Spanien steht nach dem Zugunglück unter Schock - auch Deutsche unter den Opfern

Tiefer Trauer in Spanien: Bei einem folgenschweren Zusammenstoß zweier Hochgeschwindigkeitszüge im Süden des Landes kamen mindestens 40 Menschen ums Leben. Die Ursache bleibt bislang ungeklärt.

Entsetzen nach dem Zugunglück in Spanien Foto:  Rocio Ruz/Europa Press via Getty Images

Entsetzen nach dem Zugunglück in Spanien Foto: Rocio Ruz/Europa Press via Getty Images

Madrid/Adamuz. Die Eisenbahn-Katastrophe von Spanien hat nicht nur landesweit Entsetzen ausgelöst. Auch in ganz Europa sorgt das Ausmaß des Zugsunglücks für Bestürzung. Nach Angaben des Auswärtigen Amtes sind unter den mindestens 40 Todesopfern auch mehrere deutsche Staatsbürger. Wie viele genau, ist weiterhin unklar, da ihre Identifizierung noch nicht abgeschlossen ist.

Das Unglück ereignete sich am Sonntagabend nahe der Ortschaft Adamuz in der andalusischen Provinz Córdoba. Nach bisherigen Erkenntnissen entgleisten gegen 19.40 Uhr mehrere hintere Waggons eines Hochgeschwindigkeitszugs des privaten Betreibers Iryo, der mehrheitlich zur italienischen Trenitalia gehört. Der Zug war mit über 300 Fahrgästen von Málaga nach Madrid unterwegs. Durch die Entgleisung gerieten die Waggons auf das benachbarte Gleis – genau in dem Moment, als ein Hochgeschwindigkeitszug der staatlichen Bahngesellschaft Renfe mit rund 200 Passagieren entgegenkam.

Der anschließende Zusammenstoß hatte verheerende Folgen. Mehrere Wagen wurden aus den Schienen gerissen, zwei von ihnen stürzten eine rund vier Meter hohe Böschung hinunter und wurden nahezu vollständig zerstört. Rettungskräfte beschrieben die Unglücksstelle als schwer zugängliches Trümmerfeld aus verbogenem Metall, was die Bergung der Opfer und die Versorgung der Verletzten erheblich erschwerte.

Retter beim Zugunglück in Spanien Foto: Francisco J. Olmo/Europa Press via Getty Images
Rettungskräfte im Einsatz bei Adamuz. Foto: Francisco J. Olmo/Europa Press via Getty Images

Spaniens Verkehrsminister Óscar Puente sprach von einer enormen Aufprallwucht. Der andalusische Regionalpräsident Juanma Moreno zeigte sich tief erschüttert. Zunächst schloss er nicht aus, dass unter den zerstörten Waggons weitere Opfer entdeckt werden könnten. Später erklärte er jedoch, dass die Zahl der bestätigten Todesfälle mit den eingegangenen Vermisstenmeldungen übereinstimme.

Besonders tragisch sind die Schicksale, die sich hinter den Opferzahlen verbergen: Spanische Medien berichten von einer Familie aus Punta Umbría, die im Unglückszug unterwegs war. Vater, Mutter, ein Sohn, eine Tochter sowie ein Neffe kamen ums Leben. Nur ein sechsjähriges Mädchen überlebte den Unfall – sie verlor Eltern und Geschwister innerhalb weniger Sekunden.

39 Schwerverletzte noch in den Krankenhäusern

Auch das Leid der Verletzten ist groß: Am Dienstagmorgen befanden sich noch 39 Menschen in stationärer Behandlung, zwölf von ihnen auf Intensivstationen. Laut dem andalusischen Notdienst sind inzwischen alle außer Lebensgefahr. Augenzeugenberichte zeichnen ein Bild des Chaos: Vollkommene Dunkelheit nach dem Zusammenprall, umherfliegendes Gepäck, panische Schreie und Verletzte, die zwischen Trümmern um Hilfe riefen. Mehrere Überlebende beschrieben den Moment des Aufpralls als ein Gefühl, das einem Erdbeben geglichen habe.

Ministerpräsident Pedro Sánchez reagierte auf die Tragödie mit der Ausrufung einer dreitägigen Staatstrauer. Auch das spanische Königshaus meldete sich zu Wort: König Felipe VI. und Königin Letizia bekundeten den Angehörigen der Opfer ihr Mitgefühl und kündigten an, ihre Auslandsreise vorzeitig zu beenden, um persönlich Anteil zu nehmen.

Aus dem Ausland trafen zahlreiche Beileidsbekundungen ein, darunter von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sowie von der deutschen Bundesregierung.

Der Zugverkehr auf der wichtigen Strecke zwischen Madrid und Andalusien bleibt auf unbestimmte Zeit unterbrochen. Währenddessen haben Ermittler ihre Arbeit aufgenommen. Erste Medienberichte sprechen von einem möglichen technischen Defekt an einer Weiche, doch offizielle Ergebnisse werden frühestens in Wochen oder Monaten erwartet.