Europäischer Luxus unter Druck durch US-Zölle und schwache Nachfrage aus China

Wenn der Luxus boomt, tritt Europa meist selbstbewusst auf. Aktuell gilt das nicht. Die Zahlen von LVMH zeigen Rückgänge bei Umsatz und Gewinn, die Aktie steht unter Druck. Neben schwacher Nachfrage belastet die Sorge vor höheren US-Zöllen.

Bernard Arnault, Chef des Luxuskonzerns LVMH: Schwächere Geschäftszahlen belasten die LVMH-Aktie und setzen auch andere Luxuswerte unter Druck. Foto: Benoit Tessier/Reuters

Bernard Arnault, Chef des Luxuskonzerns LVMH: Schwächere Geschäftszahlen belasten die LVMH-Aktie und setzen auch andere Luxuswerte unter Druck. Foto: Benoit Tessier/Reuters

Brüssel. Aus wirtschaftlicher Sicht befindet sich Europa im Vergleich zu China und den Vereinigten Staaten in der schwächsten Position. Peking hat weiterhin vergleichsweise niedrige Arbeitskosten und holt beim technologischen Fortschritt gegenüber den USA auf.

Die amerikanische Wirtschaft wird vor allem von Technologieunternehmen und großen Konzernen verschiedener Sektoren getragen. Europa verfügt nur über wenige Bereiche, in denen es wirklich dominiert.

Diese Woche haben zwei bedeutende europäische Konzerne ihre Ergebnisse vorgelegt: LVMH (Louis Vuitton Moët Hennessy) und ASML, ein niederländischer Hersteller von Lithografiesystemen für die Chipproduktion. Beide spielen eine wichtige Rolle für die wirtschaftliche Entwicklung Europas.

Luxusprodukte von LVMH. Foto: Maxim Shemetov/Reuters

LVMH als Maßstab

LVMH gilt als führender Akteur im Luxusgütersektor. Nicht zuletzt deshalb ist der Eigentümer des Konzerns, Bernard Arnault, laut Forbes-Ranking der fünftreichste Mensch der Welt. Sein Privatvermögen betrug im vergangenen Jahr zusammen mit dem seiner Familie 178 Milliarden Euro.

Der Luxusgütersektor gehörte lange zu den Bereichen, die sich dem Einfluss der Globalisierung widersetzten. Luxus basiert auf Qualität, und hier rechnet sich auch teure europäische Arbeit weiterhin. Die Ergebnisse von LVMH als Branchenführer gelten daher als wichtiger Indikator für die Lage des gesamten Segments.

Der Luxusgütersektor durchläuft derzeit keine leichte Phase. Die von Donald Trump angekündigten Zölle waren ein Schlag für die Branche. Zudem besteht Unsicherheit, ob die Abgaben noch deutlich erhöht werden könnten.

Das zeigte sich bereits im Fall von Grönland, wo die erste Reaktion von Donald Trump darin bestand, Zölle für Länder zu erhöhen, die den Plan nicht gutgeheißen hatten. Die Aktien von LVMH reagierten negativ auf die Nachricht. Anleger fragten sich, ob der Rückgang auch nach Veröffentlichung der Ergebnisse anhalten würde.

Für die Luxusindustrie lautet die Antwort „Ja“. Die Aktien von LVMH verloren nach Vorlage der Geschäftszahlen mehr als 7,8 Prozent an Wert. Der Jahresumsatz der Gruppe belief sich auf 80,8 Milliarden Euro und lag damit um 300 Millionen Euro über den Analystenschätzungen. Im Jahresvergleich sank der Umsatz jedoch um fünf Prozent.

Entwicklung der LVMH-Aktien im vergangenen Monat; (Quelle: TradingView)

Auf dem Papier wirken die Zahlen nicht katastrophal, zumal das Schlussquartal eine solide Verbesserung zeigte. Wie lässt sich dann der starke Kursrückgang erklären?

Angesichts der Zollprobleme und der schwachen Nachfrage aus China war der Rückgang zu erwarten. Die Kombination aus sinkenden Umsätzen und steigenden Kosten belastete auch den Betriebsgewinn, der im Jahresvergleich um neun Prozent auf 17,8 Milliarden Euro zurückging.

Vielleicht liegt es an diesem Satz des reichsten Mannes Europas, Bernard Arnault: „Eines weiß ich mit Sicherheit: Der Wunsch nach hochwertigen Produkten geht Hand in Hand mit dem Anstieg des Lebensstandards in der Welt.“

Angesichts der angespannten geopolitischen und wirtschaftlichen Lage, hoher Staatsdefizite in fast allen westlichen Staaten und fehlender Aussicht auf einen kräftigen Aufschwung im Jahr 2026 überwogen bei den Investoren die Sorgen, dass Donald Trump bereit ist, den für Europa wichtigen Sektor mit Zöllen zu belegen.

