Sankt Petersburg. Ende 2024 berichtete Statement über die Entscheidung des Bezirksgerichts Kirov in Sankt Petersburg, der minderjährigen Jeva Bagrowa, die wegen Befürwortung von Terrorismus angeklagt war, keinen Hausarrest zu gewähren. Aufgrund der Gerichtsentscheidung verbrachte sie damals zwei Monate in Untersuchungshaft.
Der Anwalt der Schülerin, Dmitrij Arevkin, teilte dem russischsprachigen Exilportal Viorstka nun mit, dass das Westliche Militärgericht Jeva Bagrowa bereits im Oktober vergangenen Jahres wegen Billigung von Terrorismus und Unterstützung terroristischer Aktivitäten zu vier Jahren Haft in einer Strafkolonie verurteilt habe. Die Verteidigung habe beim Berufungsgericht Einspruch eingelegt.
Unterdessen wurde bekannt, dass seit Beginn der Invasion in der Ukraine bereits 158 Kinder im Alter zwischen 14 und 17 Jahren in Russland und auf der besetzten Krim wegen vermeintlicher terroristischer Aktivitäten verurteilt worden sind.

"Befürwortung von Terrorismus"
Die Schülerin hatte im Jahr 2024 an die Pinnwand einer Schule in St. Petersburg Fotos von zwei Russen gehängt, die sie als verdiente Helden Russlands betrachtet. Beide sind Mitglieder des Russischen Freiwilligenkorps (RDK), das in der Ukraine kämpft. Einer von ihnen ist Denis Nikitin, der eigentlich Denis Jewgenjewitsch Kapustin heißt und auch unter dem Namen White Rex bekannt ist. Er gilt als rechtsextreme Szenegröße und ist Gründer sowie Kommandeur des RDK. Auf dem zweiten Bild ist Alexei Lovkin zu sehen, ein Mitglied des von Nikitin gegründeten Korps.
Beide kämpfen im Rahmen der Einheit auf der Seite der ukrainischen Streitkräfte gegen die Truppen der Russischen Föderation. Der Kreml hat die Organisation als terroristisch eingestuft. Ihr Gründer Denis Nikitin wurde zweimal in Abwesenheit zu lebenslanger Haft verurteilt.
Eine kurze Meldung über die Fotos an der Schulwandtafel erschien nach der Berichterstattung in den Medien auf einem der Telegram-Kanäle des RDK. Sie war mit dem Kommentar versehen: „In der Schule wird nichts Böses gelehrt.“
Die Strafverfolgungsbehörden stellten fest, dass die Fotos mehrere Tage lang in der Schule gehangen hatten. Zunächst wurde die stellvertretende Direktorin festgenommen, die für die Erziehungsarbeit an der Schule verantwortlich war. Da sie die Verantwortung ablehnte, nahmen die Sicherheitskräfte in der Nacht vom 27. auf den 28. Dezember 2024 dann Jeva Bagrowa fest, die am nächsten Tag vom Gericht für zwei Monate in Untersuchungshaft genommen wurde.

Die nächste Verhandlung findet vor dem Berufungsgericht für Militärangelegenheiten statt. Laut Jeva Bagrowas Verteidiger Arevkin wird ein anderer Anwalt die Angeklagte vertreten.
Bereits 158 Kinder und Jugendliche verurteilt
Das russische Exilmagazin Viorstka hat auf der Grundlage von Daten der Justizabteilung des Obersten Gerichtshofs der Russischen Föderation berechnet, dass seit Beginn der Invasion in der Ukraine mehr als 158 Kinder im Alter von 14 bis 17 Jahren in Russland und auf der besetzten Krim wegen terroristischer Handlungen, Unterstützung des Terrorismus, Beteiligung an Aktivitäten terroristischer Organisationen, Aufrufen zum Terrorismus und Sabotage verurteilt worden sind.
Wegen Terrorismus, das heißt auf der Grundlage der Paragraphen 205 und 205.1 bis 205.5 des Strafgesetzbuches, entfielen im Jahr 2024 mit 41 Fällen die meisten Urteile gegen Kinder. Wegen Sabotage, ein Tatbestand der Ende 2022 in den Paragraphen 281.1 bis 281.3 des Strafgesetzbuches definiert wurde, gab es bisher 27 Urteile gegen Minderjährige.
Viorstka weist darauf hin, dass die Daten keine Gerichtsentscheidungen aus den besetzten Teilen der Regionen Luhansk, Donezk, Saporischschja und Cherson enthalten.
Zudem erinnert das Magazin daran, dass der Kreml am 28. Dezember 2024, dem Tag von Bagrowas erster Festnahme, eine Reihe von Organisationen und Symbolen zusätzlich als terroristisch eingestuft hat. Darunter waren das regionale Medium Komi Daily, das sich mit der Kultur des Komi-Volkes befasst, sowie die Verwendung des Namens der Republik Karelien in der karelischen Sprache und in anderen lokalen Dialekten, etwa Karjalan Tašavalta, Tazavaldkund und Tazavaldu.