Wien. 793 Millionen Euro Jahresumsatz, 99,4 Millionen Euro Bilanzgewinn, 3.809 Mitarbeiter - die Wien Holding mit ihren 75 Unternehmen ist eine der wichtigsten Finanzierungsmaschinen der Stadt Wien. Jetzt verlässt der seit 2018 tätige Geschäftsführer das Unternehmen.
Im Maschinenraum der von SPÖ und NEOS regierten Bundeshauptstadt dürfte aktuell nicht alles rund laufen: In einer für das rote Wien unüblichen Vorgangsweise wurde die einvernehmliche Beendigung des Vertrags mit Kurt Gollowitzer über den Presseaussendungsdienst OTS kommuniziert. Der bekannte Präsident des Fußballklubs Austria wird die Wien Holding verlassen. Eine offizielle Begründung fehlt. Die für die Wien Holding zuständige Finanzstadträtin Barbara Novak kommentierte den Abgang nur knapp: "Für seinen weiteren beruflichen Weg wünsche ich Kurt Gollowitzer alles Gute und viel Erfolg."
Belastung durch Doppelrolle?
Der Geschäftsführer der Wien Holding zu sein, sei wirklich nicht wenig, sagt ein langjähriger Rathaus-Insider zum Wechsel an der Spitze des Wiener Konzerns. „Ich vermute, dass es da schon eine gute Zukunftsperspektive für Kurt Gollowitzer gibt.“
Ein Landtagsabgeordneter mit gutem Einblick in die Wien Holding sagte zu Statement, zur Ablöse Gollowitzers sei „kein großer Vorfall“ als Auslöser bekannt. Es sei vielmehr keine besonders gute öffentliche Wirkung gewesen, dass der Austria-Präsident als Holding-Chef zugleich Geschäftsführer eines der größten Sponsoren des Fußballklubs gewesen sei. „Außerdem gab es Schwierigkeiten bei manchen Projekten der Wien Holding.“ Gollowitzer, der vom jetzigen Bundesminister Peter Hanke in die Geschäftsführung der Holding geholt worden sei, habe zu Hanke „einen besseren Draht gehabt als zur jetzigen Finanzstadträtin“.
Zu wenige Gewinne für die Stadt?
Ein weiterer möglicher Grund für die Vertragsbeendigung mit Kurt Gollowitzer wird hinter vorgehaltener Hand genannt: Die Wiener Stadtregierung braucht für ihre Sozialpolitik und Mindestsicherungsausgaben dringend Geld. Es könnte durchaus sein, dass mehr finanzielle Mittel aus der 100-Prozent-Tochter Wien Holding erwartet worden sind.
Die Funktion des zweiten Geschäftsführers in der Wien Holding soll in den kommenden Tagen ausgeschrieben werden. Bis zur Bestellung der Nachfolge von Gollowitzer übernimmt Oliver Stribl in seiner Funktion als weiterer Geschäftsführer alle Geschäftsbereiche.
Stribl kam 2022 als Geschäftsführer in die Wien Holding. Zuvor war er Geschäftsführer der Medienbehörde RTR. Stribl schloss ein Studium der Politikwissenschaft an der Universität Wien mit Nebenfach Publizistik- und Kommunikationswissenschaft ab. Von 2006 bis 2015 war er beim Presse- und Informationsdienst der Stadt Wien (PID) beschäftigt, zunächst als Projektleiter für Kundenbeziehungsmanagement, ab 2009 als Leiter des Landesmediendienstes und ab 2011 als Abteilungsleiter des PID. 2015 wechselte Stribl als Geschäftsführer zur Manstein Verlag GmbH, danach zur RTR.

Vom Donauturm über Medien bis zum Theater an der Wien
Die Wien Holding GmbH ist eine 100-prozentige Tochter der Stadt Wien und fungiert als Holdinggesellschaft für zahlreiche städtische Unternehmen in Bereichen wie Immobilien, Logistik, Kultur, Sport und Digitales. Sie verwaltet ein breites Portfolio an Beteiligungen und ist ein zentraler Motor für die wirtschaftliche Entwicklung Wiens.
Zu den insgesamt 75 Unternehmen der Wien Holding zählen unter anderem die ARWAG Bauträger Gesellschaft m.b.H., die DONAUTURM Liegenschaftsverwaltungsgesellschaft m.b.H., die WSE Wiener Standortentwicklung GmbH, die DDSG Blue Danube Schifffahrt GmbH, die Hafen Wien GmbH, das Jüdische Museum der Stadt Wien, die KunstHausWien GmbH, die Mozarthaus Vienna Errichtungs- und Betriebs GmbH, die Therme Wien, die Wiener Stadthalle Betriebs- und Veranstaltungsges.m.b.H., die Wiener Messe und Congress GmbH (VIECON Messe Wien), die WH Media GmbH, die R9 Regional TV Austria GmbH sowie T-Mobile Austria GmbH.
Im Geschäftsbericht der Wien Holding werden die Gesamtgehälter einschließlich Sozialaufwendungen für den gesamten Konzern mit etwa 140 Millionen Euro ausgewiesen, die Bezüge der Geschäftsführer sollen angeblich höher als jene des Bürgermeisters sein.