Es ist wirklich schwierig, auf den Finanzmärkten ein Thema zu finden, das keinen Bezug zum amerikanischen Präsidenten hat. Solche Themen gibt es zwar noch, aber sie schaffen es nur selten auf die Titelseiten der Tageszeitungen. Silber gehört derzeit zu den wenigen Ausnahmen.
Der große Silberboom hielt auch 2026 an. 2025 hatte Silber um mehr als 147 Prozent zugelegt und damit Gold deutlich übertroffen, dessen Preis „nur“ um 64 Prozent stieg. Ende vergangener Woche überschritten beide Rohstoffe wichtige psychologische Marken.
Gold überschritt die Marke von 5.000 Dollar pro Unze, und der Silberpreis erreichte zum ersten Mal dreistellige Werte. Dort blieb er jedoch nicht stehen, sondern stieg weiter in Richtung 110 Dollar.

Seit Anfang des Jahres ist der Silberpreis um unglaubliche 54 Prozent gestiegen. Der Kursverlauf erinnert an die Entwicklung des Bitcoins in seiner Blütezeit. Im Falle von Silber handelt es sich jedoch nicht um eine rein spekulative Bewegung, sondern es gibt mehrere rationale Gründe dafür.
Langfristige Unterbewertung und strukturelle Nachfrage
Der erste Grund ist die langfristige Unterbewertung des Edelmetalls. Seit mehreren Jahren wird darüber gesprochen, dass Silber zu billig ist. Trotz des massiven Anstiegs im vergangenen Jahr liegt der Preis immer noch deutlich hinter Gold zurück.
Während Gold derzeit selbst inflationsbereinigt auf historischen Rekordwerten liegt, hat Silber noch einen langen Weg vor sich. Erst bei einem Wert von rund 140 Dollar würde es seine tatsächlichen historischen Höchststände erreichen.
Der zweite wichtige Grund ist die starke strukturelle Nachfrage aus der Industrie. Mehr als 60 Prozent der Gesamtnachfrage nach Silber stammen aus diesem Bereich, insbesondere aus der Herstellung von Solarzellen, der Elektromobilität und der Elektronik im Zusammenhang mit dem Bau von Rechenzentren. Die Elektroautoindustrie wächst vor allem in China rasant, und auch in Asien nimmt die Beliebtheit von Solarzellen deutlich zu. Es handelt sich um einen strukturellen Trend, der die Silberpreise allmählich nach oben treiben wird.
Warum Silber so rasant zulegt
Die Frage ist, warum Silber so sprunghaft steigt. Die Antwort ist relativ einfach: Mehr als 75 Prozent des Silbers werden als Nebenprodukt beim Abbau von Kupfer, Zink, Blei und anderen Metallen gewonnen. Reine Silberminen machen nur etwa ein Viertel der weltweiten Produktion aus. Damit sind wir beim Hauptgrund, nämlich der Unelastizität des Angebots.
Im Gegensatz zu Gold können Silberminenbetreiber nicht schnell auf höhere Preise reagieren, indem sie neue Minen eröffnen oder die Produktion steigern. Damit die Silberproduktion spürbar zunimmt, müssen zunächst die Preise für Kupfer, Zink oder Blei anziehen, damit es sich für die Bergbauunternehmen lohnt, mehr dieser Metalle abzubauen. Der Silbermarkt befindet sich daher seit 2018 in einem anhaltenden Defizit, das im vergangenen Jahr beispielsweise 18 Prozent betrug.
Diese Defizite wurden bisher vor allem durch strategische Reserven und Recycling gedeckt. Jetzt sind die Reserven, insbesondere in China, praktisch erschöpft. In einer Welt, in der Rohstoffe zunehmend an Bedeutung gewinnen, wird der Druck zum Wiederaufbau der Vorräte weiter zunehmen. Der Silberpreis könnte noch lange steigen, bis die strategischen Lager wieder aufgefüllt sind. Der aktuelle Anstieg ist damit keine spekulative Blase – eine solche könnte vielmehr erst noch bevorstehen.
Eine ereignisreiche Woche an der Prager Börse
Die vergangene Woche war an der Prager Börse überraschend turbulent. Die Senkung des Kursziels für die Aktien des Energieunternehmens ČEZ durch die US-Bank Morgan Stanley, die anschließenden Äußerungen des Ministers für Industrie und Handel, Karel Havlíček, wonach die Verstaatlichung von ČEZ wieder auf dem Tisch liege, sowie als dritter Faktor die Einführung der Aktien der Czechoslovak Group (Strnadova skupina CSG) an der Amsterdamer Börse führten zu einem deutlichen Kursverfall der Aktien des Energiekonzerns. Der Star des Prager Marktes hat einen so starken dreitägigen Ausverkauf noch nie erlebt.

