirtschaftsforum wird mit Spannung erwartet. Der Risikobericht des WEF benennt indirekt seinen Regierungsstil als Ursache für Krisen. Darauf gilt es zu antworten.

Mit Spannung wird in diesem Jahr die Rede von Präsident Donald Trump auf dem WEF erwartet; Foto: Kevin Lamarque/Reuters

Mit Spannung wird in diesem Jahr die Rede von Präsident Donald Trump auf dem WEF erwartet; Foto: Kevin Lamarque/Reuters

Am Montag, dem 19. Januar trifft sich das Weltwirtschaftsforums (WEF) wieder im schweizerischen Davos. Am zweiten Tag wird auch US-Präsident Donald Trump dort eine Rede halten, die nach vorläufigen Schätzungen die meistbeachtete Podiumsdiskussion des gesamten Forums sein wird.

Neben dem Chef des Weißen Hauses werden auch mehrere europäische und islamische Staats- und Regierungschefs sprechen, darunter der französische Präsident Emmanuel Macron, die Präsidentin der Europäischen Kommission Ursula von der Leyen, der marokkanische Premierminister Aziz Akhannouch, der katarische Premierminister Muhammad bin Abdarrahmán al-Thání, aber auch Technologiepioniere wie Microsoft-Chef Satya Nadella, der Direktor des Chip-Imperiums Nvidia, Jensen Huang, und der Chef von Palantir, Alex Karp.

Die veröffentlichte Liste enthält auch einige häufig wiederkehrende Namen, wie den ehemaligen norwegischen Premierminister Børge Brende, dem Nachfolger von Klaus Schwab an der Spitze des WEF, den Chef des Investmentgiganten BlackRock, Larry Fink, den Analysten der britischen Tageszeitung Financial Times, Gideon Rachman, oder den ehemaligen britischen Außenminister David Miliband. Hinzu kommen zwei Damen aus dem Finanzsektor: die Direktorin des Internationalen Währungsfonds, Kristallina Georgieva, und die Chefin der EZB, Christine Lagarde.

Das Forum, das Schwab 1971 gegründet hatte, und das er nach einer Reihe von Skandalen im April 2025 verlassen hatte, veröffentlichte nun wenige Tage vor Trumps Auftritt den Bericht über globale Risiken im Jahr 2026. Es ist daher wahrscheinlich, dass sich der amerikanische Präsident auch mit der Liste der Bedrohungen befassen wird, die die globalistische Elite als die bedeutendsten ansieht.

Die Spitzenführer der Welt erwarten schlechte Prognosen

Der WEF-Bericht zeigte, dass die Befragten zunehmend besorgt über die Zukunft sind, und zwar proportional zur Länge des Beobachtungszeitraums. „Wir haben festgestellt, dass 50 Prozent der befragten Führungskräfte und Experten für die nächsten zwei Jahre turbulente oder stürmische Entwicklungen erwarten, wobei dieser Anteil in den nächsten zehn Jahren auf 57 Prozent steigen wird“, erklärte das Forum in seiner Einleitung.

Global Risks Report des WEF: 2026 eskaliert der geopolitische Wirtschaftskrieg

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Wie die Geschäftsführerin Saadia Zahidi präzisierte, befasste sich das Forum mit 33 Risiken, die die Befragten nach ihrer Dringlichkeit einstuften. Das größte Risiko bestünde demnach durch „geoökonomische Konflikte“, eine Kategorie, zu der Handelskriege, Sanktionen und die Pflege „strategischer Rivalitäten“ im privaten Sektor gehören.

Bewaffnete Konflikte auf staatlicher Ebene stehe auf der Risikoliste auf Platz zwei und haben ddie Befürchtug von offenen, asymmetrischen oder hybriden Kriegen abgelöst.

Zahidi merkte an, dass die „Bedrohung“ ökologischer Natur von Jahr zu Jahr auf der Risikoliste weiter nach unten rutscht und somit von „Führungskräften und Experten“ offenbar als immer geringeres Risiko angesehen wird, wenn auch nur kurzfristig. Im Zweijahreshorizont sind hingegen „Fehlinformationen, Desinformation” die zweitgrößte Bedrohung, während im Zehnjahreshorizont alle drei größten Bedrohungen ökologischer Natur sind.