ASML – wichtiges Glied in der KI-Kette

Die Position von ASML ist eine andere. Das Unternehmen bestimmt nicht die Entwicklung der gesamten Branche, gilt aber als unersetzlich in der Chip-Produktionskette. Als Hersteller von Lithografiemaschinen bildet es den zentralen Engpass im Produktionsprozess von KI-Chips. Die Bedeutung von ASML dürfte daher weiter zunehmen.

Das Schlussquartal 2025 schloss ASML sehr erfolgreich ab. Der Umsatz erreichte einen Rekordwert, und die neuen Aufträge übertrafen die Erwartungen der Analysten deutlich. Gerade der Auftragseingang ist für ASML von großer Bedeutung, da er eine Planung weit in die Zukunft ermöglicht – was im KI-Bereich ein ungewöhnlicher Luxus ist. Die Bestellungen erreichten ein Volumen von 13,16 Milliarden Euro.

Entwicklung der ASML-Aktie im vergangenen Monat, (Quelle: TradingView)

Gute Ergebnisse hatten sich bereits mit den Geschäftszahlen von TSMC abgezeichnet. Der taiwanische Chipfertiger kündigte Rekordinvestitionen in zusätzliche Produktionskapazitäten in den kommenden Jahren an, darunter mehrere neue Werke in den USA. Die Anlagen dürften zwangsläufig mit Technik von ASML ausgestattet werden. Der Ausblick der Unternehmensführung bleibt auch für 2026 sehr optimistisch: Der Umsatz soll 34 bis 39 Milliarden Euro erreichen, nach 32,67 Milliarden im Jahr 2025.

Trotz eines Rekordjahres kommt ASML nicht um Entlassungen herum. Das Unternehmen plant den Abbau von rund 1.700 Stellen, vor allem in den Bereichen Technologie und IT, überwiegend in den Niederlanden und teilweise in den USA. Die Nachricht ist für die Beschäftigten und auch für Europas Wirtschaft negativ, dürfte an der Börse jedoch positiv aufgenommen werden.

Ein weiterer positiver Faktor ist das umfangreiche Aktienrückkaufprogramm, für das die Unternehmensführung bis 2028 bis zu zwölf Milliarden Euro einsetzen will. Kein Wunder also, dass die Aktie von ASML seit Jahresbeginn um 21,1 Prozent zugelegt hat.

Christophe Fouquet, Geschäftsführer von ASML. Foto: Toby Sterling/Reuters

US-Versicherungssektor unter Beschuss

Zu einem vollständigen Überblick über die Märkte gehört auch die Position des US-Präsidenten. Donald Trump kündigte an, eine weitere politische Initiative zu starten und auf eine effizientere Verwendung staatlicher Mittel zu drängen. Neben Maßnahmen zur Begrenzung der Staatsverschuldung plant er im kommenden Jahr eine deutliche Erhöhung der Verteidigungsausgaben. Viele fragen sich, woher Washington die Mittel dafür nehmen will. Die Antwort folgte rasch.

Am Montagabend schlugen die Centers for Medicare and Medicaid Services für das kommende Jahr eine durchschnittliche Erhöhung der Zahlungen an private Medicare-Advantage-Pläne um nur 0,09 Prozent vor. Üblicherweise steigen die Vergütungssätze um vier bis sechs Prozent pro Jahr.

Der gesamte Krankenversicherungssektor verzeichnete einen deutlichen Einbruch. Die Aktien von Unternehmen wie Elevance Health, CVS Health und Humana fielen auf Jahrestiefstände. Den stärksten Rückgang – um bis zu ein Fünftel – meldete UnitedHealth Group, das ausgerechnet an diesem Tag Geschäftszahlen vorlegte. Die Zahlen fielen enttäuschend aus.

Entwicklung der UnitedHealth-Aktie im vergangenen Jahr; (Quelle: TradingView)

Das Krankenversicherungswesen zählt zu den defensivsten Sektoren. Ein so starker Schock zwingt viele Anleger, die Rolle des Bereichs in ihren Portfolios neu zu bewerten. Die UnitedHealth Group galt lange als Symbol dieser Stabilität. Bereits im vergangenen Jahr geriet die Aktie nach dem Rücktritt von CEO Andrew Witty deutlich unter Druck. Damals fiel der Kurs so weit, dass sogar Warren Buffett einstieg. Nun steht das Papier erneut im Ausverkauf.

Investoren fragen sich daher, ob jetzt ein günstiger Einstiegszeitpunkt erreicht ist. Wer das bejaht, geht davon aus, dass es sich um eine klassische Taktik von Donald Trump handelt: zunächst mit einer sehr niedrigen Anhebung der Zahlungen einen maximalen Schock auslösen und anschließend verhandeln. Entscheidend dürfte die Dauer der Gespräche sein.

Kommt die Einigung rasch zustande, ist auch bei den Aktienkursen amerikanischer Krankenversicherer eine baldige Wende möglich. Andernfalls droht ein harter Konflikt zwischen dem Weißen Haus und der Branche. Donald Trump hätte in einem solchen Szenario gute Chancen, politisch zu punkten, indem er den Druck auf die Vermittler zwischen Bundeshaushalt und Versicherten erhöht.