Statistik Austria präsentiert "Preisradar" als Inflations-Barometer

Der Wille zum Gegensteuern ist jedenfalls da: Nach der Bundesregierung startet nun auch die Statistik Austria eine Initiative gegen die belastende Teuerung.

Finanzminister Markus Marterbauer (SPÖ), Staatssekretär Sepp Schellhorn (NEOS). Foto: Max Slovencik/APA-Images/APA

Finanzminister Markus Marterbauer (SPÖ), Staatssekretär Sepp Schellhorn (NEOS). Foto: Max Slovencik/APA-Images/APA

Wien. Mit dem neuen „Preisradar“ für Lebensmittel hat die Statistik Austria einen Schritt in Richtung größerer Transparenz im heimischen Lebensmittelmarkt gesetzt. Zeitgleich wird aber weiter über den Warenkorb debattiert, für dessen Produkte die Mehrwertsteuer gesenkt werden soll.

Mit dem nun präsentierten "Preisradar" werden Preisunterschiede nicht nur auf Ebene der Endverbraucher sichtbar, sondern auch entlang der gesamten Wertschöpfungskette – vom Produzenten über den Großhandel bis hin zum Einzelhandel. Damit sollen strukturelle Preistreiber klarer erkennbar werden und eine faktenbasierte Grundlage für politische Eingriffe entstehen.

Das neue Instrument setzt eine Maßnahme um, die bereits im vergangenen September von der Bundesregierung eingefordert worden war. Ziel ist es, die Ursachen von Preissteigerungen präziser zu analysieren und internationale Vergleiche zu ermöglichen. In Kombination mit verstärkten Kontrolltätigkeiten und einer engeren Zusammenarbeit mit der Bundeswettbewerbsbehörde soll der Preisradar dazu beitragen, übermäßige Margen und mögliche Wettbewerbsverzerrungen rascher zu erkennen. Die Regierung sieht darin ein zentrales Element ihrer Strategie zur Eindämmung der Inflation, insbesondere im sensiblen Bereich der Lebensmittelpreise.

Finanzminister Markus Marterbauer betonte bei der Präsentation, dass die hohe Inflation der vergangenen Jahre auch auf politische Zurückhaltung bei Preiseingriffen zurückzuführen sei. Die aktuelle Regierung setze hingegen bewusst auf gezielte und strategische Maßnahmen. Eingriffe bei Mieten, Strompreisen und Grundnahrungsmitteln seien notwendig gewesen, um Haushalte spürbar zu entlasten. Transparenz spiele dabei eine Schlüsselrolle: Nur wenn Preisentwicklungen nachvollziehbar seien, könnten Ursachen identifiziert und rechtzeitig Gegenmaßnahmen ergriffen werden. Der neue Preisradar sei daher ein wichtiger Baustein, um Vertrauen zu schaffen und Preisdynamiken besser zu steuern.

Wie von statement.at aus der aktuellen Studie der Meinungsforscher von tfactory zitiert, bereitet die Teuerung den jungen Menschen in Österreich (16 bis 29 Jahre) die größten Sorgen.

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3,6 Prozent Inflation im Jahr 2025

Den Grund für diese Initiative liefert die weiterhin angespannte Inflationslage: Nach aktuellen Berechnungen der Statistik Austria lag die Jahresinflation 2025 bei 3,6 Prozent. Damit bleibt der Preisdruck zwar unter früheren Höchstständen, ist jedoch weiterhin deutlich spürbar. Die Bundesregierung zeigt sich dennoch zuversichtlich. Mit den nun gesetzten Maßnahmen, einer konsequenten Marktbeobachtung und einem wachsamen Blick auf internationale Risiken soll es gelingen, die Teuerung im Jahr 2026 deutlich zu senken.

Der Preisradar gilt dabei als langfristiges Instrument. Seine Wirkung wird sich nicht über Nacht entfalten, sondern schrittweise. Doch die Erwartung ist klar: Mehr Transparenz soll nicht nur das Vertrauen der Bevölkerung stärken, sondern auch den politischen Handlungsspielraum erweitern. In Zeiten hoher Preise und sensibler Märkte könnte genau diese Kombination aus Daten, Kontrolle und gezielten Eingriffen entscheidend sein, um die Inflation nachhaltig zu bremsen.

Kommunikationschaos bei der Preisbremse

Bei einem anderen Versuch, die Teuerung in den Griff zu bekommen, hat die Bundesregierung wesentlich mehr Probleme: Nun hat sich herausgestellt, dass Vizekanzler Andreas Babler die von ihm präsentierte Produktpalette mit den ab 1. Juli vergünstigten Waren gar nicht mit den anderen Koalitionsparteien abgesprochen hat. Mit der ÖVP und den NEOS war also nie abgestimmt, was Babler auf dieser Liste präsentierte. "Die Liste ist nicht akkordiert", sagte Staatssekretär Sepp Schellhorn (NEOS) bei einer Pressekonferenz mit seinen Amtskolleginnen Ulrike Königsberger-Ludwig (SPÖ) und Barbara Eibinger-Miedl (ÖVP). Eibinger-Miedl bestätigte dazu: "Wir stehen am Beginn der Verhandlungen." Auch Österreichs Bauern wollen die Waren-Liste von Babler so nicht akzeptieren: "Wenn man sich entscheidet, die Mehrwertsteuer auf Grundnahrungsmittel zu senken, gehört österreichisches Fleisch selbstverständlich dazu", sagte Bauernbund-Präsident Georg Strasser gegenüber Heute.

Die FPÖ kommentierte prompt das Chaos in der Kommunikation der Koalition. FPÖ-Generalsekretär Michael Schnedlitz: "Die mit Steuergeld finanzierten Dilettanten und Streithanseln auf der Regierungsbank können sich nicht einmal auf eine Einkaufsliste einigen."