BlackRock, Trump und die ruhelosen Finanzmärkte

Der US-Präsident bewegt die Märkte auch am Wochenende – mit Zöllen, Grönland und einem nervösen Europa. Während der alte Kontinent schwächelt, dominieren amerikanische Banken, allen voran BlackRock.

Händler arbeiten auf dem Parkett der New Yorker Börse. Foto: Spencer Platt/Getty Images

Händler arbeiten auf dem Parkett der New Yorker Börse. Foto: Spencer Platt/Getty Images

Donald Trump bleibt der wichtigste Einflussfaktor für die jüngsten Entwicklungen an den Finanzmärkten. Der US-Präsident geht inzwischen so weit, dass er die Börsen selbst an Wochenenden bewegt, wenn sie geschlossen sind. Viele Marktteilnehmer hatten erwartet, dass er die Wochenendpause für eine Intervention im Iran nutzen würde. Das ist jedoch nicht geschehen.

Trump richtete seine Aufmerksamkeit, wie es seine Art ist, auf Grönland, genauer gesagt auf die Entsendung einiger Soldaten auf die arktische Insel. Ihre Zahl war zu gering, um die Sicherheitslage in irgendeiner Weise zu beeinflussen. Es war eine rein symbolische Geste.

Der Chef des Weißen Hauses ließ sich die Gelegenheit jedoch nicht entgehen und kündigte zusätzlich an, dass für alle an der Militärmission beteiligten Länder ab dem 1. Februar zehnprozentige Zölle gelten sollen, die im Sommer weiter steigen könnten. Ein niederländischer Soldat auf grönländischem Grrund kommt die Niederlande damit teuer zu stehen.

Die unmittelbare Reaktion Europas

Die Aufforderung zeigte fast sofort Wirkung. 15 deutsche Soldaten kehrten umgehend mit einem Zivilflug nach Hause zurück. Die Kampfbereitschaft Europas währte also nur kurz. Es bleibt abzuwarten, ob Donald Trump die Geste berücksichtigt und Deutschland neue Verpflichtungen erlässt.

Die Märkte glauben derweil nicht, dass der Rückzug den amerikanischen Präsidenten milder stimmen könnte. Sowohl der deutsche als auch der französische Index sind am Montagmorgen deutlich gefallen.

Anstieg des Aktienkurses von LVMH im letzten Monat; (Quelle: TradingView)

Der französische Markt befindet sich jedoch in einer viel schlechteren Lage, da die Einführung von Zöllen vor allem Unternehmen im Luxusgütersektor gefährden würde. Das bedeutende Unternehmen LVMH verlor im Laufe des Tages mehr als drei Prozent. Für LVMH ist der amerikanische Markt von entscheidender Bedeutung, da die Nachfrage aus China seit mehreren Quartalen stagniert.

Angesichts der aktuellen politischen Lage in Frankreich würde eine Verschlechterung der wirtschaftlichen Situation und damit geringere Steuereinnahmen und ein anschließender Anstieg des öffentlichen Defizits automatisch eine neue Regierungskrise bedeuten. Aus wirtschaftlicher Sicht haben die Vereinigten Staaten derzeit die Oberhand.

Ergebnissaison und die Dominanz amerikanischer Banken

Die Dominanz der USA wurde letzte Woche vor allem durch amerikanische Investmentbanken bestätigt, allen voran BlackRock. In den USA begann zu dieser Zeit die Berichtssaison, die seit einigen Jahren traditionell von amerikanischen Banken eröffnet wird. Da jedoch Donald Trump die gesamte Aufmerksamkeit der Medien auf sich zog, war das Interesse der Anleger minimal.

Trump störte zudem die Pressekonferenzen der amerikanischen Banken, als er ankündigte, die Zinssätze für Kreditkarten auf zehn Prozent begrenzen zu wollen. Das dürfte bei keiner traditionellen Bank auf Begeisterung gestoßen sein.

Die Ergebnisse klassischer Banken wie JPMorgan, Citigroup und Wells Fargo fielen für das Gesamtjahr 2025 sehr positiv aus. Dennoch wies jedes Institut auf einzelne Probleme hin.

Citigroup muss Vermögenswerte im Zusammenhang mit Russland in Höhe von mehr als einer Milliarde Dollar abschreiben. Wells Fargo kämpft mit sinkenden Margen. Für sich genommen waren das keine gravierenden Probleme, doch in einem volatilen Umfeld reichten sie aus, um einen Ausverkauf der Aktien auszulösen. Zeitweise sah es nach einem größeren Debakel aus.

Die Kursentwicklung von BlackRock im letzten Monat; (Quelle: TradingView)

BlackRock veränderte die Lage jedoch grundlegend. Zwar ging der Nettogewinn im vierten Quartal um 33 Prozent auf 1,13 Milliarden Dollar zurück, doch übertraf der Gewinn je Aktie mit 13,16 Dollar deutlich die Analystenschätzungen von 12,24 Dollar.

