Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj ist bereit, sich persönlich mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin zu treffen, sofern ein solches Gespräch zur Klärung der beiden zentralen und besonders sensiblen Punkte der Friedensverhandlungen beitragen kann: der territorialen Ordnung und der künftigen Kontrolle über das Kernkraftwerk Saporischschja. Das erklärte der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha in einem Interview mit Európská pravda.
Außenminister werden sich nicht treffen
Sybiha betonte gleichzeitig, dass er keinen Grund für ein eigenes Treffen mit dem russischen Außenminister Sergej Lawrow sehe. Seiner Meinung nach würde das nur den bestehenden Verhandlungsrahmen stören.
„Wir sollten keine parallelen Bemühungen unternehmen. Es gibt etablierte Verhandlungsteams, denen auch Vertreter des Außenministeriums angehören. Die Schaffung weiterer Formate wäre weder zeitgemäß noch notwendig“, so Sybiha.
Der Außenminister erklärte auch, dass die Verhandlungsteams bereits sachliche und inhaltliche Diskussionen über die Parameter eines möglichen Waffenstillstands sowie über Mechanismen zur Überwachung und Überprüfung seiner Einhaltung geführt hätten.
Druck aus den USA
Laut Quellen der Nachrichtenagentur Reuters haben die Vereinigten Staaten der Ukraine mitgeteilt, dass die Unterzeichnung eines Friedensabkommens mit Russland eine Voraussetzung für den Erhalt amerikanischer Sicherheitsgarantien sei. Darüber berichtete auch die Financial Times. Als möglicher Preis gilt demnach die Abtretung des Donbass an Russland. Die Unterstützung der USA ist für Kiew von entscheidender Bedeutung.
Eine mit den internen Diskussionen vertraute Quelle sagte Reuters hingegen, die Vereinigten Staaten würden der Ukraine keinen konkreten Inhalt eines Abkommens vorschreiben. Berichte über Druck zur Abtretung von Gebieten seien irreführend.
Weitere trilaterale Verhandlungen
Präsident Wolodymyr Selenskyj gab am 26. Januar bekannt, dass Vorbereitungen für ein weiteres trilaterales Treffen der Verhandlungsteams der Ukraine, der Vereinigten Staaten und Russland laufen. Das Treffen soll am Sonntag, 1. Februar, stattfinden.
Die US-Gesandten Steve Witkoff und Jared Kushner äußerten sich nach der letzten Verhandlungsrunde vorsichtig optimistisch, dass in naher Zukunft eine Einigung erzielt werden könnte.
Präsident Selenskyj erklärte am Sonntag, dass das amerikanische Dokument über Sicherheitsgarantien für die Ukraine „zu 100 Prozent fertig“ sei und Kiew nur noch auf die Festlegung des Zeitpunkts und des Ortes seiner Unterzeichnung warte. Gleichzeitig betonte er jedoch erneut, dass die territoriale Integrität der Ukraine in jedem Friedensabkommen gewahrt bleiben müsse.
Der Kreml erklärte unterdessen, dass die Frage des Territoriums für Russland ein wesentlicher Punkt jeder Konfliktbeilegung bleibe.
Laut der Financial Times wächst in Kiew die Unsicherheit darüber, ob Washington die Sicherheitsgarantien tatsächlich unterzeichnen wird.
(reuters, europska pravda, est)