Zu den wirtschaftlichen Faktoren, die im Vergleich zu früheren Ausgaben am schnellsten zugenommen haben, gehören Inflation, wirtschaftliche Rezession oder das Platzen einer Marktblase. Eine besondere Kategorie ist die Möglichkeit einer Störung der kritischen Infrastruktur – was offenbar mit den Kriegen in der Ukraine oder im Gazastreifen zusammenhängt.

Neue Allianzen, Protektionismus und fragmentierte Ordnungen

Der Beginn des neuen Vierteljahrhunderts wurde von einer pakistanischen Analystin als eine Zeit beschrieben, in der „Allianzen neu geformt und die Widerstandsfähigkeit der Märkte und Institutionen, die 1944 auf der Konferenz von Bretton Woods entstanden sind, auf die Probe gestellt werden“.

Weltweit nimmt der Protektionismus unterschiedslos zu, und zwar in einem solchen Ausmaß, dass die Grenzen zwischen dem öffentlichen und dem privaten Sektor zu verschwimmen beginnen. Einer der von Zahadiová identifizierten Prozesse ist der „aktive Einfluss von Regierungen auf kritische Lieferketten“.

„Bis zu 68 Prozent der Befragten beschreiben das globale politische Umfeld in den nächsten zehn Jahren als ‚multipolare oder fragmentierte Ordnung, in der mittlere und große Mächte konkurrieren, regionale Regeln und Normen festlegen und durchsetzen‘, was einen Anstieg von vier Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahr darstellt“, hebt der Bericht hervor.

„Nur sechs Prozent der Befragten erwarten eine Wiederbelebung der früheren unipolaren, auf Regeln basierenden internationalen Ordnung“, heißt es im Bericht.

Ursachen für den Zerfall der Weltordnung

Dutzende von Risiken, deren Eintreten in den kommenden zehn Jahren von Vertretern aus Politik, Wirtschaft und sogar Journalismus erwartet wird, haben eine gemeinsame Grundlage. Zahadiová und ihr Analyseteam haben vier „strukturelle Kräfte“ definiert, also stabile Bedingungen, die die Entwicklung dieser Krisen beeinflussen.

Diese sollen laut dem Forum „weiter konvergieren und sich beschleunigen“, so dass ihre Überschneidung immer deutlicher hervortreten. Bereits im Bericht über globale Risiken aus dem Jahr 2024 hatte man einst vier solcher Kräfte definiert: die technologische Beschleunigung, geostrategische Veränderungen, den Klimawandel und die demografische Bifurkation (Aufspaltung/Zersplitterung).

Die Beschleunigung der technologischen Entwicklung und ihre Kehrseiten werden gar als eigenständiges Risiko im Sinne einer „unerwünschten Entwicklung der KI” aufgeführt. Veränderungen im Machtgleichgewicht zwischen den neuen globalen Supermächten sind ebenso vorhersehbar wie die Fortsetzung der Umweltverschmutzung oder der Entwaldung. Erklärungsbedürftig erscheint, was das WEF unter „demografischer Bifurkation“ verseht, ein Begriff, der in der Mathematik angesiedelt ist und dort einen Prozess beschreibt, bei dem sich ein System immer weiter aufspaltet, nachdem es sich zunächst in zwei Teile teilt, zwischen zwei Polen springt oder auch in chaotisches Verhalten verfällt, wenn ein Parameter des Prozesses verändert wird. Bei der Demografie handelt es sich jedoch um ein messbareres Problem, bei dem auf der einen Seite Staaten mit einer alternden Bevölkerung stehen, während auf der anderen Seite diejenigen stehen, deren Bevölkerungswachstum sich beschleunigt.

Diese Entwicklung gefährdet die Sozialsysteme, da diese im Sinne von Generationenverträgen zum eigenen Bestand Nachwuchs brauchen, der die Generation der Alten absichert. Demgrafisches Wachstum hingegen führt verstärkt zu Migration, in diesem Fall auf der Suche nach Arbeitsmöglichkeiten und in der Folge zum Zerfall des sozialen Zusammenhalts und zu wachsendem Misstrauen in der Gesellschaft.