Die Theorie kam auf, einige große einheimische Akteure hätten Gewinne aus ČEZ abgezogen, um über Bargeld für den Kauf von CSG-Aktien im Rahmen des Börsengangs zu verfügen. Wie realistisch diese Hypothese ist, lässt sich allerdings schwer beurteilen.
Auf jeden Fall war der Börsengang der Strnad-Holding äußerst erfolgreich. Die Aktien wurden zu einem Kurs von 32 Euro gehandelt, also 28 Prozent über dem Ausgabepreis von 25 Euro. Von der Erstemission profitierten vor allem Finanzinstitute mit Zugang zum Ausgabepreis. Am ersten Handelstag überholte die Marktkapitalisierung von CSG zudem die des Energiekonzerns ČEZ, und Michal Strnad festigte seine Position als reichster Tscheche.
In der zweiten Wochenhälfte erholten sich die Aktien von ČEZ von ihrem Einbruch und legten wieder zu. Möglicherweise bot sich in der vergangenen Woche die Gelegenheit, ČEZ-Aktien zu Ausverkaufspreisen zu kaufen.
Verstaatlichung von ČEZ: zwei Hauptszenarien
Grundsätzlich gibt es zwei Szenarien, wie die Verstaatlichung ablaufen könnte. Das erste erinnert an den französischen Weg mit EDF, bei dem der Staat den Investoren eine akzeptable Prämie über den aktuellen Marktpreis hinaus zahlt. Lange wurde über einen gerundeten Preis von 1.500 tschechischen Kronen pro Aktie (zirka 62 Euro) spekuliert, den die Minderheitsaktionäre wahrscheinlich akzeptieren würden. Das Problem ist, dass die Staatskasse praktisch leer ist und unklar bleibt, wie die Transaktion finanziert werden soll.
Das zweite Szenario ergibt sich aus einer Aussage von Babiš’ Bewegung ANO: „Wir haben ein Modell vorbereitet, das weder den Staatshaushalt noch das Unternehmen ČEZ wesentlich belasten wird.“ Die Formulierung weckt bei den Minderheitsaktionären jedoch erhebliche Bedenken.
Der Staat könnte verschiedene regulatorische und politische Instrumente einsetzen, um langfristig Druck auf den Aktienkurs auszuüben und ihn nach unten zu bewegen. Allein die Androhung einer solchen Entwicklung würde dem Staat bei einem Kauf zum langfristigen Durchschnittspreis Milliarden Kronen einsparen. Konkretere Vorschläge werden höchstwahrscheinlich erst 2027 vorgelegt, sodass der Regierung noch ein ganzes Jahr bleibt, um die Volatilität der ČEZ-Aktie zu erhöhen.
Was ist diese Woche zu beachten?
Eine sehr ereignisreiche Woche steht bevor. Am Mittwoch tagt die US-Notenbank Fed. Von entscheidender Bedeutung wird vor allem die Pressekonferenz sein, also ob und wie Jerome Powell sich zu den Druckversuchen von Präsident Donald Trump äußern wird. Das Weiße Haus könnte die Gelegenheit auch nutzen, um einen neuen Fed-Gouverneur zu benennen, was die Position von Powell sofort schwächen würde.
Sobald der Name seines Nachfolgers bekannt ist, werden die Märkte stärker auf ihn als auf den scheidenden Gouverneur hören, der in den letzten vier Monaten seiner Amtszeit ohnehin keine grundlegenden Entscheidungen mehr durchsetzen kann.
Neben der Fed läuft derzeit eine intensive Berichtssaison. In Europa werden die Zahlen des französischen Unternehmens LVMH, eines wichtigen Akteurs im Luxussektor, von Bedeutung sein, der derzeit einer der wenigen bedeutenden wirtschaftlichen Trümpfe Europas ist. Wenn sich hier eine Erholung abzeichnet, bleibt zumindest die Hoffnung auf ein Wachstum des europäischen BIP.
In den Vereinigten Staaten berichten Microsoft, Meta, Tesla, IBM, Visa, Mastercard, Exxon und Chevron. Die Anleger werden gespannt verfolgen, ob sie Konkreteres über die amerikanischen Pläne zur Ölförderung in Venezuela erfahren.