Das Unternehmen konnte es sich damit leisten, die vierteljährliche Dividende um zehn Prozent zu erhöhen. Die Aktien von BlackRock reagierten auf die Ergebnisse mit einem Plus von 5,9 Prozent. Der Kurssprung zog anschließend den gesamten Bankensektor nach oben.

Zwei Hauptgründe für das Wachstum von BlackRock

Die Aktien von BlackRock stiegen vor allem aus zwei Gründen. Der erste war das Überschreiten der Marke von 14 Billionen Dollar an verwaltetem Vermögen. Die Popularität von ETFs, börsengehandelten Indexfonds, ist weltweit enorm, und das Interesse daran scheint nicht nachzulassen.

Darüber hinaus verzeichnete BlackRock im vierten Quartal einen Nettokapitalzufluss von 342 Milliarden Dollar und übertraf damit die Erwartungen von 311,6 Milliarden Dollar. Für die Aktionäre des Unternehmens ist das eine hervorragende Nachricht, für einen größeren Kreis von Anlegern muss es jedoch nicht unbedingt positiv sein.

Die übermäßige Nutzung von ETFs als einfacher Weg zum Investieren birgt Risiken. ETFs verwandeln sich unauffällig von einem Diversifizierungsinstrument in einen Mechanismus kollektiver Bewegungen, der bei steigenden Kursen gut funktioniert, aber versagen kann, wenn der Markt unter Druck gerät.

Ein weiterer Grund waren die hervorragenden Ergebnisse von Aladdin, einer speziellen Plattform, die künstliche Intelligenz nutzt und von BlackRock zur Überwachung von Risiken auf den Märkten eingesetzt wird. Der Algorithmus wird bald in der Lage sein, auch Finanzanlagen zu analysieren, die außerhalb der börsennotierten Märkte gehandelt werden.

Aladdin dient jedoch nicht nur dem Unternehmen als internes Anlageinstrument und Quelle von Know-how, sondern steht auch anderen Finanzinstituten zur Verfügung. Die Plattform spart damit nicht nur Kosten und minimiert Risiken, sondern verbessert zugleich die wirtschaftlichen Ergebnisse.

Die organische Aktivität der KI generierte im vierten Quartal 2025 rund 466 Millionen Dollar. Im Jahresvergleich stieg der Betrag um mehr als 103 Millionen Dollar.

Für Aladdin gilt jedoch das gleiche Problem wie für ETFs: Wenn alle großen Akteure beginnen, dem Algorithmus zu folgen und das Risiko nach den gleichen Modellen zu steuern, besteht die Gefahr, dass der Markt die Vielfalt der Einschätzungen verliert und sich in Krisenzeiten extrem synchron verhält.

Eine spannende Woche an den Märkten

Neben den Ereignissen im Weißen Haus können Anleger vor allem die Entwicklung der Gold- und Silberpreise beobachten. Am Montagmorgen näherte sich der Goldpreis bereits deutlich der Marke von 4.700 Dollar je Unze. Silber hielt sich über dem Niveau von 93 Dollar.

Der geopolitische Kontext treibt die Preise der Metalle nach oben. Doch warum sollten sie in den nächsten Tagen genauer beobachtet werden als im übrigen Jahr? Silber legt derzeit besonders stark zu und könnte in den kommenden Tagen ein neues Hoch erreichen. Das wäre ein wichtiger Moment für die Märkte.

Entweder kommt es zu Gewinnmitnahmen und einer moderaten Korrektur um zehn bis 20 Prozent mit anschließender Rückkehr zum Wachstum, was auf eine anhaltend starke Nachfrage hindeuten würde, oder der Silberpreis fällt weiter und kehrt in den Bereich von 50 bis 60 Dollar zurück.

Das würde bedeuten, dass vor allem spekulatives Kapital in Silber geflossen ist. Sollte diese Entwicklung eintreten, könnte das eine gute Nachricht für Bitcoin und andere Kryptowährungen sein, die in der Regel spekulatives Kapital anziehen.

Entwicklung des Silberpreises im letzten Jahr; (Quelle: TradingView)

Was die Berichtssaison in den USA betrifft, werden Investoren vor allem Netflix genau beobachten. Die Zahl der Abonnenten gilt als wichtiger Indikator für das Umsatzwachstum und die Fähigkeit des Unternehmens, seine dominante Marktposition zu behaupten. Zudem steht Netflix wegen der geplanten Übernahme von Warner Bros. Discovery im Blickpunkt. Das Vorhaben könnte die Machtverhältnisse in der Medien- und Streaming-Branche erheblich verschieben.

Das Geschäft im Wert von mehreren zehn Milliarden Dollar muss noch von den Kartellbehörden genehmigt werden und zählt zu den größten offenen Transaktionen am Markt.