Wien/Berlin. In Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit lasten noch immer hohe Arbeitskosten auf Unternehmen und Beschäftigten: Österreich wurde in den jüngsten Jahren zu einem der teuersten Arbeitsmärkte in der EU. Mit durchschnittlich 44,5 Euro pro Arbeitsstunde im Jahr 2024 rangiert Österreich auf dem fünften Platz im EU-Vergleich – hinter Luxemburg (55,2 Euro), Dänemark, Belgien und den Niederlanden. Deutschland kommt hinter Frankreich auf den siebten Platz.
Noch im Jahr 2008 lag Österreich lediglich auf Platz 10. Dieser Aufstieg im Negativ-Ranking ist vor allem den überdurchschnittlich hohen Lohnnebenkosten geschuldet, die den Eurozonen-Durchschnitt von 37,3 Euro pro Stunde weit übersteigen.
Ohne Reformen droht bekanntlich ein Wettbewerbsnachteil, der noch mehr Jobs und Investitionen kostet. Die Daten von Eurostat und der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) zeichnen ein klares Bild.
Österreichs Arbeitskosten haben sich laut Wifo-Monatsbericht vom Oktober 2025 seit 2018 um jährlich 4,1 Prozent gesteigert, also um 0,8 Prozentpunkte mehr als der EU-Durchschnitt.

Besonders die Lohnnebenkosten, die Sozialabgaben, Steuern und andere Zuschläge umfassen, treiben die Preise in die Höhe. Im verarbeitenden Gewerbe belaufen sie sich auf über 40 Euro pro Stunde - das macht Österreich zu einem der teuersten Produktionsstandorte.
Unternehmen klagen über bürokratische Hürden und steigende Belastungen, die Innovationen bremsen und den Export erschweren.
Auch Deutschland leidet unter Kostendruck.
Ähnlich prekär sieht es beim großen Nachbarn Deutschland aus: Hier kostete eine Arbeitsstunde im Jahr 2024 durchschnittlich 43,4 Euro, das ist nur knapp unter Österreichs Wert.
Deutschland belegt damit den siebten Platz in der EU, direkt hinter Frankreich (43,7 Euro) und vor Irland (42,5 Euro). Im Vergleich zum EU-Durchschnitt von 33,5 Euro sind die Kosten um 30 Prozent höher. Besonders im verarbeitenden Gewerbe, dem Rückgrat der deutschen Wirtschaft, liegen die Stundenkosten bei 48,3 Euro. Dieser Wert übertrifft sogar jenen der österreichischen Industrie (44,5 Euro).

Die Parallelen zwischen Österreich und Deutschland sind klar zu sehen: Beide Länder leiden unter hohen Sozialabgaben und Lohnnebenkosten, die den Nettolohn schmälern und die Attraktivität für Investoren mindern. In Deutschland machen Lohnnebenkosten etwa 40 Prozent der Gesamtkosten aus, ähnlich wie in Österreich, wo sie jährlich auf 106 Milliarden Euro anlaufen. Beide Staaten haben in den vergangenen Jahren einen weiteren Anstieg der Kosten erlebt, in Deutschland um 4,6 Prozent im dritten Quartal 2024 im Vergleich zum Vorjahr.
Die Ausgaben für eine alternde Bevölkerung und die extrem steigenden Sozialausgaben treiben die Nebenkosten hoch, während niedrigere Steuersätze in Osteuropa (etwa in Bulgarien mit nur 10,6 Euro pro Stunde) Unternehmen abwandern lassen.
Reformen gefordert
Ökonomen mahnen deshalb Reformen ein: Am Wochenende haben mehrere renommierte Ökonomen in der Kronen Zeitung eine dringende Senkung der Lohnnebenkosten gefordert, um die Wirtschaft anzukurbeln. Margit Schratzenstaller vom Wiener Institut für Wirtschaftsforschung (Wifo) schlägt vor, die Kürzungen durch Gegenfinanzierungen abzufedern: Eine Erhöhung der Steuer auf Diesel oder die Abschaffung vergünstigter Mehrwertsteuersätze für Kino- und Theatertickets, Restaurantumsätze, Tierfutter, Pflanzen oder Hotelzimmer könnten Milliarden einbringen.
Monika Köppl-Turyna, Chefin von EcoAustria, zeigt sich vorsichtig optimistisch: Eine Senkung der Lohnnebenkosten könnte sich bis zu 60 Prozent selbst finanzieren, da Unternehmen mehr Personal einstellen und Investitionen ausweiten würden.
Dénes Kucsera von der Agenda Austria sieht Potenzial bei Kürzungen von Förderungen und Pensionen. Der Beitrag zum Familienlastenausgleichsfonds (FLAF), der gekürzt werden soll, beträgt allein sieben Milliarden Euro – ein erster Ansatzpunkt in einem System, das jährlich 106 Milliarden Euro an Lohnnebenkosten verschlingt.
Bei diesen Vorschlägen zur Reduzierung der Arbeitskosten müssten nun Politik und Gewerkschaften mitziehen – sonst drohen Österreich und Deutschland weiter abzurutschen.