Die Auswirkungen der sich vergrößernden demografischen Schere werden sich somit in einer Beschleunigung der Migration niederschlagen, wodurch insbesondere in Europa und Nordamerika die Gefahr besteht, dass die einheimische Bevölkerung zunehmend ersetzt wird. Jedes Land ist im Grunde genommen ein System, das für sein Funktionieren eine stabile Einwohnerzahl benötigt – daher werden die Staaten des globalen Nordens letztendlich für eine systematische Migration offen sein, solange sie keine Lösung finden, aus eigener Kraft ihren Bevökerungsstand zu reproduzieren.

All diese strukturellen Kräfte manifestieren sich auf unterschiedliche Weise und diese Manifestationen werden vom Weltforum als eigenständige „Risiken” verstanden, die im ersten Kapitel des Berichts definiert sind.

Die großen Sechs

Neben der Beschreibung dieser strukturellen Kräfte, die in den nächsten zehn Jahren weltweit präsent sein werden, hat das Forum die oben genannten Risiken auf recht originelle Weise untersucht. Es hat nämlich mehrere Risiken nach ihren inneren Zusammenhängen in eine kleine Anzahl von Kategorien eingeordnet, die es in ihrer Gesamtheit zu beschreiben versucht.

Das WEF bereitet sich daher auf sechs Risiken vor, denen alle globalen Akteure im kommenden Jahrzehnt gegenüberstehen werden. Dabei handelt es sich um Multipolarität ohne Multilateralismus, Werte im Krieg, wirtschaftliche Abrechnung, gefährdete Infrastruktur, Quantensprünge und KI als Ganzes.

WEF Global Risks Report 2026, Screenshot Report
WEF Global Risks Report 2026; Foto: WEF Report

Die Entstehung neuer geopolitischer Blöcke wird demnach zu einem „Verfall der regelbasierten internationalen Ordnung” führen, was laut dem Forum zu einer Zunahme grenzüberschreitender Konflikte oder Handelskriege führen wird. Dies werde die Aufmerksamkeit der politischen Entscheidungsträger von den „globalen Herausforderungen“ ablenken. Eine multipolare Welt ohne Zusammenarbeit, beispielsweise in Form der UNO, wird demnach nicht in der Lage sein, auf Krisen zu reagieren, die durch den „Klimawandel“ oder „unerwünschte Auswirkungen“ der künstlichen Intelligenz verursacht werden.

Die gesellschaftliche Polarisierung wird den Konflikt zwischen den Blöcken auf die normale zwischenmenschliche Ebene übertragen, wobei die Menschen sich bei Themen wie „Amerikanismus“, „Russophilie“, „grüne Transformation“ oder der Zuzug von Migranten und ihre soziale Inklusion wie auf Barrikaden gegenüberstehen werden.

Wirtschaft und Versorgungssicherheit

Dieser zunehmende innergesellschaftliche Konflikt wird auch durch die Krise angeheizt, die das Forum mit dem Begriff „wirtschaftliche Abrechnung“ bezeichnet hat. Leben auf Kredit, wachsende Defizite der wirtschaftlich entwickelten Länder und die allgegenwärtige Gefahr des Platzens von Blasen wie im Jahr 2008 werden Probleme sein, mit denen alle im kommenden Jahrzehnt konfrontiert sein werden.

Die Krise wird auch die „veraltete“ Infrastruktur nicht verschonen, die in den entwickelten Ländern als selbstverständlich angesehen wird. Auch wenn die meisten westlichen Länder weiterhin Strom aus der Steckdose und Wasser und Gas aus den Leitungen haben, ist dies keine Selbstverständlichkeit – die Staats- und Regierungschefs müssen sich daher auch auf so banale Dinge wie die Instandhaltung der Versorgungsnetze konzentrieren.

