Die amerikanische Versicherungsgesellschaft Lemonade hat angekündigt, Ende Januar die Versicherungsprämien für Fahrer von Tesla-Elektrofahrzeugen um 50 Prozent zu senken.
Allerdings gibt es eine Bedingung: Die Fahrzeuge müssen mit der Fahrerassistenzsoftware für vollautonomes Fahren (FSD) des Herstellers ausgestattet sein. Nach Angaben des Versicherers belegen eigene Daten, dass damit die Zahl der Unfälle sinkt.
Der Schritt der Versicherung stützt die Aussagen von Tesla-Chef Elon Musk, wonach die Technologie der Fahrzeuge des Herstellers sicherer sei als menschliche Fahrer – trotz der Bedenken von Regulierungsbehörden und Sicherheitsexperten.
In dem Zusammenhang warnen Kritiker vor einer Mischung aus überzogenen Marketingversprechen für die neue Technologie und einem übermäßigen Vertrauen in das autonome System. In solchen Fällen sinkt die Aufmerksamkeit am Steuer, und es besteht die Gefahr, dass sich Nutzer anderen Dingen widmen. Zudem bestehen Bedenken wegen unvorhersehbarer Softwareausfälle im realen Straßenverkehr.
So gab es etwa Fälle, in denen autonome Systeme Ampelsignale ignorierten und in Situationen wie schlechter Sicht, unklaren Verkehrszeichen, vorübergehenden Sperrungen oder bei Straßenarbeiten versagten. Experten betonen, dass die FSD-Software nur unter ständiger Aufsicht und innerhalb klar definierter Grenzen eingesetzt werden sollte.
Weniger Unfälle mit FSD
Im Rahmen der Zusammenarbeit gewährt Tesla dem Versicherungsunternehmen Lemonade Zugang zu den Telemetriedaten der Fahrzeuge. Nach Angaben des in New York ansässigen Versicherungsunternehmens dienen sie dazu, zwischen den mit FSD – unter Aufsicht eines menschlichen Fahrers – zurückgelegten Kilometern und den Fahrten am Steuer zu unterscheiden.
„Tesla-Fahrzeuge mit FSD sind an deutlich weniger Unfällen beteiligt“, erklärte Shai Wininger, Mitbegründer der Versicherungsgesellschaft. „Durch die Anbindung an den Bordcomputer von Tesla erhalten unsere Modelle sehr detaillierte Sensordaten, die eine präzisere Berechnung der Versicherungsprämien ermöglichen.“
Tesla bietet in den Vereinigten Staaten bereits einen eigenen Versicherungsplan mit einem monatlichen Rabatt von bis zu zehn Prozent für Kunden an, die FSD für mehr als die Hälfte ihrer gefahrenen Kilometer nutzen.
Wie man autonome Fahrzeuge versichert
Das neue Angebot von Lemonade mit dem Namen „Versicherung für autonome Fahrzeuge“ kommt zu einer Zeit, in der traditionelle Versicherer Schwierigkeiten haben, Preise für die Nutzung verschiedener Stufen autonomer Fahrfunktionen festzulegen, bei denen sich die Hersteller gegenseitig überbieten.
Die Kommerzialisierung autonomer Fahrzeuge erwies sich als schwieriger und deutlich kostspieliger als erwartet. Die meisten Hersteller bieten ein gewisses Maß an Autonomie für Personenkraftwagen an, die für das Fahren auf Autobahnen ausgelegt sind und ständige Aufmerksamkeit sowie die volle Kontrolle durch den Menschen erfordern.
Tesla FSD ist in der Lage, sowohl auf Stadtstraßen als auch auf Autobahnen autonom zu fahren.
Die von Tesla eingesetzte Technologie, die vor allem auf Kameras und künstliche Intelligenz setzt und auf zusätzliche Sensoren verzichtet, wirft jedoch Bedenken wegen ihrer Grenzen auf, insbesondere bei schlechtem Wetter.
Die US-amerikanische Behörde für Fahrzeugsicherheit hat mehrere Unfälle untersucht, an denen Tesla-Fahrzeuge mit FSD beteiligt waren, und prüft derzeit auch Vorwürfe, wonach Fahrzeuge mit der Technologie Verkehrsverstöße begangen haben.
Lemonade erklärte, die 50-prozentige Senkung der Prämien spiegle „das deutlich verringerte Risiko während des autonomen Betriebs wider, wie es die Daten zeigen“. Unklar bleibt, wie groß und wie belastbar die Datengrundlage ist, auf die sich der Versicherer dabei stützt.
Shai Wininger erklärte, die Versicherungsgesellschaft ziehe eine weitere Senkung der Tarife in Betracht, falls Tesla Software-Updates für FSD veröffentlicht, die die Sicherheit weiter verbessern.
„Traditionelle Versicherer behandeln Tesla wie jedes andere Auto und künstliche Intelligenz wie jeden anderen Fahrer“, sagte der Mitbegründer des Unternehmens. „Aber ein ‚Fahrer‘, der 360 Grad sieht, niemals müde wird und in Millisekunden reagiert, ist mit keinem Menschen zu vergleichen.“
(reuters, im)