Weltuntergangsuhr so nah an Mitternacht wie nie zuvor

Die Weltuntergangsuhr warnt seit dem Zweiten Weltkrieg davor, wie nah die Menschheit der Selbstzerstörung ist. Nun steht sie auf 85 Sekunden vor zwölf.

Nuklearwissenschaftler enthüllen in Washington die Weltuntergangsuhr, die nun auf 85 Sekunden vor Mitternacht steht. Foto: AP Photo/Pablo Martinez Monsivais/Profimedia

Nuklearwissenschaftler enthüllen in Washington die Weltuntergangsuhr, die nun auf 85 Sekunden vor Mitternacht steht. Foto: AP Photo/Pablo Martinez Monsivais/Profimedia

Das Bulletin of the Atomic Scientists (BAS) gab am Dienstag bekannt, die Weltuntergangsuhr auf 85 Sekunden vor zwölf – den symbolischen Punkt einer globalen Katastrophe – vorgerückt zu haben. Im Vergleich zum Vorjahr entspricht das einer weiteren Verschiebung um vier Sekunden. Seit ihrer Einführung im Jahr 1947 stand die Uhr noch nie so nah an Mitternacht.

Die in Chicago ansässige gemeinnützige Organisation schuf die Uhr nach dem Zweiten Weltkrieg als Warnung für die Öffentlichkeit, wie nahe die Menschheit der Selbstzerstörung ist.

Wissenschaftler verweisen insbesondere auf das zunehmend aggressive Verhalten der Atommächte Russland, China und USA sowie auf den Zerfall internationaler Abkommen zur Rüstungskontrolle. Laut BAS-Generaldirektorin Alexandra Bell hat sich im vergangenen Jahr im Bereich der nuklearen Risiken „nichts in die richtige Richtung entwickelt”.

„Langfristige diplomatische Rahmenbedingungen stehen unter Druck oder brechen zusammen, die Gefahr von Atomtests ist zurückgekehrt, die Angst vor der Verbreitung von Atomwaffen wächst, und mehrere bewaffnete Konflikte finden im Schatten von Atomwaffenarsenalen statt“, so Bell.

Als Beispiele nannte sie den russischen Krieg gegen die Ukraine, die amerikanischen und israelischen Angriffe auf den Iran oder die Grenzkonflikte zwischen Indien und Pakistan. Sie wies auch auf die Spannungen in Asien hin, darunter auf der koreanischen Halbinsel und in den Beziehungen zwischen China und Taiwan.

Ende des Atomabkommens in Sicht

Ein weiterer wichtiger Faktor ist das bevorstehende Ende des letzten noch gültigen Atomabkommens zwischen den USA und Russland. Der New-START-Vertrag, der die Zahl der eingesetzten Atomsprengköpfe auf jeweils 1.550 begrenzt, läuft am 5. Februar aus. Der russische Präsident Wladimir Putin schlug zwar eine informelle Verlängerung um ein Jahr vor, doch der amerikanische Präsident Donald Trump reagierte bislang nicht offiziell darauf.

Darüber hinaus wies Trump im vergangenen Jahr das US-Militär an, die Vorbereitungen für Atomtests wieder aufzunehmen, die vor mehr als drei Jahrzehnten eingestellt worden waren. Laut Bell würde eine Rückkehr zu den Tests vor allem China in die Karten spielen, das sein Atomwaffenarsenal intensiv ausbaut.

Gleichzeitig warnen Nuklearwissenschaftler vor den Risiken, die mit der unkontrollierten Einbindung künstlicher Intelligenz in militärische Systeme verbunden sind. Sie befürchten einen möglichen Missbrauch bei der Entwicklung biologischer Bedrohungen sowie eine wachsende Rolle bei der weltweiten Verbreitung von Desinformation. Zu den größten Gefahren zählen sie weiterhin auch den Klimawandel.

„Die Uhr der letzten Stunde spiegelt globale Risiken wider, und was wir heute sehen, ist ein globales Versagen der Führungskräfte“, sagte Bell. Ihrer Meinung nach erhöht die Hinwendung zu Nationalismus und Machtkonflikten die Wahrscheinlichkeit einer Katastrophe.

Die Welt im Zeitalter des Informations-Armageddons

An der Bekanntgabe nahm auch die Journalistin Maria Ressa teil, Friedensnobelpreisträgerin des Jahres 2021. Sie wies auf die Gefahren moderner Technologien hin, die ihrer Meinung nach Lügen schneller verbreiten als Fakten.

„Wir leben in einem Informations-Armageddon, verursacht durch Technologien, die unser Leben bestimmen – von sozialen Netzwerken bis hin zu generativer künstlicher Intelligenz“, sagte Ressa. Die Weitergabe von Informationen durch diese Systeme richte sich nicht primär nach Fakten.

(reuters, mja)