Ein besonderes Kapitel im Bereich der Infrastruktur ist auch die Tatsache, dass diese immer häufiger zur Zielscheibe militärischer Aktionen wird, wie man am Krieg in der Ukraine sehen kann aber auch durch die kürzlichen Anschläge linksradikaler Gruppen auf das Stromnetz von Berlin. Gerade die Ukrainer sind seit Beginn des Krieges im Jahr 2022 einem der härtesten Winter ausgesetzt, wobei sie bereits im Herbst 2025 Stromausfälle von bis zu 20 Stunden pro Tag verzeichneten.

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Der Abschnitt „Quantensprünge” befasst sich mit den Gefahren, die sich aus der immer schnelleren Entwicklung der künstlichen Intelligenz und verwandter Technologien ergeben, was „die Risiken für die Kryptografie potenziell verändert” und gleichzeitig „die wirtschaftlichen und handelspolitischen Ungleichgewichte verstärkt”.

KI als Ganzes stellt laut WEF Bericht allein schon deshalb ein Risiko dar, weil ihr „Einsatz auf den Arbeitsmärkten“ eine Gefahr für die Beschäftigung darstellt, obwohl diese Technologie auch das Risiko einer sogenannten Fehlausrichtung mit sich bringt.

Diese Fehlausrichtung oder Diskrepanz ist ein Zustand, in dem ein KI-Modell andere Ergebnisse generiert als von den menschlichen Mitarbeitern gefordert. Damit verbunden ist ein bekanntes Gedankenexperiment, in dem „die größte Bedrohung für die Menschheit die Menschheit selbst" sei - ein Szenario dass sonst in Hollywod-Filmen wie "Terminator" abgearbeitet wird.

Trump Zölle als Endgegner des Welthandels

Bereits im ersten Thema ist eine Art Seitenhieb auf Donald Trump zu erkennen. „Im schlimmsten Fall könnten Regierungen nicht nur gegen die Länder oder Blöcke, die ihnen Zölle auferlegt haben, sondern gegen alle Handelspartner Zölle verhängen“, schreibt das Forum. Damit spielt der Bericht wenig subtil auf Trumps damaligen „Liberation Day“ an, an dem er im April 2025 „reziproke“ Zölle gegen die meisten Länder der Welt verhängt hatte. Solche pauschalen Zölle würden weltweit zu einem erheblichen Rückgang des Welthandels führen, warnt nun das WEF.

Die Zölle seien jedoch nur der Anfang einer „geoökonomischen Konfrontation“. Ein wichtiger Faktor für den Vertrauensverlust in den Welthandel ist auch die Schwächung der Welthandelsorganisation, die nach Ansicht der Amerikaner im Interesse Chinas arbeitet und deren Berufungsinstanz seit 2019 nicht mehr funktionsfähig ist.

„Gleichzeitig setzen die G20-Länder zunehmend Investitionskontrollpolitiken um. Im Vergleich zu den Vorjahren sind sie eher durch Überlegungen zur strategischen Neuausrichtung und zur nationalen Sicherheit motiviert“, stellt das Forum fest. Die neuen Supermächte, also die USA und China, könnten kleinere Staaten durch ein System von Sanktionen, wie es der Westen gegenüber Russland anwendet, zur „Gehorsamkeit“ zwingen.

„Die Zahl der Branchen, die als ‚strategisch‘ für die nationale Sicherheit gelten und von Sanktionen wie Exportkontrollen und Investitionsverboten betroffen sind, steigt“, warnt das Forum und fügt hinzu, dass zu diesen Branchen bereits „künstliche Intelligenz, Chips, Biotechnologie, Quantentechnologie, Drohnen und Seltene Erden“ gehören.

Trump wird auf diese umfangreiche Aufzählung vermeintlicher Risiken, reagieren müssen, die man zum Teil ihm und seiner Regierungspraxis zuschreibt. Von geschickt versteckter Kritik an Zöllen und Sanktionen bis hin zur Förderung der gesellschaftlichen Polarisierung sind es vor allem er und seine großen geopolitischen Gegner, die sich von der vermeintlichen Schuldzuweisung für diese Krisen distanzieren sollten. Vielleicht wird er der Welt aber auch erklären, warum sie für seine Wähler von Vorteil sind.