Davos. Argentiniens Präsident Javier Milei lieferte in seiner Rede beim Weltwirtschaftsforum in Davos eine recht brauchbare Betriebsanleitung für die Regierungen aller westlichen Demokratien: Der aktuelle Auftritt des Staatschefs war bereits seine dritte Rede als Präsident beim Weltwirtschaftsforum und unterschied sich deutlich von seinen beiden vorherigen, die vor allem durch scharfe Abrechnungen mit Sozialismus und sogenannter „Woke-Ideologie“ geprägt waren. Dieses Mal präsentierte Javier Milei (55) auch eine Botschaft, die er selbst als „gute Nachricht“ für den Westen verstand.
Im Zentrum seiner Ansprache stand ein kulturphilosophischer Appell: Um aus der aktuellen Krise herauszufinden, müsse der Westen zu seinen geistigen und moralischen Grundlagen zurückkehren. Milei nannte dabei explizit die griechische Philosophie, das römische Recht sowie die jüdisch-christlichen Werte als tragende Säulen der westlichen Zivilisation.
Die Grundlagen für Freiheit und Wohlstand
Diese seien, so der Präsident, nicht nur historisches Erbe, sondern unverzichtbare Grundlage für Freiheit, Wohlstand und gesellschaftliche Stabilität.
Gleich zu Beginn erklärte Milei provokant: „Machiavelli ist tot.“ Damit wandte er sich gegen die aus seiner Sicht weitverbreitete Vorstellung, politische Effizienz müsse zwangsläufig im Widerspruch zu Moral und Gerechtigkeit stehen. Dieses Denken habe über Jahre die öffentliche Politik verzerrt. Milei widersprach entschieden: Effizienz und Fairness seien keine Gegensätze, sondern zwei Seiten derselben Medaille. Was gerecht sei, könne auf Dauer nicht ineffizient sein – und umgekehrt. Ein "Freihandel-Kapitalismus" sei das einzig faire System.
Besonders eindringlich warnte der argentinische Präsident allerdings vor den Folgen eines Werteverlustes. Wenn ethische und moralische Grundlagen beiseitegeschoben würden, entstünden nicht nur ungerechte politische Entscheidungen, sondern langfristig auch wirtschaftlicher Niedergang und gesellschaftlicher Zerfall. Dies könne, so Milei, im Extremfall sogar die westliche Zivilisation selbst gefährden.
Venezuela als abschreckendes Beispiel
Wie schon in früheren Reden sparte Milei nicht mit Kritik am Sozialismus. Er erinnerte an die „katastrophalen Ergebnisse“ sozialistischer Politik im 20. Jahrhundert und nannte Venezuela als abschreckendes Beispiel. Dort habe der wirtschaftliche Zusammenbruch nicht nur zu einem massiven Einbruch des Bruttoinlandsprodukts geführt, sondern auch zur Etablierung einer gewalttätigen Drogen-Diktatur mit Auswirkungen auf den gesamten Kontinent.
Neu war jedoch der optimistische Tonfall: Anders als 2024 und 2025 sehe er nun Anzeichen für ein Umdenken. Die Welt beginne aufzuwachen, so Milei, und verwies insbesondere auf die Vereinigten Staaten, wo er eine „Wiedergeburt der Ideen der Freiheit“ beobachte. Die Vereinigten Staaten würden künftig als Leuchtturm fungieren und den gesamten Westen erneut inspirieren.
Milei nutzte die Rede in Davos auch, um die Erfolge seiner eigenen Regierung hervorzuheben. Er verwies auf den Abbau eines massiven Haushaltsdefizits, den drastischen Rückgang der Inflation von dreistelligen Werten auf rund 30 Prozent sowie eine deutliche Reduktion der Armutsquote. Diese Fortschritte seien nicht trotz, sondern wegen einer Politik erzielt worden, die sich an klaren ethischen Prinzipien orientiere.
Tausende Reformen durch den Deregulierungsminister
Besonderes Gewicht legte Milei auf die Rolle seines Deregulierungsministeriums unter Federico Sturzenegger, das unzählige Reformen umgesetzt habe. Diese Maßnahmen hätten den Staat verschlankt und die wirtschaftliche Dynamik Argentiniens neu entfacht. Auf Englisch fasste Milei dies pointiert zusammen: „Make Argentina Great Again.“ Österreich hat ein ähnliches Deregulierungsstaatssekretariat, allerdings mit etwas weniger Erfolgen.
Zum Abschluss griff der Präsident auf ein religiöses Bild zurück: Javier Milei zitierte aus der jüdischen Tora, konkret aus der Parascha Bo, in der Moses dem Pharao entgegentritt. Der Pharao stehe symbolisch für einen unterdrückenden Staat, der Freiheit verweigere – mit verheerenden Folgen. Die Parallele zur Gegenwart sei offensichtlich, so Milei: Gesellschaften, die Freiheit ablehnen, steuerten unweigerlich auf den Niedergang zu.